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Gast-Kommentar von Claudia Möllers zur Chance auf Veränderungen

Die Wahrheit über die Einheit in der Kirche - ein Bremsklotz für Reformen

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Die Einheit der Kirche habe sich immer wieder als Bremsklotz für den innerkirchlichen Wandel herausgestellt. Auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat bei seinem Besuch in Deutschland genau diese Einheit erneut beschworen. Jetzt dürften allerdings die deutschen Bischöfe und Laien erst recht nicht von ihrem Weg der Veränderungen abweichen, fordert Claudia Möllers in ihrem Gast-Kommentar.

Da ist sie schon wieder: die viel beschworene Einheit der Kirche. Dieses vermeintlich doch so hohe Gut, das seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil viele Reformideen in der katholischen Kirche im Keim erstickt hat. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat gerade bei seinem Deutschlandbesuch eindringlich darauf hingewiesen, dass die Gemeinschaft Vorrang hat vor allen Visionen und Einzelbedürfnissen. Alles klar: Hier versucht der „zweite Mann“ im Vatikan, den „Synodalen Weg“ in Deutschland auf Kurs zu bringen.

 

Panik unter Priestern

 

Dass im Land der Reformation katholische Bischöfe und Laien in aller Offenheit über Macht in der Kirche, über die Abschaffung des Pflichtzölibats, über eine moderne Sexualmoral und sogar Geschlechtergerechtigkeit diskutieren, wird als Bedrohung der bestehenden Verhältnisse betrachtet. Panik in Klerikerkreisen löst vor allem die Diskussion über die Rolle der Frauen in der Kirche aus. Schon die Weihe von Diakoninnen wäre ein Eindringen in die abgeschottet klerikale Männerwelt.

Die so genannte Einheit der Kirche ist in Wahrheit aber der Bremsklotz für jeglichen Wandel. Dass Parolin die deutschen Katholiken ausdrücklich mahnt, ist ein klares Indiz dafür, mit welch argwöhnischem Blick aus Rom das Treiben in Deutschland betrachtet wird. Längst schon wird von den beharrenden Kräften das Gespenst der Kirchenspaltung bemüht.

 

Spaltung längst da

 

Die Autorin
Claudia Möllers stammt aus Müns­ter und wuchs im Münsterland auf. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie in den Achtzigerjahren bei „Kirche+Leben“. Im Anschluss arbeitete sie bei der Bischöflichen Pressestelle in Münster. Seit 31 Jahren gehört sie zur Redaktion des Münchner Merkurs, wo sie heute die Bayern-Redaktion leitet und Kirchenthemen bearbeitet.

Doch schaut man sich den Zustand der katholischen Kirche an, dann haben geistliche Herren die Spaltung längst vollzogen: Sie halten nicht nur Frauen strikt von allen Weiheämtern fern, sie haben auch eine unrühmliche Spaltung zwischen den Klerikern und den sogenannten Laien betrieben. Und damit haben sie sich vom Volk Gottes entfernt.

Umso wichtiger ist es, dass die deutschen Bischöfe und die Laien jetzt nicht von ihrem Weg weichen. Mit der Brechstange jedoch wird es keine Fortschritte in der Kirche geben. Modernisierer wie Traditionalisten müssen sich davor hüten, mit Maximalforderungen die jeweils anderen so zu provozieren, dass das Projekt am Ende nur scheitern kann.

Sich gegenseitig zuzuhören ohne übereinander herzufallen, könnte schon ein erster Schritt sein. Das ist ein echter Dienst an der Gemeinschaft. Vielleicht wächst dann endlich die Erkenntnis, dass Vielfalt die Einheit bereichern kann.

Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von "Kirche-und-Leben.de" wider.

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