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Inhalte für Smartphone und Tablet – Ende 2023 soll Rundgang fertig sein

Digitaler Weg zu Münsters jüdischer Geschichte – Land gibt 224.000 Euro

  • Das NRW-Heimatministerium fördert einen digitalen Rundgang durch Münster auf den Spuren jüdischen Lebens.
  • Ministerin Ina Scharrenbach übergab den Zuwendungsbescheid über 224.000 Euro.
  • Ende 2023 soll der Rundgang fertiggestellt sein.
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Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung in Nordrhein-Westfalen fördert in Münster ein ambitioniertes Projekt der Stadt- und Kulturgeschichte: einen digitalen Rundgang durch die Innenstadt auf den Spuren jüdischen Lebens vom Mittelalter bis heute. Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) hat am Mittwoch auf dem jüdischen Friedhof an der Einsteinstraße den Projekt-Organisatoren den Zuwendungsbescheid über 224.000 Euro übergeben.

Bei der Übergabe führte Marie-Theres Wacker, emeritierte katholische Theologieprofessorin und Vorsitzende des Vereins zur Förderung des jüdischen Friedhofs, in die teilweise schwierige Geschichte der Stadt und ihrer jüdischen Mitbürger seit dem Mittelalter ein.

Projekt noch am Anfang

Sharon Fehr, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde, erhofft sich viel von dem virtuellen Stadtrundgang. Er möge dazu beitragen, „vom jüdischen Leben und der Geschichte zu erzählen und weiterzuerzählen“. Zugleich hofft Fehr, Stationen wie den denkmalgeschützten Friedhof als „Ort der Ruhe und des Friedens der Verstorbenen zu erhalten“.

Die Realisierung des digitalen Rundwegs steht noch ganz am Anfang. Er soll vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch andere Münsteraner und Touristen ansprechen. Gegenwart und Geschichte jüdischen Lebens sollen durch die Technik der „Augmented Reality“ („erweiterte Realität“) lebendig werden - mit Texten, Videos, Bildern, Karten und Animationen, die man sich auf das Smartphone oder Tablet laden kann.

Viele Orte jüdischen Lebens in der Stadt

Geplant sind etwa zehn Standorte in der Innenstadt - neben dem jüdischen Friedhof von 1812 auch der Standort der mittelalterlichen Synagoge, die einst hinter Rathaus und Stadtweinhaus mitten im Zentrum von Münster stand. An der Fußgängerzone Salzstraße, auf dem Schulhof des Gymnasiums Paulinum, am Kanonengraben und an der Klosterstraße, wo die heutige Synagoge steht, finden sich weitere Spuren jüdischer Stadtgeschichte.

Das Gesamtvolumen des Digitalprojekts beläuft sich auf knapp 250.000 Euro. Die Landesförderung deckt 90 Prozent ab, zehn Prozent muss der Verein zur Förderung des Jüdischen Friedhofs aufbringen. Zurzeit sei man dabei, die technischen Kooperationspartner zu suchen, sagte Marie-Theres Wacker. Die Inhalte zum Projekt liefere der Verein. Ende 2023 soll das Ganze abgeschlossen sein.

Warum es den Verein zur Förderung des jüdischen Friedhofs gibt

Der Verein zur Förderung des jüdischen Friedhofs spielt seit Längerem eine wichtige Rolle bei der Vermittlung und beim Erhalt jüdischer Geschichte in Münster. Gegründet wurde er vor vier Jahren. Zuvor war am Seminar für Exegese des Alten Testaments der Katholisch-Theologischen Fakultät in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde eine Dokumentation des Friedhofs erstellt worden.

Studierende der Fakultät hatten die Inschriften der rund 400 Grabdenkmäler aufgenommen. Auf der Homepage www.juedischer-friedhof-muenster.de wird die Arbeit dokumentiert. Als Institutsleiterin Professorin Marie-Theres Wacker in den Ruhestand ging, suchte man in dem Verein eine Weiterführung der Arbeit.

Juden in Münster

Die Geschichte der Juden in Münster ist von Verfolgung, aber auch von Blütezeiten geprägt. Um 1348 wurde das Gemeindeleben ausgelöscht, weil man die Juden für die Pest-Epidemien verantwortlich machte. Bis 1810 gab es mit einer kurzen Unterbrechung unter Bischof Franz von Waldeck keine dauerhafte Besiedlung. Der Magistrat der Stadt hatte jede Niederlassung von Juden verboten.

Erst die französische Besatzung unter Napoleon machte dem ein Ende. 1812 wurde der jüdische Friedhof angelegt. Um 1880 wurde eine Synagoge im byzantinischen Stil errichtet. In der Reichprogromnacht am 9. November 1938 zündeten SA-Männer das Bethaus an. 1961 wurde die heutige Synagoge an der Klosterstraße erbaut.

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