Karl-Heinz Brinkmanns aus Ramsloh schnitzt Krippen aus Weißtorf

Dieses Krippen-Material ist so alt wie Weihnachten

Das Material stammt aus der Zeit etwa um Christi Geburt. Schon deshalb sind Karl-Heinz Brinkmanns Krippen etwas Einzigartiges. Der Stall und die Figuren, die der 64-Jährige schnitzt, bestehen nicht aus Ton, Gips oder Holz – sondern aus Weißtorf.

Die Soden holt er aus dem Moor bei Esterwegen. Sie sind vor gut 2.000 Jahren gewachsen, Jahr für Jahr um gut einen Millimeter. Noch haben sie sich nicht zersetzt in die nächste Stufe, noch sind sie nicht zerfallen zu krümeligem Schwarztorf.

Ein Relief mit 15 Figuren

So kann der Hobby-Künstler aus Ramsloh im Saterland die Fasern und Gewebe der Pflanzen und Gehölze noch erkennen. Ideal für ihn: „In diesem Zustand lassen sie sich optimal mit dem Messer bearbeiten“, sagt Brinkmann.

Vorsichtig sticht er in die Soden hinein, schält mit zarter Hand braune Stücke heraus und lässt nach und nach die gewünschten Formen erkennen: das Relief einer Krippe mit Josef, Maria, Ochs und Esel und mit Jesuskind im Stroh.

Zahnstocher verstärken Beinchen der Schafe

Anschließend macht er sich an die Figuren, die außerdem noch dazugehören und die vor der Krippe stehen: Schäfer, Schafe, ein Lagerfeuer, die Weisen aus dem Morgenland mit Kamelen. Jedes Element ist aus einem Stück gefertigt. Die dünnen Beine der Schafe hat er von innen mit Zahnstochern verstärkt.


Karl-Heinz Brinkmann in seiner Werkstatt | Foto: privat

Gestaltung ist das große Hobby des ehemaligen Bundeswehr-Angestellten. Er malt Acrylbilder, stellt Radierungen und Drucke in seiner Werkstatt her. Und seit mehr als 20 Jahren gehört er dem Kunstkreis Rhauderfehn an. Jedoch: Auf die Sache mit den Torfkrippen wäre er allein vielleicht gar nicht gekommen. Diesen Einfall hatte sein Bruder. Der ist Prokurist eines torfverarbeitenden Betriebes und suchte vor acht Jahren originelle Weihnachtsgeschenke für Geschäftspartner. Karl-Heinz Brinkmann nahm die Idee mit den Torfkrippen auf und fand bald heraus, wie man sie am besten anfertigt.

Drei Arbeitstage braucht er pro Krippe

Rund 50 Torfkrippen sind seither in seiner Werkstatt entstanden. Für jede wählt Brinkmann sorgfältig aus Hunderten die geeignetsten Torfstücke aus, prüft sie auf unerwünschte Hohlräume und macht sich dann ans Werk. Zwei  bis drei Arbeitstage kalkuliert er pro Exemplar.

Jedes behandelt er zum Schluss noch mit einer Flüssigkeit. So stoppt er den weiteren Verfallsprozess. „Die Krippe krümelt dann nicht mehr die weißen Tischdecken voll, auf denen sie oft stehen“, sagt Brinkmann lächelnd.

Ein Exemplar ist in Köln ausgestellt

Über die Grenzen des Bistums hinaus bekannt wurden Brinkmanns Torfkrippen durch den sogenannten Kölner Krippenweg. Diese Aktion in der Domstadt zeigt an rund 120 Stationen besondere Krippen, informiert über ihre Geschichte und organisiert Führungen.

Die Organisatorin war bei den Vorbereitungen vor einigen Jahren auch auf Brinkmanns Torfkrippe gestoßen und erwarb eine davon für die Stadt Köln. Als passenden Aufstellungsort wählte sie eine Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus aus. Der Grund: Der von Brinkmann  verwendete Torf stammt aus dem Moor beim ehemaligen Konzentrationslager im emsländischen Esterwegen.

Insgesamt 50 Torfkrippen hat Karl-Heinz Brinkmann im Laufe der Jahre geschnitzt. Mehr sollen es auch nicht werden, sagt der Hobby-Künstler. Aber so wie er es sagt, klingt es nicht endgültig. „Na ja“, fügt er denn auch an, „wenn sich ein Sammler meldet, muss ich mal sehen.“