Eine Serie von Pfarrer Stefan Jürgens

Die kleine Gebetsschule (35): Was beten unsere Kinder?

Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr. Heute mit Teil 35.

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Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Die Impulse bauen aufeinander auf. „Das persönliche Gebet ist mir ein Herzensanliegen“, sagt Jürgens. Viele hätten jetzt Zeit dafür. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr gibt es an dieser Stelle eine neue Folge seiner "kleinen Gebetsschule".

Was beten unsere Kinder? Die Antwort ist ganz einfach: Unsere Kinder beten, was die Erwachsenen beten. Wenn die Erwachsenen nicht beten, tun es die Kinder auch nicht. Wenn die Erwachsenen nur Kindergebete können, hören die Kinder auf zu beten, wenn sie erwachsen sind. Sie denken dann: Glauben ist ja bloß Kinderkram, das lassen wir bleiben. Tradition, die nur noch pädagogisch gebraucht und missbraucht wird, bricht ab. So ist das. Das merken auch schon Kinder.

Glauben ist etwas für Erwachsene. Kinder können in diesen Glauben hineinwachsen, aber erfassen können sie ihn noch nicht. Brauchen sie auch nicht! Jesus hat die Kinder in den Arm genommen und gesegnet; Er hat ihnen nicht gepredigt. Paulus hat Gemeinden gegründet, keine Kindergärten. „Wenn der Glaube zu klein ist, wächst man heraus. Er muss zu groß sein, dann kann man hineinwachsen.“

Was jedes Christenkind lernen sollte

Pfarrer Stefan Jürgens.
Pfarrer Stefan Jürgens (51) ist Pfarrer in Ahaus. Bekannt geworden ist er auch als Buch-Autor, vor allem durch sein jüngstes Buch "Ausgeheuchelt". | Foto: Christof Haverkamp

Das ist beim Beten wie mit der Bibel: Kinder müssen die biblischen Geschichten kennen lernen, damit sie sie können, wenn sie erwachsen sind. Die Interpretation der Bibel ergibt sich erst im erwachsenen Glauben.

Kein Kind kann die Geschichte vom barmherzigen Vater (Lukas 15,11-32) verstehen, aber jedes Christenkind sollte sie lernen. Kein Kind kann wie der verlorene Sohn freiwillig von zu Hause fortgehen, weil es ja noch abhängig ist; es kann nicht zum verlorenen Sohn werden, solange ihm der Horizont der Freiheit, in die Gott uns stellt, völlig fremd ist. Aber jeder Christ sollte die Geschichte kennen, damit sie sich selbst interpretiert, wenn man sich im Leben verrannt hat, wenn Umkehr angesagt ist. Dann brauche ich den Glauben an einen barmherzigen Gott, der da ist, auf mich wartet und mich festlich empfängt.

Kinder brauchen erwachsene Christen

Was beten unsere Kinder? Wenn sie keine Vorbeter haben, beten sie gar nicht. Wenn sie Vorbeter haben, die selber religiös in den Kinderschuhen stecken, lassen sie es irgendwann bleiben. Oder sie verlassen sich auf den Esoterikmarkt inflationärer Engelbücher, das ist aber auch Kinderkram. Wenn sie erwachsene Vorbeter haben, lernen sie beten: Erst durch Nachahmung, dann durch Reflexion. Schließlich werden sie erwachsene Christen.

Mehr als alle Kindergebetbücher, mehr als alle Kindergarten- und Grundschulpädagogik brauchen unsere Kinder erwachsene Christen, über deren Glauben man zuerst staunen kann, den man dann nachahmt und der schließlich zu einem eigenen, erwachsenen Glauben führt. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg!

Aberglaube und Sorgenpüppchen

Nach meiner Erfahrung mit Familien steht es um das Gebet der Generationen ungefähr so: Es gibt wenige Familien mit Gebetspraxis und Kirchenbindung. Es gibt viele Familien ohne jede Gebetspraxis und Kirchenbindung. Es gibt einige Familien mit ungeklärter Kirchenbindung und einem ererbten magischen Gottesbild, das unreflektiert an die Kinder weitergegeben wird: Aberglaube, Sorgenpüppchen und Omas Schutzengelgebete landen in der Suppe einer gemischten Religiosität, die vor allem dazu dient, sich selbst irgendwie beschützt zu fühlen. Das ist das naturreligiöse Bedürfnis nach eigener Sicherheit

Die Glaubenstradition ist so weit abgebrochen, dass die, die beten, es sehr bewusst tun. Die meisten aber tun es gar nicht, und wenn doch einmal, dann eher magisch-religiös als gläubig: Es wird „gebetet“ (und gebettelt), wenn man Sorgen hat, sozusagen an den Rändern des Lebens (Ängste, Trauer und Tod), nicht aber in dessen Mitte.

Auch wenn es hart klingt: Nur von den wenigen gläubige Familien mit Gebetspraxis und Kirchenbindung ist zu erwarten, dass sie ihren Kindern das Beten lehren.

Morgen geht es weiter!
Stefan Jürgens

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