Sollen Frauen bei der Amazonas-Synode Stimmrecht erhalten?

Dogmatikerin: Bei Bischofssynode haben schon Laien mit abgestimmt

Ein Frauenstimmrecht bei der aktuellen Amazonas-Synode im Vatikan ist für die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop eine Prinzipienfrage. Schon bei der Jugendsynode 2018 habe die Bischofsversammlung zwei Ordensbrüdern und damit nicht geweihten Männern das Stimmrecht gegeben, sagte sie dem Kölner „Domradio“. Damit sei das Prinzip durchbrochen worden, dass die Weihe Voraussetzung für Entscheidungsvollmacht in der Kirche ist.

Damals habe man bei den beiden nichtgeweihten Synodenteilnehmern eine Diskriminierung vermeiden wollen. „Es wäre absurd, diese Gleichstellung nur für männliche Laien gelten zu lassen, wenn einmal das Prinzip des Weihevorbehalts durchbrochen ist“, so Knop.

Die Forderung

Hintergrund ist eine am Dienstag bekannt gewordene Forderung mehrerer Bischöfe nach Stimmrecht für Frauen bei der Amazonas-Synode. An der seit Sonntag tagenden Bischofsversammlung nehmen auch 35 Frauen, darunter 20 Ordensmitglieder, teil.

„Von der Art und Weise, wie man mit dieser Forderung umgeht und wie man sich schlussendlich entscheidet, wird vieles abhängen“, sagte die Theologin. Mit dem grundsätzlichen Schritt wäre dann der Ausschluss der Laien von der Gestaltung der Kirche überwunden, „und zwar unabhängig von ihrem Geschlecht“, so Knop. Männer und Frauen wären in Bezug auf ihre Teilnahme an kirchlicher Leitung „einander endlich gleichgestellt“.

„Vergangenheit kein Präsjudiz für Zukunft“

Das Amtsverständnis der katholischen Kirche sei nicht immer ein und dasselbe gewesen, erläuterte die Dogmatik-Professorin. In der Geschichte habe es etwa Äbtissinnen gegeben mit viel weiter reichendenden Befugnissen als es heute der Fall sei. Die kirchlichen Ämter entwickelten sich. „Was morgen möglich ist, muss gestern noch nicht der Fall gewesen sein.“ Die Vergangenheit sein kein Präjudiz für die Zukunft.

Mit den Einstellungen von Frauen in leitende Funktionen seien die Diözesen inzwischen auf einem guten Weg, sagte Knop. Allerdings könnten wenige solcher Aktionen nicht die „grundlegende strukturelle Ungerechtigkeit in der Kirche“ aufheben. Die Frage nach Geschlechtergerechtigkeit, die sehr viel damit zu tun habe, welche Glaubwürdigkeit die Kirche im 21. Jahrhundert überhaupt noch habe, sei damit nicht gelöst.