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Katholische Elternschaft: Es geht nicht nur um technische Geräte

Digitalisierung an Schulen – wie kann das gelingen?

  • Corona macht deutlich: Digitaler Unterricht ist notwendig.
  • Eine Umfrage der Katholischen Elternschaft zeigt: Es fehlt an Ausstattung - aber nicht nur.
  • Ein Praktiker sagt, was Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern tun sollten und können.
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Wie geht der Schulbetrieb für 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler und über 200.000 Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen in der Corona-Pandemie weiter? Präsenzunterricht bleibt das Ideal, hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mehrfach betont. Das sei die „höchste Form von Bildungsgerechtigkeit“.

Doch die Gleichung „Offene Schule gleich Bildungsgerechtigkeit“ geht nach Ansicht von Marie-Theres Kastner, Vorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) im Bistum Münster, nur auf, wenn noch so einiges hinzukommt. „Da gehört mehr dazu. Der Wunsch nach Präsenzunterricht bei unserer KED-Umfrage unter fast 10.000 Schülern, Eltern und Lehrern stand durchgängig an erster Stelle“, sagt Kastner. Dicht gefolgt vom Wunsch nach besserer technischer Ausstattung der Schulen, Schüler und Lehrer. „Dabei geht es nicht nur um Geräte.“

„Digitalisierung oft hektisch und ohne Konzept“

Um weitere Erkenntnisse zu sammeln, nahm die KED Münster an einem Online-Seminar „Homeschooling und Distanzunterricht an ihren Grenzen – wie gelingt Pädagogik mit digitalen Medien?“ teil. „Ich beobachte an vielen Schulen, dass die Digitalisierung ernst genommen wird“, berichtete dort Frajo Ligmann, Fachleiter Informatik an den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung in Jülich und Aachen und Lehrer am städtischen Gymnasium Würselen bei Aachen. „Viele Schulen sind gerade dabei, die Digitalisierung einzuführen“ - allerdings oft hektisch, ohne Konzept und Vision: „Die Idee, einfach dass, was vorher analog lief, jetzt digital anzubieten, funktioniert nicht.“

Digitalisierung lasse sich nicht aufhalten, stellt Ligmann klar. „Es gibt keine fünf Berufe mehr, die nicht mit der Digitalisierung zu tun haben. Wer das nicht sieht, hat nicht verstanden, wie die Gesellschaft heute funktioniert. Es geht in der Schule immer darum, junge Menschen auf die Zukunft vorzubereiten.“

Der Netzaktivist Sascha Lobo habe es auf den Punkt gebracht: „Wer daran glaubt, dass das Bildungssystem auch die Aufgabe hat, die Lernenden auf die berufliche und gesellschaftliche Zukunft vorzubereiten, kann daher nicht ernsthaft über das Ob der Verschmelzung von Internet und Bildungssystem diskutieren, sondern nur noch über das Wie.“

Ein Tag Lehrerfortbildung ist genügt nicht

Es gehe darum, Jugendliche mit Medienkompetenz auszustatten - das sei seit zwei Jahren auch laut NRW Schulgesetz verbindlich. „Es geht nicht mehr darum, alles auswendig zu lernen“, betont Ligmannt. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren einen Leitmedienwechsel erlebt – weg vom Buch hin zum Internet. Wissen ist überall verfügbar. Aber ich benötige die Kompetenz, damit umzugehen, es einordnen und beurteilen zu können, ob etwas real oder Fake ist.“  Das könnten Lehrerinnen und Lehrer nur leisten, wenn ihnen Medienpädagogik das nötige Know-How für diesen neuen Unterricht liefert.

Ligmann nimmt die die Lehrenden in die Pflicht: „Die Schüler müssen die vier K beherrschen: die Kommunikation im Internet und den sozialen Medien; die Kollaboration, das gleichzeitige Arbeiten an einem gemeinsamen Projekt; die Kreativität, die uns von der künstlichen Intelligenz unterscheidet, und das kritische Denken.“ Ein Tag Fortbildung als Aneignung der Vermittlungskompetenz reiche nicht. Es gelte, kontinuierlich am Ball zu bleiben.

„Lehrkräfte brauchen Verbindlichkeit“

Marie-Theres Kastner zweifelt, ob es an den Schulen die Bereitschaft gibt, sich damit auseinanderzusetzen. Deshalb wandte sie sich an Ligmann: „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten übersehen, dass Digitalisierung mehr ist als Internet. Wie können wir umschwenken?“

„Durch Inspiration und Verbindlichkeit. Es geht bei Lehrkräften nie über Freiwilligkeit“, meint der Referent, der selbst Lehrer ist. „Wenn die Frage im Raum steht, den Klausurenstapel abzuarbeiten oder mich digital fortzubilden, ist nicht schwer zu erraten, welche Entscheidung die Kolleginnen und Kollegen treffen.“

Der Einfluss der Eltern

Die Schulleitung müsse ihren Lehrkräften den Rücken stärken und Freiräume schaffen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Es koste Kraft, kontinuierlich dabei zu bleiben. „Dabei kommt den Eltern auch die große Rolle zu, das Thema immer wieder auf die Agenda zu bringen“, betont der Referent.

„Eltern haben mehr Einfluss auf die Schulleitung als Kollegen. Unterschätzen Sie Ihre Rolle, Ihre Einflussmöglichkeiten nicht! Es geht um die Zukunft Ihrer Kinder“, appelliert Ligmann.

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