Langjährige Leiterin des Benediktinerinnen-Klosters Burg Dinklage

Die Äbtissin im Sitzstreik – Máire Hickey wird 80

Die Bilder gingen bundesweit durch die Medien: Elf Nonnen sitzen in einer Linie vor einem Polizeiwagen, kein Weiterkommen ist möglich. Im Spätsommer 1997 verhinderten die Benediktinerinnen des Klosters Dinklage bei Vechta so die Abschiebung einer ukrainischen Familie, die im Kloster Asyl gefunden hatte. Máire Hickey, die damalige Äbtissin, trug den ungewöhnlichen Protest mit. Am 7. September wird die Benediktinerin, die inzwischen die irische Kylemore Abbey leitet, 80 Jahre alt.

Sitzprotest der Schwestern des Benediktinerinnenabtei Sankt Scholastika in Dinklage gegen die Abschiebung einer ukrainischen Familie, die im Kloster Asyl gefunden hat, am 20. September 1999.Dieses Bild ging um die Welt: Sitzprotest der Schwestern des Benediktinerinnenabtei Sankt Scholastika in Dinklage gegen die Abschiebung einer ukrainischen Familie, die im Kloster Asyl gefunden hat, am 20. September 1999. | Archiv-Foto: KNA

Damals sei es für sie „sehr ungewohnt“ gewesen, der Staatsmacht durch eine Sitzblockade den Weg zu versperren. Aber sie habe „hautnah“ erlebt, dass Gewissen und Gesetz nicht im Einklang miteinander gewesen seien, sagte die Ordensfrau mit ihrer ruhigen, aber bestimmten Art damals der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Bei ihrem Kirchenasyl beriefen sich die Benediktinerinnen auf eine Regel ihres Ordensgründers, Gäste oder Fremde wie Christus aufzunehmen. So sei man damals auch mit der Familie Zubatschev verfahren, begründete Hickey den ungewöhnlichen Sitzstreik. Eine befreundete Gemeinschaft im kanadischen Winnipeg brachte die Flüchtlinge schließlich bei sich unter.

Im zweiten Anlauf ins Kloster

Dass sich die Ordensfrau einmal so würde positionieren müssen, war nicht abzusehen. Hickey wurde 1938 in Dublin geboren und besuchte eine Klosterschule. Nach einem kurzen Noviziat kehrte sie dem Klosterleben den Rücken – für immer, wie sie dachte. Mit 18 ging sie nach England, um dort alte Sprachen zu studieren.

Eher zufällig kam die promovierte Altphilologin und gelernte Sozialarbeiterin später mit Burg Dinklage in Kontakt. Tief berührt von der dortigen Gemeinschaft habe sie gespürt, „wie sich ein neuer Raum für mich öffnete“. Diesen Raum wollte sie betreten. Und so wurde Máire Hickey 1974 mit 35 Jahren zum zweiten Mal Novizin, legte 1977 die Profess und nach sechs Jahren die ewigen Gelübde ab. Bereits 1983 – und dann auch 1995 – wurde sie für jeweils zwölf Jahre zur Äbtissin gewählt. Bis zum Ende ihrer Amtszeit 2007 prägte sie das Kloster maßgeblich.

Feinsinniger Humor

Natürlich habe auch in der Gemeinschaft von Dinklage „nicht nur Friede und Freude“ geherrscht, verriet Hickey. Mit dem für sie typischen feinsinnigen Humor brachte sie es auf den Punkt: „Die meisten meiner Mitschwestern hätte ich mir nicht ausgesucht und sie mich auch nicht.“ Aber auf diesem gemeinsamen Weg lerne man voneinander, reibe sich aneinander. „Was dabei herauskommt, ist runder und freier“, erklärte die Oberin.

Nicht nur ihrer Gemeinschaft in Dinklage diente die wache und zugewandte Ordensfrau. Hickey war viele Jahre 1. Vorsitzende der Vereinigung der benediktinischen Frauenklöster im deutschen Sprachgebiet (VBD), von 1997 bis 2006 zudem die erste Moderatorin der Communio Internationalis Benedictinarum (CIB), eines weltweiten Zusammenschlusses von Benediktinerinnen, der maßgeblich auf ihre Initiative zurückgeht.

Zurück nach Irland

In dieser Position war sie maßgeblich beteiligt an der Entwicklung eines neuen Miteinanders der Benediktinerinnen weltweit. Nachdem sie ihr Amt in Dinklage niedergelegt hatte, ging sie mit 69 Jahren zurück in ihre irische Heimat – eigentlich, um dort in der Kylemore Abbey den Ruhestand zu verbringen.

Kylemore Abbey in IrlandTraumhafte Landschaft: Das Benediktinerinnenkloster Kylemore Abbey in Irland, dem Máire Hickey heute als Äbtissin vorsteht. | Foto: fhwrdh/Wikimedia

Daraus wurde nichts. Die Ordensfrau mit der großen Ausstrahlung wurde auch hier gebeten, die Leitung der ältesten irischen Benediktinerinnenabtei zu übernehmen. Kylemore Abbey gilt als einer der schönsten Orte auf der Grünen Insel. Nicht umsonst heißt es: „Wenn du in Kylemore bist, dann bist Du nur ein kleines Stück vom Himmel entfernt“. Umgeben von Wäldern und Seen liegt das eindrucksvolle Schloss, in dem die Gemeinschaft seit 1871 untergebracht ist, am Fuß eines Berges - majestätisch und in ruhiger Pracht.

Rund 250.000 Touristen besuchen die Abtei jedes Jahr. 2020 werden es wohl noch mehr werden, dann feiert Kylemore Abbey den 100. Jahrestag der Erhebung zur Abtei. Bis dahin bleibt viel zu tun für die agile Äbtissin. Dennoch steht sie in engem Kontakt zu ihren deutschen Mitschwestern. „Sie tut ihren Dienst in Kylemore Abbey, aber hier ist ihre Heimat“, erklärt Schwester Makrina Finlay. Weil sie ihre Stabilitas in Dinklage hat, wurde sie von dort nur nach Irland entsandt. „Sie ist noch immer eine von unseren Schwestern.“