Buch-Tipp: Kurze, aber nicht seichte Einführung

„Docat“: Knapper Überblick über Katholische Soziallehre

Wer arbeitet sich schon gern durch theologische und sozialwissenschaftliche Gedankengebäude? Wenn Sie nicht zu dieser – gefühlten – Minderheit zählen, aber einen Einblick in die Soziallehre der katholischen Kirche suchen, dann hilft Ihnen der „Docat“.

Er hat seinen Titel von den englischen Worten „do“, also: „etwas tun“, und „catechism“. Der „Docat“ stammt aus der „Youcat“-Familie von Büchern, die jungen Menschen den Katechismus und die Lehre der Kirche erschließen wollen.

Kurze, aber nicht seichte Antworten

Der Aufbau in Fragen und kurze, aber nicht seichte Antworten ist derselbe wie im „Youcat“. Es ist spürbar, dass Jugendliche in der Fragen-Redaktion mitgewirkt haben. Einige Fragen sind ebenso grundsätzlich wie neugierig: „Wer legt eigentlich fest, was Soziallehre die Kirche ist?“ Oder: „Wie weit darf sich die Kirche in soziale Fragen einmischen?“

Wem die kurzen Antworten nicht genügen, der findet jeweils Verweise auf Texte im „Youcat“, im „großen“ Katechismus und im Kompendium der Soziallehre der Kirche.
Behandelt werden Fragen zum Menschenbild der katholischen Kirche, zu bioethischen Fragen (Vorgeburtliche Diagnostik, Abtreibung, Sterbehilfe), zu Prinzipien und Grundwerten der Soziallehre.

Verweise auf Texte des Lehramts

Antworten gibt es auch auf die Frage, wie viele Kinder katholische Familien bekommen sollten, wie man mit Familienformen neben der sakramentalen Ehe umgehen sollte, ob die menschliche Arbeit eine Strafe Gottes ist, ob es ein christliches Wirtschaftsmodell gibt, ob Geld und Macht unethisch sind. Angereichert ist der Fragenkatalog mit Schlüsselpassagen aus Lehramts-Texten, zum Beispiel aus den großen Sozial-Enzykliken der Päpste.

„Docat – Was tun? Die Soziallehre der Kirche“, 320 Seiten, 14,99 Euro, Youcat-Verlag, ISBN 978-3-945148-06-8

Viele Grundlagen-Antworten zielen auf ein junges Publikum. So ließen sich Staat und Globalisierung deutlich vielschichtiger definieren, als es der „Docat“ tut. Auch Exkurse wie zu den neuen Medien haben eher Jugendliche vor Augen.

Zuspitzung macht einige Antworten klarer

Dennoch lässt sich der „Docat“ als Überblick über die Soziallehre auch von Erwachsenen mit Gewinn nutzen. Zumal die Zuspitzung kurzer Antworten viele Aussagen klarer macht als kirchliches Fachchinesisch. Zum Beispiel wird die Frage, ob ein Katholik die Kirche kritisieren darf, ausführlich beantwortet – aber letztlich schlicht mit Ja. Passagen aus dem Katechismus belegen diese Sicht.

Außerdem begründen mehrere Antworten, warum es eine Pflicht der Christen zum sozialen Engagement gibt, warum Katholiken sich ausgerechnet in der Kirche engagieren sollen – und warum Parteien und Verbände gute Erfindungen sind. Dank eines Stichwortverzeichnisses lässt sich der „Docat“ auch als Lexikon nutzen.

Irritierend ist ein „Daumenkino“: Unten rechts auf jeder Seite vollführt ein Strichmännchen-Akrobat Turnübungen und springt dabei sogar durch einen Feuerreifen. Was das soll, bleibt unklar.