Regina Laudage-Kleeberg zum 90. Geburtstag des KFD-Bundesverbands

„Die KFD – Paradebeispiel für den Aufbruch, den die Kirche braucht“

Den 90. Geburtstag feiert der Bundesverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) am Samstag. Ganz schön alt, könnte man meinen. Dabei ist der Verband ein Paradebeispiel für den Aufbruch, den die Kirche braucht, meint Regina Laudage-Kleeberg.

Meine Oma ist in der Kirche ja sehr aktiv: sie lässt keine Messe ausfallen und engagiert sich seit Jahrzehnten in der KFD, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Vor ein paar Jahren meinte sie zu mir: „Junge Frauen wie du kommen gar nicht zu unseren Gottesdiensten. Dabei sind die total gut!“

Ich: „Oma, wann sind die denn?“ Sie: „Ja, immer dienstagmorgens um neun.“ Ich: „Da arbeite ich.“ Oma zuckte die Schultern. Ja, dass jüngere Frauen heutzutage berufstätig sind, das weiß sie durchaus, aber in ihrer geliebten Frauengruppe waren eben nur ältere Damen, die ihre Zeit frei einteilen können. Viele Gruppen sterben so langsam aus. Das sah ich auch für die KFD von Oma kommen. Und das ist natürlich schade, denn diese Gruppen sorgen dafür, dass Frauen einen eigenen Ort in der Kirche haben.

Etwas Großartiges ist passiert

Seit dem Gespräch sind Jahre vergangen und was Großartiges ist passiert. Die KFD hat das Problem erkannt und aus der Not eine Tugend gemacht. Sie hat sich nicht dem Aussterben hingegeben, sondern eine riesige Kampagne zur Mitgliederwerbung gestartet. Seit 2014 sind über 32.000 neue Mitglieder eingetreten. Bei insgesamt 'ner halbe Million Mitgliedern ist das schon kein schlechter Schnitt.

Theologisch gesprochen hat die KFD die Zeichen der Zeit erkannt: sie hat an vielen Orten dafür gesorgt, dass auch junge Frauen wieder einen Sinn darin sehen, Mitglied dieser Gruppe zu sein, denn: Die KFD ist eine Lobbyistin: für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für Gleichberechtigung von Frauen und Männern, für gleiche Löhne und natürlich für Frauen in der Kirche. Sie ist der größte Frauenverband Deutschlands.

Nicht ewig nur meckern, sondern rausgehen und handeln

 Die Autorin:
Regina Laudage-Kleeberg ist Leiterin der Abteilung Kinder, Jugend und junge Erwachsene im Bischöflichen Generalvikariat Essen.Regina Laudage-Kleeberg wohnt in Münster und ist Leiterin der Abteilung Kinder, Jugend und junge Erwachsene im Bischöflichen Generalvikariat Essen. | Foto: Katholisches Rundfunkreferat NRW

Verbände wie die KFD arbeiten bei Veranstaltungen oft mit Claims, also prägnanten Titeln. Einen aus 2015 finde ich am besten: Frauen.Macht.Kirche.

– Ja! So muss es sein, Frauen machen Kirche und Frauen brauchen Macht in der Kirche. Das ist aktueller denn je, wenn gerade wieder vom Vatikan der Frauenpriesterweihe ein Riegel vorgeschoben worden ist. Warum ich Ihnen das unbedingt erzählen wollte? Die KFD ist für mich das Paradebeispiel für den Aufbruch, den meine Kirche braucht: Nicht ewig nur meckern, dass die Leute nicht mehr kommen, sondern rausgehen und handeln. Gottes Segen, liebe KFD! Und nebenbei: Happy Birthday, du wirst ja schon 90 Jahre – auf Bundesebene. Das wird morgen gefeiert. Und ich finde: Du bist auch mit 90 noch lange keine Omi!

Mit freundlicher Genehmigung des Katholischen Rundfunkreferats im WDR. Den Beitrag zum Nachhören finden Sie hier.