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Eine Serie von Pfarrer Stefan Jürgens

Die kleine Gebetsschule (5): Das Ende der Religion

Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr. Heute mit Teil 5.

Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Die Impulse bauen aufeinander auf. „Das persönliche Gebet ist mir ein Herzensanliegen“, sagt Jürgens. Viele hätten jetzt Zeit dafür. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr gibt es an dieser Stelle eine neue Folge seiner „kleinen Gebetsschule“.

Jesus ist das Ende der Religion und der Anfang des Glaubens (vgl. Römer 10,4; Galater 5,1). Selbstverständlich ist das Christentum soziologisch gesehen eine der großen Weltreligionen. Es geht ja, bei aller Unterschiedlichkeit, um Göttliches oder um Gott (aber nicht immer um denselben), und es gibt in vielen Religionen die Mystik als ein Umfangenwerden vom Göttlichen. Aber theologisch ist Glaube das Ende der langen, schweren und doch vergeblichen Suche nach Gott, die man als Religion bezeichnen kann.

Das hat nichts mit christlichem Hochmut oder der Abwertung anderer Religionen zu tun. Vielmehr geht es um eine Klarstellung des Christlichen. Wen der Begriff Religion dabei stört, der kann auch von Aberglauben, Fehlform des Glaubens oder von Zauber und Magie sprechen und sie dem Glauben an den Gott und Vater Jesu Christi gegenüber stellen. „Religion ist Unglaube“ (Karl Barth), weil sie ein Machwerk von Menschen ist, sich Gott gefügig zu machen, anstatt sich lieben zu lassen und zu lieben.

Als Christen wie Atheisten galten

Für das Gebet ist die Unterscheidung zwischen Religion und Glaube sehr hilfreich. Denn Religion (religio = Rückbindung) war ursprünglich die pflichtgemäße Unterwerfung unter den antiken Staatskult. Die dazugehörigen Opfer dienten dazu, die Loyalität mit dem Staat, mit dem göttlichen Kaiser zum Ausdruck zu bringen.

Die frühen Christen lehnten diesen Staatskult ab; die galten als Atheisten, weil sie dem Kaiser nicht opferten. Religion ist also funktional zweckorientiert, Glaube ist personal beziehungsorientiert. In der Religion geht es um Pflicht, im Glauben geht es um Liebe, auf „Du und Du“ mit dem Gott Jesu Christi.

Religionen sperren Götter ein

 Pfarrer Stefan Jürgens.
Pfarrer Stefan Jürgens (51) ist Pfarrer in Ahaus. Bekannt geworden ist er auch als Buch-Autor, vor allem durch sein jüngstes Buch „Ausgeheuchelt“. | Foto: Christof Haverkamp

In der Religion zählt, was der Mensch tut, um Gott gnädig zu stimmen: Leistung, gute Taten, Opfer. Im Glauben antwortet der Mensch auf das, was Gott an ihm tut: Erlösung, Gnade, Hingabe. Und er antwortet darauf mit einem Leben aus dem Glauben. Die Religion fordert: „Rette deine Seele“, der Glaube befreit: „Du bist erlöst“.

Religionen sperren ihre Götter in Tempel ein und machen Kult, also menschliches Tun, um mit „Gott“ zu handeln. Der christliche Gottesdienst ist nicht Kult, sondern Liturgie: Wir feiern, dass Gott an uns gehandelt hat und was uns durch Christus längst geschenkt ist: Erlösung. Dabei ist der religiöse Kult immer magisch, weil er von „Gott“ etwas erzwingen will, und die christliche Liturgie immer sakramental, weil sie auf der Ebene von Zeichen eine personale Beziehung zum Ausdruck bringt: Es geht um Dialog, nicht um Beschwörung; es geht um Gottes Dienst an den Menschen, die Ihm dienen in der Welt, nicht darum, sich Gott zu Diensten zu machen.

NAH UND FERN

Die Götter der Religionen
sind unendlich fern.
Der Gott Jesu Christi
ist unendlich nah.

Die Götter sind
unerreichbar weit weg.
Der Gott Jesu Christi
ist unerreicht nah.

Und was bedeutet Erlösung? Der Apostel Paulus sagt, dass wir durch Tod und Auferstehung Jesu Christi vor Gott gerechtfertigt sind (vgl. Römer 3,21-26; Galater 2,16; 5,5-6). Das heißt, dass wir keine Sorge darum haben müssen, wie wir vor Gott dastehen. Ich muss mich nicht vor Ihm rechtfertigen, mich bei Ihm nicht selbst beliebt machen, sondern bin von Ihm aus Liebe gerechtfertigt, nicht durch Leistung; ich habe Ansehen, weil es mich gibt, und nicht, weil ich gut und fromm bin: Gott sieht mich, wie Er Christus sieht. Er selbst hat mich befreit – von der Last der Religion (vgl. Matthäus 11,25-30), von der alten Angst, nicht zu genügen oder mir den Himmel selbst verdienen zu müssen.

Christsein heißt: sich von Gott lieben lassen

Der religiöse Mensch will sich vor „Gott“ irgendwie absichern, der gläubige vertraut darauf, dass ihm in Jesus Christus allein die letzte Sicherheit längst geschenkt ist, und zwar nicht, weil er es verdient hätte, sondern einfach so, aus Liebe. Ich muss also nichts dafür tun, dass Gott mich lieben kann, was wäre das auch für ein „Gott“; aber wenn ich es begriffen habe, dann werde ich anders glauben, beten, handeln.

Mit einem Wort: Wir kommen wirklich „alle in den Himmel“, wie der bekannte Karnevalsschlager meint, aber nicht, „weil wir so brav sind“ – das sind wir nämlich nicht –, sondern weil Jesus Christus unser Erlöser und Heiland ist. Wer seinen Glauben ganz und gar an diesem Christus festmacht, der ist in diesem Sinne gläubig, erlöst und befreit. Christsein bedeutet, sich um Christi Willen von Gott lieben zu lassen – nicht mehr und nicht weniger.

Bis morgen!
Stefan Jürgens

Herzliche Einladung zur Übertragung der Eucharistiefeier aus dem Paulusdom in Münster montags bis samstags um 8 Uhr und aus der Lambertikirche in Münster um 18 Uhr: www.kirche-und-leben.de

 

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