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Frauen werden auch auf absehbare Zeit auf die Diakoninnenweihe verzichten müssen. Dabei ist der Vatikan-Bericht in mehrfacher Sicht bemerkenswert.
Viele Kommentare in den einschlägigen Medien, aber wenig Resonanz in der Breite: So ist mein Eindruck von dem Echo, das der am 4. Dezember veröffentlichte Bericht über die Arbeit der zweiten Vatikankommission zum Diakonat der Frau ausgelöst hat. Die Reaktionen waren erwartbar.
Die einen erfreuten sich daran, dass die sakramentale Weihe von Diakoninnen zum derzeitigen Zeitpunkt für nicht angezeigt gehalten wird, die anderen daran, dass sie auch nicht prinzipiell ausgeschlossen wird – je nach eigenem Standpunkt in der Sache.
Eine mutige Stimme und der Shitstorm
Eine mutige Stimme wagte es, das Ganze als ein rein kulturelles Problem zu bezeichnen. Es ginge lediglich um die Erhaltung der männlichen Einzigartigkeit im klerikalen System – recht hat sie! Ein Shitstorm brach über ihr herein, so stark, dass wieder andere die ideologische Wut, die dabei zutage trat, mit spürbarem Erschrecken kommentierten.
Die verhaltene Resonanz in der Öffentlichkeit ist mehr als nachvollziehbar. Zu offensichtlich ist die Taktik, das Thema Frauenordination durch die Installation immer neuer Kommissionen zu verschleppen. Trotzdem bietet dieser Bericht in mindestens zweierlei Hinsicht Bemerkenswertes.
Ein systematisches Problem
Der Autor
Matthias Remenyi ist Professor für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Würzburg.
Erstens macht er klar, dass es sich bei der Frage nach dem Diakonat der Frau um ein systematisches, nicht primär um ein historisches Problem handelt. Der Verweis auf den historischen Befund allein reicht nicht aus, die Frage zu entscheiden.
Die Genese kann die Geltungsfrage nicht einfach erledigen. Ein „Das-war-immer-schon-so“ reicht nicht hin. Auch bei dieser ideologisch aufgeladenen Thematik muss es um Sachargumente gehen, und die müssen sich auf der Höhe der Zeit bewegen. Das Argument der Gerechtigkeit – beziehungsweise ex negativo: der Diskriminierung – aufgrund gleicher Würde ist ein solches, extrem starkes Argument.
Und das Zweite: In der Frage, ob das Mann-Sein der Geweihten integraler Bestandteil der sakramentalen Identität des Weiheamtes ist, weil es das Mann-Sein Jesu Christi repräsentiert, kommt die Kommission auf ein Patt von fünf gegen fünf Stimmen. In Verbindung mit einer bipolaren Geschlechteranthropologie und einer entsprechenden Brautmetaphorik – Christus als männlicher Bräutigam, Kirche als Braut – ist dieses Argument aber das derzeit auch von höchster Stelle zitierte Hauptargument zugunsten der Unmöglichkeit der Frauenordination.
Dass die Kommission sich darauf gerade nicht einigen kann, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Stringenz des Arguments und auf die argumentative Kraft der Kritiker der Frauenordination insgesamt.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.