Eine Serie von Pfarrer Stefan Jürgens

Die kleine Gebetsschule (7): Nicht religiös, sondern gläubig

Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr. Heute mit Teil 7.

Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Die Impulse bauen aufeinander auf. „Das persönliche Gebet ist mir ein Herzensanliegen“, sagt Jürgens. Viele hätten jetzt Zeit dafür. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr gibt es an dieser Stelle eine neue Folge seiner "kleinen Gebetsschule".

Als Christin und als Christ zu beten heißt:
Mit beiden Beinen auf dem Boden stehen
und mit ganzem Herzen bei Gott sein.

Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Religion und Glaube:
Der religiöse Mensch will seinem Gott etwas geben, damit er etwas zurückbekommt.
Der gläubige Christ vertraut darauf, dass ihm mit Christus bereits alles geschenkt ist.
Der eine will etwas haben von Gott, der andere will jemand sein vor Ihm.

Der religiöse Mensch will Segen und Glück, Gesundheit und langes Leben.
Dafür ist ihm kein Ritual zu lang und kein Opfer zu viel.
Er will seinen Gott gebrauchen, seine Religion soll nützlich sein.
Der gläubige Christ weiß, dass er von Gott gesegnet ist;
Gesundheit, Glück und Leben kommen aus Seiner Hand.
Deshalb dankt er zuerst für Gottes Liebe und fragt nach Seinem Willen.
Er vertraut dem Vater Jesu Christi, sein Glaube ist eine Haltung.
Als Kinder bitten wir um ein Wunder.
Als Erwachsene arbeiten wir mit am Aufbau des Reiches Gottes.
Nicht kindisch, sondern kindlich vertrauen die Christen.
Ihre Hoffnung aber ist erwachsen.

Pfarrer Stefan Jürgens (51) ist Pfarrer in Ahaus. Bekannt geworden ist er auch als Buch-Autor, vor allem durch sein jüngstes Buch "Ausgeheuchelt". | Foto: Christof HaverkampPfarrer Stefan Jürgens (51) ist Pfarrer in Ahaus. Bekannt geworden ist er auch als Buch-Autor, vor allem durch sein jüngstes Buch "Ausgeheuchelt". | Foto: Christof Haverkamp

Not lehrt beten, sagt der Volksmund. Aber das stimmt nicht. 

Not lehrt nicht beten, sondern allerhöchstens betteln.
Wenn man gar nicht mehr weiter weiß,
dann bettelt man beim Allerhöchsten.

Ein reifer Glaube ist das nicht. Es ist vielleicht ein Anfang.
Es ist Religion: unerwachsen, kindisch, auf Nützlichkeit bedacht.
Ein reifer Glaube will nicht, dass Gott die Naturgesetze aufhebt
oder wunderbar ins Weltgeschehen eingreift.
Ein reifer Glaube hilft, das Leben zu bestehen, hier und jetzt in dieser Welt.
Gebet bedeutet dann Beziehung, Lebenssinn, Solidarität.

Ein Kind bittet: „Lieber Gott, mach, dass es morgen nicht regnet.“
Ein Erwachsener betet: „Lebendiger Gott, gib uns Kraft für einen guten Tag.“
Ein Kind bittet: „Lieber Gott, bring uns sicher nach Hause.“
Ein Erwachsener betet: „Heiliger Gott, begleite uns mit dem Geist der Aufmerksamkeit.“
Ein religiöser Mensch fragt: „Warum hast Du das nur zugelassen, Gott?“
Ein gläubiger Christ vertraut: „Mit Dir werde ich mein Leben bestehen, komme, was kommt.“

Als Kinder beten wir zum „lieben Gott“.
Als Erwachsene merken wir, dass uns Gott in dieses Leben stellt.
Als Christen vertrauen wir so, als ob alles von Gott abhinge.
Aber wir handeln so, als ob alles von uns selbst abhinge.

Die Entscheidung für Christus ist uns wichtiger als das religiöse Gefühl.
Wir wollen nicht nur fromm tun, ab und zu,
sondern Christen werden, immer neu.

Bis morgen!
Stefan Jürgens

Herzliche Einladung zur Übertragung der Eucharistiefeier aus dem Paulusdom in Münster montags bis samstags um 8 Uhr und aus der Lambertikirche in Münster um 18 Uhr: www.kirche-und-leben.de

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