Auslegung der Sonntagslesungen von Pater Daniel Hörnemann

Die Botschaft des 4. Adventssonntags (A)

Allmählich wird es weihnachtlich: Die Geburt von Jesus steht an. Doch die Schwangerschaft von Maria ist ziemlich mysteriös. Für Josef eine ziemliche Zumutung. Im besten Sinn des Wortes.

 

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Allmählich wird es weihnachtlich: Die Geburt von Jesus steht an. Doch die Schwangerschaft von Maria ist ziemlich mysteriös. Für Josef eine ziemliche Zumutung. Im besten Sinn des Wortes.

„Mit der Geburt Jesu Christi war es so …“ (Mt 1,18). Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Den Abschnitten aus dem Matthäus-Evangelium und dem Römerbrief nach könnte man fast davon ausgehen. Paulus will den Römern das Evangelium von Gottes Sohn verkünden, „der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids“ (Röm 1,2). Die Verheißung der Propheten wie bei Jesaja ist also längst eingelöst. Alles dreht sich um ein Kind. Am vierten Advent stehen wir zwischen der Ankündigung seiner Geburt und der Erfüllung dieser Zusage an Weihnachten. Ein Kind?

Eine von 362.000 Geburten täglich

Durchschnittlich werden pro Tag 362.000 Kinder auf der Welt geboren. Es sterben pro Tag weltweit durchschnittlich 155.000 Menschen. Somit werden wesentlich mehr Kinder geboren als Menschen sterben. Die Weltbevölkerung nimmt stetig millionenfach zu. Da soll die Geburt eines einzelnen Kindes etwas Besonderes sein?

Statistisch betrachtet gewiss nicht. Doch für die Eltern und die Familie eines neugeborenen Kindes sieht die Sache ganz anders aus. Voll Spannung wird der Geburtstag erwartet. Die werdende Mutter trägt eine immer schwerer werdende Last in sich, die ihr der werdende Vater nicht abnehmen kann. Wird es ein Mädchen oder ein Junge? Wird das kleine Kind gesund zur Welt kommen? In die Vorfreude mischen sich bange Fragen und Sorgen.

Josef träumt

Das war bei Maria und Josef nicht anders. Wobei Maria dem Evangelium nach bereits mehr wusste als Josef. Ihr Kind sollte ein Junge werden und ein Kind Gottes sein. Dabei sind alle Kinder Gottes Kinder, doch mit diesem Kind kommt ein besonderer Mensch zur Welt, dessen Name bereits festliegt: Jesus, Immanuel, Gott mit uns.

Das Evangelium zum Hören

Josef jedoch hatte noch keinen vorbereitenden Besuch eines Engels gehabt. Er musste sich mit der wundersamen, mysteriösen Schwangerschaft seiner Braut erst anfreunden. Eigentlich wollte er die Verbindung in aller Stille lösen und als wahrer Gentleman dabei kein großes Aufsehen machen. Er wird als gerechter und treuer Mann beschrieben. Wie Maria lernt Josef, sich dem göttlichen Geheimnis zu öffnen. Eine Offenbarung im Traum reicht ihm, um das Unerklärliche und seine Pflegevaterrolle anzunehmen und zugleich alles in Gottes Hand zu legen.

In keinem Evangelium ergreift Josef das Wort, er zieht das stille Handeln dem Reden vor. Nach seiner Krise des Zweifelns und der Unsicherheit vertraut er darauf, dass Gott ihn nicht im Stich lässt. Er übernimmt die Verantwortung für das Kind, das nicht von ihm stammt, gibt ihm den Namen Jesus und reiht es ein in seine Vorfahren, deren Stammbaum bis zu David und Abraham reicht.

Offen für Gottes Zeichen

Im Gegensatz zu dem schwachen König Ahas ist Josef offen für die Zeichen Gottes. Der ängstliche König von Juda, dem Südteil des ehemaligen Königreichs Israel, setzte im achten Jahrhundert sein Vertrauen lieber auf militärische Bündnisse als auf Gott. Die Worte des Jesaja schlug er in den Wind. Er wurde nicht nur Untertan der Assyrer, sondern übernahm auch deren Götterkult. Dennoch sollte Gottes Güte weiterhin über Israel wachen und schließlich im angekündigten Immanuel (Jes 7,14) menschliche Gestalt annehmen.

Der Autor

Pater Daniel Hörnemann ist Subprior der Benediktiner-Abtei Gerleve und Theologischer Berater von Kirche+Leben. | Foto: Markus Nolte

Die beiden Typen – Ahas und Josef – könnten unterschiedlicher kaum sein. Der eine will vom „Gott mit uns“ nichts wissen, der andere glaubt das Unglaubliche, an den „Gott mit uns“, der in Jesus zur Welt kommen sollte.Wir könnten uns fragen: Bin ich eher wie Ahas oder wie Josef? Lasse ich Gott in meinem Leben eine Rolle spielen oder nicht? Der Glaube an ihn wird mir nicht aufgezwungen. Meine Beziehung zu ihm basiert auf freier Entscheidung. Advent ist ein Aufeinanderzukommen. Gott kommt mir entgegen, und ich gehe auf ihn zu.

Jesus ist nicht das Christkindchen

Bei Paulus ist das bereits passiert. Als Botschafter Christi fühlt er sich berufen, das Evangelium weltweit zu verkünden. Niemand bekommt eine zweite Chance, einen guten ersten Eindruck zu machen. Vielleicht hat Paulus sich von diesem Gedanken leiten lassen, als er seinen Brief an die Römer verfasste. Mit der sorgsam formulierten Einleitung will er zu seinen Adressaten in der Hauptstadt des Reiches gelangen, um das Evangelium des himmlischen Königs auf den Weg zu bringen.

Für Paulus ist Jesus nicht das Christkindchen oder eine Märchenfigur. Jesus ist für ihn die Erfüllung aller Verheißungen der alten Propheten. In Jesus ruft Gott uns Menschen zur Gemeinschaft mit ihm und schenkt Gnade und Frieden (Röm 1,6f). Das ist seine Weihnachtsbotschaft: Gott sieht mich und dich gern, er nimmt dich und mich in seine Gemeinschaft, und er schenkt uns Gnade und Frieden. Wir alle sind von ihm berufen und können von dem weitergeben, was wir selbst empfangen haben. Wir sind von Gott geliebt. Das ist das eigentliche Weihnachtsgeschenk.

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