Bischöfe zurückhaltend, einige Verbände offen

„Ehe für alle“: Keine einheitliche Sicht in katholischer Kirche

Uneinheitlich äußern sich Vertreter aus der katholischen Kirche in Deutschland im Vorfeld einer für Freitag erwarteten Abstimmung über die „Ehe für alle“. Zurückhaltend bleibt der Familienbischof der Bischofskonferenz, Erzbischof Heiner Koch aus Berlin. Verbände wie die Katholische Frauengemeinschaft (KFD) zeigen sich eher offen.

Die SPD hatte am Dienstag beschlossen, einen Antrag zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Rechtsausschuss auch ohne Zustimmung der Union zu befürworten. Daraufhin hob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Fraktionssitzung den Fraktionszwang auf. Es gehe um eine Gewissensentscheidung, sagte die CDU-Chefin. Auch die CSU stellte die Abstimmung der Gewissensentscheidung frei.

Mehrere Anträge

Nach Angaben von SPD-Chef Martin Schulz will die SPD-Fraktion einen vom Bundesrat verabschiedeten Antrag des Landes Rheinland-Pfalz und weiterer Länder auf die Tagesordnung des Bundestags setzen. Diesem liegen noch zwei weitere Anträge von Linken und Grünen vor.

Alle Anträge wollen den Paragrafen 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches so ergänzen, dass auch gleichgeschlechtliche Personen eine Ehe eingehen können. Laut Bundesratsantrag sollen „die Rechte der Kirchen und Religionsgemeinschaften“ von der gesetzlichen Neuregelung unberührt bleiben.

Koch betont „Unterschiedlichkeit der Lebensformen“

Der deutsche Familienbischof Heiner Koch bewertet die Pläne zurückhaltend. Die „Ehe für alle“ stelle einen Bruch mit einem jahrhundertealten Eheverständnis dar, sagte Koch in diesen Tagen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Koch betonte, die Position der Bischöfe sei „keinesfalls homophob motiviert“. Eine Unterscheidung zwischen Ehe und einem Rechtsinstitut für gleichgeschlechtliche Paare bedeute keine Diskriminierung. So werde nur „der Unterschiedlichkeit der Lebensformen adäquat Rechnung getragen“.

Der Erzbischof fügte hinzu, die Bischöfe betrachteten die Ehe als lebenslange Verbindung von Mann und Frau mit prinzipieller Offenheit für die Weitergabe von Leben. Diese Verbindung stelle einen „höchst wertvollen Raum für die Erziehung ihrer Kinder“ dar.

KFD-Vorsitzende aufgeschlossen

Die neue Bundesvorsitzende der KFD, Mechthild Heil, zeigt sich aufgeschlossen gegenüber der Zivilehe für Homosexuelle. „Gesetzlich sind die Ehe und die gleichgeschlechtliche Partnerschaft ja fast gleichgestellt; wir streiten uns jetzt nur noch über den Begriff“, sagte sie Immer mehr Menschen, darunter auch eine Mehrheit der Katholiken, befürworteten den Ehebegriff auch für diese Partnerschaften.

KFD-Frau Heil, die Bundestagsabgeordnete der CDU ist, rechnet damit, dass es „insbesondere mit Blick auf die Rechtsprechung“ über kurz oder lang nur noch „den einen Begriff der Ehe geben“ werde. Damit sei aber „nicht das katholische Sakrament der Ehe gemeint“.

ZdK verweist auf Verfassungsfragen

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht in der Debatte Verfassungsfragen berührt. ZdK-Präsident Thomas Sternberg sagte der KNA, er bezweifle, ob ein einfaches Gesetz für eine Gleichstellung ausreiche. Das Grundgesetz sehe einen besonderen Schutz für Ehe und Familie vor. „Wenn die Mütter und Väter des Grundgesetzes darunter die Beziehung zwischen Mann und Frau und die Orientierung auf Kinder verstanden haben, kann man das nicht so einfach übergehen.“

Gleichgeschlechtliche Paare, die verbindlich Verantwortung füreinander übernehmen, hätten Anspruch auf besonderen Schutz und verdienten vorbehaltlose Anerkennung. Es gebe aber keine Notwendigkeit, so verschiedene Dinge wie die Ehe und die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft als gleich zu bezeichnen, so Sternberg.

Der Präsident des Familienbunds der Katholiken, Stefan Becker, sieht in einer möglichen „Ehe für alle“ auch eine Chance für die Kirche. Wenn es zu einer Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare komme, biete sich die Möglichkeit, eine breite Debatte darüber anzustoßen, wie die Gesellschaft „gute und stabile Familienverhältnisse“ fördern könne. Die Kirche müsse dann noch einmal verstärkt auf die Unterschiede zwischen einer zivilrechtlichen und einer kirchlichen Ehe verweisen.