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Eine Serie von Pfarrer Stefan Jürgens

Die kleine Gebetsschule (9): Wie Jesus betet

Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr. Heute mit Teil 9.

Wegen der Corona-Krise gibt es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus lädt deshalb zu einer kleinen Gebetsschule für zu Hause ein. Die Impulse bauen aufeinander auf. „Das persönliche Gebet ist mir ein Herzensanliegen“, sagt Jürgens. Viele hätten jetzt Zeit dafür. Jeden Morgen ab 7.30 Uhr gibt es an dieser Stelle eine neue Folge seiner "kleinen Gebetsschule".

Ich glaube Jesus seinen Gott. Das klingt wie falsches Deutsch, ist es aber nicht. Ich glaube, dass Gott so ist, wie Jesus Ihn zeigt. Und wenn das Gebet der erste Ausdruck des Glaubens ist und wenn Jesus derjenige ist, der einen befreiten Glauben erst möglich gemacht hat – ohne diese naturreligiöse Angst –, dann kann ich am Beten Jesu lernen, wie Beten geht.

Auch Jesus musste glauben lernen. Er ging durch die Schule seiner jüdischen Tradition. Darin fand er einen reichen Schatz an Gebeten, an Weisheit, an guten Gedanken von Gott. In einem jedoch ging er in seiner Gotteserfahrung über das Gelernte hinaus: In der unmittelbaren Beziehung zu Seinem Gott, den er von jetzt an Vater nennt, ja noch mehr: Abba, lieber Vater, oder besser übersetzt: Papa (vgl. Markus 14,36; Römer 8,15; Galater 4,6). Eine enge, faszinierende, intime Beziehung zu Gott, gelebt mit einer großen inneren Freiheit. In dieser freien geschenkten Gottesbeziehung leben auch wir – als Kinder Gottes, als Schwestern und Brüder Jesu Christi.

Kindsein bedeutet: geliebt sein

Was es bedeutet, Kind zu sein, mache ich mir manchmal so bewusst: Eltern wissen von ihrem neugeborenen Kind nur wenig. Sie wissen, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist, ob es gesund ist oder nicht. Sie wissen, dass es ab und zu die Windeln voll macht und regelmäßig Hunger hat. Und dass es irgendwann, nach einem hoffentlich erfüllten Leben, sterben wird. Ziemlich wenig wissen die Eltern von ihrem Kind, und doch lieben sie es über alles. Kindsein bedeutet: geliebt sein um meiner selbst Willen, angenommen sein, weil es mich gibt – ohne Bedingung und ohne Vorleistung. Kind Gottes sein bedeutet eben dieses: Geliebt sein um seiner selbst Willen, angenommen sein, weil es mich gibt – ohne Bedingung und ohne Vorleistung. Gott liebt mich über alles. Er liebt mich weit mehr als Eltern das können: Er gibt sich selbst, Sein Leben, er gibt Seinen Sohn für mich. Wie sollte ich da nicht glücklich, angstfrei, in aller Freiheit, engagiert und selbstvergessen leben?

Pfarrer Stefan Jürgens (51) ist Pfarrer in Ahaus. Bekannt geworden ist er auch als Buch-Autor, vor allem durch sein jüngstes Buch "Ausgeheuchelt". | Foto: Christof HaverkampPfarrer Stefan Jürgens (51) ist Pfarrer in Ahaus. Bekannt geworden ist er auch als Buch-Autor, vor allem durch sein jüngstes Buch "Ausgeheuchelt". | Foto: Christof Haverkamp

Der Apostel Paulus spricht vom Kindsein im Bild vom Erbe. Ein Erbe bekommt alles umsonst geschenkt, wenn er ein Verwandter ersten Grades ist. Er muss nichts dafür tun, es gehört ihm alles schon, einfach weil er Kind ist. „Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir mit Ihm leiden, um mit Ihm auch verherrlicht zu werden“ (Römer 8,17). Ich bin und bleibe Kind Gottes, Erbe Gottes mit Christus; ich habe beim Vater dieselbe „Stellung“ wie Sein Sohn Jesus Christus – in aller Konsequenz. Deshalb bete ich als Christ immer im Namen Jesu.

Beten ist Vertrauensarbeit

Jesus selbst zieht sich immer wieder zurück, wenn Er betet, oft nächtelang. Er betet und lehrt Seine Jünger das Beten. Er betet still und frei, kennt aber auch den Gebetsschatz Seines Volkes. Noch am Kreuz betet Er Psalm 22, um sich in schwerstem Leid mit bekannten Worten Seinem Vater anzuvertrauen: Beten ist Vertrauensarbeit auch für Ihn.

Einmalig ist dabei Seine unverwechselbare, geradezu intime Beziehung zu Seinem Abba-Vater. Und Seine Solidarität mit Seinen Jüngern. Zwar ist das so genannte Abschiedsgebet des Herrn (das „Hohepriesterliche Gebet“ Johannes 17) eine theologische Komposition, aber die Haltung, mit der hier Jesus für seine Jünger zum Vater betet, spricht für sich – und für Ihn.

Bis morgen!
Stefan Jürgens

Herzliche Einladung zur Übertragung der Eucharistiefeier aus dem Paulusdom in Münster montags bis samstags um 8 Uhr und aus der Lambertikirche in Münster um 18 Uhr: www.kirche-und-leben.de

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