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Eine Serie von Pfarrer Stefan Jürgens

Die kleine Gebetsschule (37): Beten in der Familie

Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr. Heute mit Teil 37.

Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Die Impulse bauen aufeinander auf. „Das persönliche Gebet ist mir ein Herzensanliegen“, sagt Jürgens. Viele hätten jetzt Zeit dafür. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr gibt es an dieser Stelle eine neue Folge seiner "kleinen Gebetsschule".

Die erste Form des Gebets ist das Leben. Leben wird dort zum Gebet, wo es bewusst gelebt und gestaltet wird. Wo der berufliche Alltag dies zulässt, sind zum Beispiel die gemeinsamen Mahlzeiten, vor allem sonntags, mehr als nur Nahrungsaufnahme. Beim Mahl geschieht Kommunikation, beim Mahl entsteht Gemeinschaft (Gemahl und Gemahlin!).

Auch das Vorlesen von Geschichten kann zu einer Form des Gebets werden: Die Geschichte schenkt Anteil am Erfahrungsschatz der Eltern und anderer Menschen; der Horizont weitet sich, Leben wird gedeutet, Sinn wird erfahren. Gleiches gilt für gemeinsam gestaltete Freizeit, für Spiel und Sport. Durch Symbole (Kerzen, Kreuz, Marienbild) wird der Glaube wie selbstverständlich in das Leben der Familie hinein geholt.

Gebet mit Kleinkindern

Pfarrer Stefan Jürgens (51) ist Pfarrer in Ahaus. Bekannt geworden ist er auch als Buch-Autor, vor allem durch sein jüngstes Buch "Ausgeheuchelt". | Foto: Christof HaverkampPfarrer Stefan Jürgens (51) ist Pfarrer in Ahaus. Bekannt geworden ist er auch als Buch-Autor, vor allem durch sein jüngstes Buch "Ausgeheuchelt". | Foto: Christof Haverkamp

Jesus richtete Seine Botschaft an Erwachsene. Den Kindern hat Er segnend deutlich gemacht: Ihr seid von Gott geliebt! Damit brachte Er Seine Botschaft kindgerecht auf den Punkt. Die Familie ist eine Kirche im Kleinen, eine Hauskirche. Wenn Eltern ihre Kinder segnen, dann erfahren sie ein Zweifaches: zum einen, dass Gott sie begleitet, zum andern, dass auch die Eltern auf Gott und nicht nur auf ihre eigene Kraft vertrauen. Eltern, die ihre Kinder segnen und mit ihnen beten, relativieren sich selbst auf Gott hin. Nur Er ist absolut.

Eltern können zum Beispiel beim Zu-Bett-Bringen ein Kreuz auf die Stirn ihrer Kinder zeichnen. Auch in anderen Formen von Geborgenheit und Zärtlichkeit gewinnt das Kind jenes Urvertrauen, das es für eine gesunde Einstellung zur Welt, zu den Menschen, zu sich selbst und zu Gott braucht.

Gebet mit Kindern im Kindergartenalter

In diesem Alter kann sich der Blick weiten auf andere Menschen hin. Eltern können morgens, abends oder bei Tisch den Kindern an ihrem eigenen Beten Anteil geben. Das langsame Hineinfinden in den erwachsenen Glauben ist besser als das Verkindlichen desselben. Innerhalb ihres eigenen Betens können die Eltern Raum geben für die Anliegen und Bitten der Kinder. Man kann fragen: Für wen sollen wir jetzt beten, an wen besonders denken? Den Kindern wird schnell jemand einfallen. Im Danken sind Kinder häufig sogar die Lehrmeister der Erwachsenen.

So wird schon in diesem Alter deutlich: Durch Jesus Christus, unseren Bruder, stehen wir Menschen in solidarischer Gemeinschaft vor Gott. Dabei sind die Eltern Vor-Beter im Doppelsinn des Wortes: Sie beten zunächst vor und dann erst mit den Kindern, und sie beten ihnen vor.

Gebet im Grundschulalter

Spätestens im Grundschulalter sollte sich das Kind auch vorformulierte Gebete aneignen, die in der christlichen Tradition von großer Bedeutung sind – auswendig und inwendig. Dabei kommt es weniger auf das Verstehen als auf das Tun an; was der Mund nicht sagen kann, geht niemals zu Herzen: Wir beten von außen nach innen, und wir sprechen vor Gott eine Sprache, die größer und weiter ist als der eigene kleine Glaube je sein kann.

Wenn Menschen keine Worte mehr haben, dann können sie oft nicht anders, als auf diese Gebete zurückzugreifen. Außerdem machen sie das Christsein gemeinschaftsfähig. Wird die Vermittlung der Grundgebete allein der Katechese oder dem Religionsunterricht überlassen, so besteht die Gefahr, dass der Glaube zu einer Sonderwelt wird, der seinen Ort nur in der Kirche, in der „frommen Ecke“, am Rand … aber eben nicht mitten im Leben hat. Für das Kind kann der Eindruck entstehen: „Erwachsene brauchen keinen Gott. Wenn ich einmal groß bin, brauche ich auch keinen mehr, denn Gott ist nur etwas für Kinder.“ Auswendig gelernte Grundgebete geben Anteil am Glauben der Erwachsenen und der ganzen Kirche.

Leben mit der Kirche

Die Kirche dankt Gott für Jesus Christus, denn durch Ihn sind wir erlöste und befreite Menschen, unwiderruflich geliebt und erwählt zum ewigen Leben. Das Leben Jesu Christi wird im Kirchenjahr immer wieder gefeiert, in Erinnerung gerufen und dadurch vergegenwärtigt. Wenn christlicher Glaube vor allem eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus ist, wenn dieser Glaube durch Verkündigung und Feier gestärkt und sakramental greifbar wird, dann ist er ohne das Leben mit der Kirche und ohne gegenseitiges Weggeleit der Christen untereinander nicht denkbar und vor allem nicht lebbar.

Glaube ohne Kirche, das ist wie: „Hab mich lieb, aber pack’ mich nicht an!“ Weihnachten kann man nicht feiern ohne die Kar- und Ostertage mitzuvollziehen; Feste kann man nicht feiern, wenn man den Alltag einer Gemeinde nicht kennt. Kinder können besser in einen erwachsenen Glauben hineinfinden, wenn sie lernen, ganz selbstverständlich mit der Kirche zu leben.

Jugendalter – Vorbild sein, ohne Druck auszuüben

Im Jugendalter wird sich, wie in vielen anderen Lebensbereichen, auch die religiöse Welt der Kinder von den Eltern ablösen. Hier zeigt sich auch, ob die religiösen Kinderschuhe ausgezogen und erwachsene Wege des Glaubens begonnen werden. Zu spät ist es dafür allerdings nie.

In religiös gleichgültigen Familien entschwindet der Kinderglaube hier wie ein alter Schirm, den man irgendwo hat stehen lassen und beim besten Willen nicht mehr weiß, wo; die Religion verdunstet einfach, wird nicht weiter vermisst oder schnell durch eine andere Überzeugung ersetzt (Erfolg und Konsum, Desinteresse und Langeweile, Esoterik und Ideologie) . In gläubigen Familien sind jetzt endlose Diskussionen an der Tagesordnung.

Die Jugendlichen versuchen, ihre eigene Existenz zu entwerfen, jemand zu werden; die Ablehnung überkommener Muster bei gleichzeitigem unreflektiertem Adaptieren von Verhaltensweisen von Gleichaltrigen oder von Idolen erzeugen nach außen hin ein ständiges inkonsequentes Durcheinander von Gefühlen.

Zwischen gläubigen Eltern und Kindern bleiben nur wenige Gemeinsamkeiten. Wichtig ist, dass die Eltern ihrer Sache treu bleiben, dass sie Rechenschaft und Zeugnis geben von ihrem Glauben, ohne Druck auszuüben: nicht nur überzeugen, sondern Zeugnis geben. Durch bewusst gestaltetes Leben bleiben sie Vorbilder – weit über das Jugendalter ihrer Kinder hinaus. Wie schön und ermutigend, wenn diese dann spüren: „Unsere Eltern glauben und beten immer noch. Sie haben uns nicht um Gott betrogen.“

Bis morgen!
Stefan Jürgens

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