Kommentar von Christof Haverkamp

Die Verlierer der Abstimmung über die „Ehe für alle“

Christof Haverkamp über die Verlierer der Abstimmung im Deutschen Bundestag über die „Ehe für alle“.Video: Christof Haverkamp, Michael Bönte, Martin Schmitz
Christof Haverkamp.

Die Abstimmung über die „Ehe für alle“ ist aus fünf Gründen sehr unglücklich verlaufen, meint „Kirche-und-Leben.de“-Chefredakteur Christof Haverkamp. Warum und für wen, erläutert er in seinem Kommentar.

Die Abstimmung über die „Ehe für alle“ ist aus fünf Gründen sehr unglücklich verlaufen. Daher gibt es mehrere Verlierer.

Grund eins: Dieses ethisch hochschwierige Thema hätte eine ausführliche Debatte verdient gehabt. So ist es knapp 100 Tage vor der Bundestagswahl quasi durchs Parlament gepeitscht worden – aus Wahlkampfgründen.

Grund zwei: Die Konsequenzen dieser Gesetzesänderung sind noch lange nicht absehbar. Darüber kann man nicht in aller Eile befinden, zumal es auch ums Grundgesetz geht. Vermutlich wird erst das Bundesverfassungsgericht Klarheit bringen.

Bischöfe als Verlierer

Grund drei: Verloren haben auch die evangelischen und katholischen Bischöfe. Hätten sie bei diesem Thema mit einer Stimme gesprochen, wäre das besser gewesen. So ist wieder einmal die kulturelle Trennung sehr deutlich geworden, und das ausgerechnet im Jahr des Reformationsgedenkens.

Grund vier: Die katholischen Bischöfe sind in die Defensive geraten. Ihre Argumentation ist zwar richtig, aber schwer vermittelbar. So erwecken sie den Eindruck, sie würden sich gegen homosexuelle Paare richten. Aber um Diskriminierung geht es nicht, darf es nicht gehen.

Debatte über Verständnis von Ehe

Grund fünf: Das kirchliche Verständnis von Ehe und das staatliche Verständnis von Ehe driften weiter auseinander. Das ist keine gute Entwicklung.

Nötig ist, auch innerkirchlich, eine breite Debatte darüber, was Ehe eigentlich bedeutet. Da ist die „Ehe für alle“ nur ein Aspekt unter vielen. Viel wichtiger ist die Frage, wie eine Ehe als lebenslanges Versprechen funktionieren kann. Und wie sie auch in Krisenzeiten Bestand haben kann. Das ist nicht allein ein kirchliches Thema. Das geht die ganze Gesellschaft etwas an.