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Auslegung der Sonntagslesungen von Diakon Stephan Rintelen

Die Botschaft des 1. Adventssonntags (A)

Die beste Nachricht dieses Sonntags finden Sie hier! Diakon Stephan Rintelen aus Kleve erklärt, was die Lesungen im Gottesdienst heute zu sagen haben. Und das Evangelium gibt es zum Anhören dazu.

Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele“, so beginnt der Eröffnungsvers des ersten Sonntags im neuen Kirchenjahr. Die Seele zu „erheben“ ist eine eigentümliche Wortwahl, die im Psalm (25,1-3) zum Bekenntnis und zur Bitte führt: „Mein Gott, auf dich vertraue ich, lass mich nicht scheitern.“ Vertrauen auf Gott ist die Losung des neuen Kirchenjahrs – was sollte in unserem Leben und Glauben besser und verlässlicher tragen!

Jesaja wird von dem gleichen Gedanken geführt, wenn er auf den „Berg mit dem Haus des Herrn“ hinweist, der fest gegründet als höchster aller Berge steht. Zu ihm als dem Mittelpunkt der Welt „strömen alle Völker“; er ist das Fundament, auf dem die Menschen stehen. Und sie bitten, dass Gott ihnen zeigen möge, welcher Weg in ihrem Leben der richtige sei.

Frieden unter den Völkern nur noch Wunschdenken?


Das Evangelium zum Hören und Lesen.

Das scheint auch für den Propheten Jesaja nicht von selbst zu gehen. Er sieht, dass es einer Umkehr aller Werte bedarf, wenn es Frieden geben soll. Das auf Krieg zielende Schwert muss zur Pflugschar, die Lanze zum Winzermesser werden.

Jedoch spiegelt der Zustand der heutigen Welt diese Umkehrung gerade nicht wider. Krieg, Streit, Verfolgung in allen Erscheinungsformen erleben wir stattdessen Tag für Tag. Waffen und Gewalt sind allgegenwärtig, Pflugscharen und Winzermesser scheinen Raritäten geworden zu sein.

Ist der Zion, der Berg des Herrn, als Idee vom Frieden unter den Völkern nur noch Wunschdenken? Vertrauen wir auf die Worte von Jesaja, die er „in einer Vision“ gehört hat: „Am Ende der Tage wird es geschehen“, also nicht heute oder morgen; aber es wird geschehen. Im „Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele; mein Gott, dir vertraue ich!“ zeigen sich gerade nicht Kapitulation und Fatalismus, sondern Mut zur Zukunft. Mit der Vision zu leben, dass die tiefe Sehnsucht nach Frieden einmal Wirklichkeit wird, dass Streit und Zank letztlich keine Existenzberechtigung mehr haben, das ist die Chance der Christen, die Chance der Kirche.

Religion als Spaßfaktor

Matthäus berichtet von einer Vision, die Jesus den Jüngern vermittelt. Er greift zunächst zurück auf die Zeit des Noach und der großen Flut. Die Menschen aßen, tranken, heirateten und „ahnten nichts“; sie ahnten nicht, dass ihr Leben so nicht weitergehen werde.

Der Autor
Stephan Rintelen ist Ständiger Diakon in der Pfarrei Zur Heiligen Familie, Kleve.

Heute würden wir sagen, in einer gutbürgerlichen Existenz zu leben, es sich gut gehen zu lassen, Unangenehmes möglichst zu verdrängen, notwendige Entscheidungen hinauszuschieben, das wird nicht funktionieren. Religion als Spaßfaktor, als Event an Weihnachten und Ostern, wird zum Zerrbild, wird in ihr Gegenteil verkehrt; Gott wird hinausbefördert, marginalisiert, eliminiert. Jesus warnt vor einer solchen Lebensweise. Wie in einer Sintflut wird sich alles umkehren.

Jesus möchte wachrütteln

Jesus möchte nicht drohen und Angst machen – im Gegenteil, er sorgt sich um die Menschen, die Brüche in ihrem Leben erfahren und damit nicht umgehen können, die „nichts ahnten“: deren Himmel eingestürzt ist, als die Partnerschaft zu Ende ging, der Arbeitsplatz verloren war, eine Krankheit unerbittlich zuschlug, als Terror und Naturkatastrophen eine persönliche Sintflut auslösten.

Jesus möchte im besten Sinn wachrütteln, auch auf die unangenehmen Ereignisse aufmerksam machen, unsere Sinne schärfen, um die Zeichen der Zeit zu erkennen. Seine Botschaft spricht Mut zu, ist hoffnungsvoll, richtet sich vor allem an Kranke und Schwache, tröstet und stärkt. Wann wird das geschehen? Jesus sagt: „bei der Ankunft des Menschensohnes“, übersetzt beim Advent Jesu, jetzt, heute. Die Stunde, zu der er kommt, kann immer und überall sein; bereiten wir uns darauf vor, seien wir wachsam. Leben wir nicht, als ahnten wir nichts!

Die „Waffen des Lichts“ anlegen

Paulus greift dieses Thema auf, wenn er fordert, aufzustehen vom Schlaf, da die Stunde gekommen sei. Es ist die Stunde der Entscheidung zwischen Licht und Finsternis, zwischen Hinwendung zu Gott oder Abkehr von ihm. Auch Paulus hat eine Vision für ein Zusammenleben der Menschen: Sie sollen die „Werke der Finsternis“ ablegen und die „Waffen des Lichts“ anlegen.

Der Begriff der Waffe verdeutlicht, dass es nicht um Halbherzigkeit und Unentschiedenheit geht, sondern um Eindeutigkeit und Konsequenz und darum, ehrenhaft und ehrlich zu leben, sich nicht gehen zu lassen, für die Schwachen da zu sein. All das bringt er in das Bild des neuen Gewandes, das für Jesus Christus steht. Wir sollen es anlegen. Hier spannt sich der Bogen zur Taufe, in der dem Täufling das weiße Kleid aufgelegt wird mit den Worten: „Du bist eine neue Schöpfung geworden und hast – wie die Schrift sagt – Christus angezogen.“ Ich darf meine Seele zu Gott erheben, darf ihm vertrauen. Nicht mehr ahnungslos, sondern maßlos.

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