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Der Diözesan-Administrator spricht über die Rolle der Kirche, die Aufgabe von Gemeinden - und über einen neuen Bischof.
„Ich bin durchdrungen davon, dass wir Kirche in der Gesellschaft sind: Wir geben Impulse zu wichtigen Fragen in die Gesellschaft und wir empfangen Impulse aus der Gesellschaft.“ Das betont Münsters Diözesan-Administrator Antonius Hamers in einem Wort zur Fastenzeit, das am 21. und 22. Februar in den Gottesdiensten im Bistum Münster verlesen wird.
Der Übergangsverwalter während der Vakanz des Bischofsstuhls sagt, Kirche reagiere aus dem Evangelium heraus auf gesellschaftliche Fragen, „indem wir uns für den Schutz menschlichen Lebens, für die Bewahrung der Schöpfung, für den Frieden und für die Würde jedes Menschen einsetzen“. Das zeige sich gerade, wenn Pfarreien einladend seien.
Hamers: Nicht alle Gebäude bleiben – vor allem in Städten
„Wer sich einschließt, nicht in den Dialog geht und sich in der Gesellschaft ausgrenzt, der verrät das Evangelium. Jesus lehrt uns, auf alle Menschen zuzugehen und unsere Türen und unsere Herzen offen zu halten“, betont Hamers. Er dankt allen, die sich im Bistum in dieser Weise engagieren.
Die Kirche im Bistum Münster habe gerade in ländlichen Gebieten noch eine hohe Bedeutung. „Zugleich müssen wir so ehrlich sein, dass wir gerade im städtischen Bereich nicht alle Kirchen und kirchlichen Räume werden halten können. Wir stehen vor grundstürzenden Veränderungen, die uns auch dazu zwingen werden, Gebäude aufzugeben“, kündigt Hamers an.
Hamers: Nicht vehement an Gebäuden hängen
Offene Türen und offene Herzen seien nur möglich, wenn die Gläubigen aus ihrer Beziehung zu Jesus handelten. Hamers lädt die Gläubigen ein, diese in der Fastenzeit „im persönlichen Gebet und in der gemeinsamen Feier der Gottesdienste zu bedenken und zu vertiefen“.
Dank der Kirchensteuer und des kirchlichen Vermögens gebe es viele Möglichkeiten, sagt der Diözesan-Administrator. „Zugleich bin ich erschrocken, welch großen Stellenwert materielle Strukturen mitunter haben – wenn mit großer Vehemenz an Kirchen und kirchlichen Gebäuden festgehalten wird, obwohl die Kirchen und Räume nur noch wenig genutzt werden und es nahe läge, kirchliches Leben zu konzentrieren.“
Hamers: Kirche geht es nicht um politischen Beifall
Hamers warnt davor, „in erster Linie auf der Welle der scheinbaren Mehrheitsmeinung zu surfen. Unsere Aufgabe ist es, Diskussionen zu ermöglichen, nicht Meinungen im Vorhinein auszugrenzen. Es gilt, Spaltung zu überwinden, Probleme zu benennen, die Menschen bewegen, und die Politik zu mahnen, Probleme anzugehen und zu lösen. Unser Auftrag bemisst sich nicht am politischen Beifall, sondern an der prophetischen Kraft des Evangeliums.“
Angesichts des Mitgliederschwunds und der Pluralisierung der Gesellschaft sei der Einfluss der Kirche inzwischen begrenzt. Wichtig sei Demut – auch innerkirchlich: „Macht und Hierarchie innerhalb der Kirche müssen kontrolliert und begründet werden, damit sie nicht missbräuchlich ausgeübt werden.“
Hamers: Für neuen Bischof gut aufgestellt
Der Diözesan-Administrator sieht die Kirche von Münster gut aufgestellt: „Ein neuer Bischof kommt in ein Bistum, in dem er auch in säkularen Zeiten gelebten Glauben und Engagement vorfindet.“