Roadstory (5): Woher das Naturschutzgebiet seinen Namen hat

Die unheilige Sage vom „Heiligen Meer“ bei Hopsten

Wo Sonnentau und Libelle zuhause sind, kann es sich nur um ein Paradies handeln. Nicht weit vom Ortszentrum Hopsten im Kreis Steinfurt entfernt liegt das 260 Hektar große Naturschutzgebiet „Heiliges Meer“. Auf dem Rundwanderweg für kleine und große Füße lassen sich schon auf wenigen Kilometern verschiedenste Lebensformen entdecken: „Diese Vielfalt der Natur beeindruckt mich“, findet Bianca Fialla vom LWL-Museum für Naturkunde Münster, die auch Sprecherin für die Biologische Station am Heiligen Meer ist. „Wir haben hier moorige Waldgebiete, die sich mit trockener Heidelandschaft abwechseln, dazu der Blick auf den See mit den Seerosen darauf. Hier kann man wirklich die Seele baumeln lassen.“ Oder sich mit den Smartphone an fünf Stationen per QR-Codes über die landschaftlichen Besonderheiten informieren lassen. 

Doch zu jedem schönen Ort gehört eine Sage, und die vom „Heiligen Meer“ ist besonders grausam: „Essen und Trinken waren ihre Hauptbeschäftigung (…) diesem Laster folgte die Unkeuschheit“, kann man auf den Infotafeln des Bildungs- und Forschungszentrums lesen.

Sage von einem entführten Mädchen

Mönche eines hier angeblich ansässigen Klosters hätten ein Mädchen entführen lassen - so geht die Sage -, damit es ihnen zu Willen sei. Die Sache geht gut aus für das Mädchen, es wird in einem Gewittersturm von Freunden gerettet. Der Blitz indes schlägt in das Klostergut ein, und es versinkt in einem See.

Wahrscheinlich erklärten sich so die Menschen die geologische Besonderheit des „Heiligen Meeres“ und des angrenzenden Gewässers: „Es handelt sich um sogenannte Erdfallseen“, erklärt Bianca Fialla. Der Untergrund des Gebiets besteht aus Sand und Flachmoortorf. Salzlager, sogenannte Salinen in rund 100 Meter Tiefe, lösen sich durch Einwirkung des Grundwassers allmählich auf. Über Jahrhunderte ausgewaschen, entstehen Hohlräume, die gelegentlich einstürzen. Zuletzt sackte 1913 plötzlich die Erde ein und hinterließ ein weiteres Gewässer.

Die Bezeichnung „Heilig“ entstamme übrigens nicht dem religiösen Wortsinn, sondern lasse sich aus dem niederdeutschen „hillig“ für „schlimm“ oder dem altsächsischen „hola“ für „Loch“ oder „Tiefe“ ableiten, informiert das Tourismusbüro Hopsten. Das „Heilige Meer“ könnte Untersuchungen zufolge zwischen 400 und 900 nach Christus entstanden sein. Nachts könne man noch die Glocken des versunkenen Klosters läuten hören.

Hopsten ist das Töddendorf

„Es ist und bleibt eine Sage“, sagt Wilfried Veltin, erster Vorsitzender des Heimatvereins Hopsten, und betont: „Abgesehen von dem Naturschutzgebiet gibt es auch in Hopsten einiges zu entdecken.“ Einen Besuch wert seien neben der Wallfahrtskirche St. Anna zu Breischen auch die alten Töddenhäuser, die von dem Reichtum der einst wandernden Leinenhändler (Tödden) zeugen. Darunter ist das Haus Nieland das bekannteste. „Es ist quasi ein bewohntes Museum“, erklärt Veltin. Nach Anmeldung öffnen die Familie Kutscheid und Familie Greß gerne für Gruppen ihre Türen.

Auch wenn das Heilige Meer so heilig doch nicht ist: Der Arbeiter- und Sozialbischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler war von 1846 bis 1849 Pfarrer von Hopsten. Die von ihm mitbegründete ortansässige Kerzenfabrik fertigt auch heute noch Wachskerzen für den kirchlichen Gebrauch.

Kontakte und Adressen
Heimatverein Hopsten Telefon 0 54 58 / 93 25-50  
Bildungs-   und Forschungszentrum „Heiliges Meer“ www.lwl-heiliges-meer.de

Startpunkt und PKW-Stellplatz:
Parkplatz Hotel Mutter Bahr, Nordbahnstr. 39, in Ibbenbüren-Uffeln an der L 598, alternativ: Parkplatz „Forsthaus Heiliges Meer“ an der L 504, Hopsten

ÖV-Anreise: Werktags ab Ibbenbüren Linie RFB T28 (Busbahnhof Bussteig A/1) bis Haltestelle Uffeln-Wieter

Das Heilige Meer ist an das Radverkehrsnetz NRW angebunden. Am Forschungszentrum, an der Kirche und am Rathaus gibt es Ladestationen für E-Bikes.