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Laien im Bistum Münster wollen Kirche helfen, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen

Diözesankomitee zum Thema Missbrauch: Auch in Verbänden und Gremien wurde weggeschaut

  • Die Frühjahrsvollversammlung des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster hat akute kirchliche Themen wie etwa die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt aufgegriffen.
  • Die Vorsitzende des Komitees Kerstin Stegemann sieht auch die Laien in der Pflicht, Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückzugewinnen.
  • Die Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster, Maria Bubenitschek, wurde zur Geistlichen Beirätin gewählt.
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Die Laienvertretung im Bistum Münster hat bei ihrer digital durchgeführten Frühjahrsvollversammlung eine gemischte Bilanz gezogen. In ihrem Jahresbericht griff die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, Kerstin Stegemann, die kirchlichen Akut-Themen auf: schleppende Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt, Amtsmissbrauch und Negativschlagzeilen aus der katholischen Welt nahezu im Wochentakt. „Wir wollen den Menschen zuhören und gemeinsam überlegen, welche Veränderungen in unserer Kirche notwendig sind“, erklärte die Vorsitzende.

„Auch in den Verbänden und Gremien wurde in der Vergangenheit häufig bei dem Thema Missbrauch weggeschaut.“ Aufgabe der Laienorganisation sei es deswegen, konkrete Lösungen zu erarbeiten. „Das Diözesankomitee will sich dem Prozess der Aufarbeitung stellen und das gemeinsame Gespräch mit Betroffenen suchen“, so Stegemann.

Engagierte mit Kritik an der Kirche konfrontiert

„Die Zahl der Menschen, die aus der Kirche austreten, scheint schier unendlich. Das öffentliche Bild der Institution ist teils katastrophal.“ Kirche gelte vielen als zu rückständig und zu moralisierend, ohne sich selbst stets an die eigenen Wertemaßstäbe zu halten. Das habe weitreichende Konsequenzen.

„Wir Engagierten in den Verbänden und Gremien vor Ort spüren die Vorbehalte der Menschen. Wir sind täglich herausgefordert, diesem Verlust an Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu begegnen."

Menschliche Kontakte werden schwer vermisst

„Dabei haben wir Christinnen und Christen eine frohe Botschaft zu verkünden“, betonte Stegemann. Das müsse noch deutlicher bei den Menschen ankommen. Der Mensch müsse wieder in den Mittelpunkt rücken. Starke Verbände und Engagierte leisteten vielerorts pastorale Aufgaben in den unterschiedlichsten Lebensbereichen.

Zudem stelle sich die Frage, wie christliches Engagement unter den Herausforderungen der Pandemie weitergehen kann. „Corona hat massive Auswirkungen auf die Gesellschaft. Auch im Ehrenamt sind wir stark davon betroffen“, erklärte die Vorsitzende. Zwar hätten sich viele Engagierte spontan zusammengefunden, um anderen zu helfen. Persönliche Begegnungen seien aber bis heute eingeschränkt.

Pandemie zeigt gesellschaftliche Schieflagen

„Für Gruppenstunden, Info-Abende, Mitgliederversammlungen, Bildungsangebote und Freizeitaktivitäten mussten wir neue Konzepte entwickeln.“ Doch nicht jede und jeder sei technisch in der Lage, daran teilzunehmen. „Es bleibt die Hoffnung, dass sich bald alles wieder normalisiert, denn die Begegnungen im Ehrenamt werden schwer vermisst.“ Das sei umso bedauerlicher, da für manche Teilnehmer*innen der Verband der wichtigste Ort sei, an dem sie sich mit der Kirche und dem Glauben identifizieren könnten.

Besonders junge Menschen litten gravierend unter Corona. „Wurden in der ersten Phase von ihnen Zurückhaltung erwartet, um die Alten und Kranken zu schützen, sind sie es jetzt, die auf den Impfstoff und ihre Freiheit warten müssen.“ Die Pandemie habe zudem die gesellschaftlichen Schieflagen überdeutlich aufgedeckt.

Briefwahl der Geistlichen Beirätin Bubenitschek

Die Vollversammlung beschloss außerdem mit überwältigender Zustimmung, Maria Bubenitschek als Geistliche Beirätin per Briefwahl zu wählen. Die Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster wurde bereits auf der Herbstvollversammlung im vergangenen November eingeladen, im Diözesankomitee mitzuarbeiten. Ihre reguläre Wahl stand aber noch aus, da aus Pandemiegründen bisher keine Abstimmung der Delegierten auf einer Präsensveranstaltung möglich war.

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