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Regionentreffen des Reformprozesses zur Rolle der Frau und zur Sexualmoral

„Eher forsch als zu vorsichtig“: Treffen des Synodalen Wegs beendet

  • Die Regionentreffen des Synodalen Wegs in fünf Städten sind beendet worden.
  • Themen der Beratungen: Frauen in der Kirche, Sexualmoral und Corona-Konsequenzen für das kirchliche Leben.
  • Die nächste Synodalversammlung soll im Februar 2021 stattfinden.

Mit Gottesdiensten sind am Freitagabend die fünf Regionenkonferenzen des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg zu Ende gegangen. Die Treffen in Berlin, Dortmund, Ludwigshafen, Frankfurt und München waren geprägt durch Rufe nach mehr Beteiligung von Frauen in der Kirche. Zentrales Thema war außerdem eine Bestandsaufnahme von Seelsorge und sozialer Arbeit in Zeiten von Corona. Die Delegierten des Bistums Münster beteiligten sich an den Beratungen in Dortmund.

Die Treffen mit jeweils etwa 50 Teilnehmern fanden anstelle der wegen der Pandemie verschobenen zweiten Synodalversammlung statt. Diese ist das höchste Gremium des Synodalen Weges, mit dem Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) unter anderem nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen wollen.

Folgen der Corona-Krise für die Kirche

Am Vormittag diskutierten die Delegierten auf den Regionenkonferenzen über die Folgen der Corona-Krise für das kirchliche Leben. Wie unter einem Brennglas habe sie Probleme, aber auch Neuaufbrüche sichtbar gemacht. Neben allen anderen Folgen habe die Pandemie bewirkt, „dass wir als Menschen vor unsere Endlichkeit gestellt worden sind“, sagte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx warnte vor Aberglaube und Verschwörungsmythen. Manche Briefe, die ihn erreicht hätten, zeugten von „magischen Vorstellungen“. Dazu gehöre unter anderem die Überzeugung, sich bei der Kommunion nicht mit dem Virus anstecken zu können.

Bischof Dieser: Sexualmoral empfinden viele diskriminierend

Am Nachmittag standen Aussprachen zu den Themen Frauen und Sexualität auf dem Programm. Die dazu von den beiden zuständigen Arbeitsgruppen vorgelegten Papiere wurden teils kontrovers diskutiert. Der Aachener Bischof Helmut Dieser betonte, er hoffe auf eine merkliche Änderung der katholischen Sexualmoral. „Der Knackpunkt ist, dass viele Menschen die katholische Auffassung von Sexualität an vielen Stellen als diskriminierend empfinden“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der Bischof leitet das Synodalforum zur Sexualmoral, das für das Treffen am Freitag einen ersten Text zur Diskussion vorlegte. 

Die Kirche müsse lernen, „dass Sexualität nicht ein Ding neben dem Mensch-Sein ist, sondern ein Teil davon“. Er wolle sich nicht dem Zeitgeist anpassen, sondern Erkenntnisse - auch aus den Humanwissenschaften - mit dem Glauben ins Gespräch bringen.

Vielfalt sexueller Identitäten und Orientierungen

In dem Papier, das mehrere Vorschläge für insgesamt elf Voten umfasst, heißt es unter anderem: „Wir würdigen die verschiedenen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten der Menschen sowie die auf Dauer, Treue und Ausschließlichkeit angelegten Paar-Beziehungen dieser Menschen.“ Die katholische Kirche lehnt nach offizieller Lehre homosexuelle Handlungen ab, auch wenn die Partner in einer dauerhaften Beziehung leben. Zugleich fordert sie Respekt und lehnt die Diskriminierung homosexueller Menschen ab. Mehrere Bischöfe hatten sich wiederholt für eine Reform der kirchlichen Sexuallehre ausgesprochen.

Dieser betonte, es gebe eine größere Vielfalt sexueller Identitäten und Orientierungen, die nicht austauschbar seien, und die sich die Menschen nicht auswählten. Er hoffe, dass das Papier im weiteren Verlauf des Reformprozesses eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe finden werde. „Dann hätten wir zumindest ein Ergebnis des Synodalen Weges, das in Deutschland dazu führt, dass es eine klare Absicht gibt, weiterzugehen.“ Dies sei ein wichtiges Signal auch mit Blick auf die Weltkirche.

Kritiker: Sexualpapier ist nicht mutig genug

Mehrere reformorientierte Konferenzteilnehmer in Dortmund kritisierten das Papier als realitätsfern, unverständlich, unklar und nicht mutig genug. Der Pastoraltheologe Matthias Sellmann aus Bochum forderte mehr Begründungen, Argumentationen und wissenschaftliche Referenzen in dem Dokument, „damit man sich auf einem erwachsenen Niveau theologisch unterhalten kann“.

Die Theologin Martina Kreidler-Kos aus dem Bistum Osnabrück, die dem Forum angehört, das das Papier verantwortet, verwies auf Meinungsverschiedenheiten in ihrer Gruppe. Selbst die Aussage, dass die Lehre der Kirche und die Lebenswirklichkeit der Menschen beim Thema Sexualität auseinanderklafften, würden nicht alle im Forum unterschreiben. Kreidler-Kos plädierte für klarere Positionierungen innerhalb ihrer Gruppe, wofür sie in Dortmund Zustimmung erhielt. Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp war früh aus dem Forum ausgetreten. Die dort mehrheitlich verfolgte Linie ziele auf eine Veränderung der kirchlichen Sexualmoral ab, erklärte er in einem Interview zur Begründung.

Ärger mit dem Frauen-Papier

Die Verantwortlichen für das Frauen-Papier räumten mit Blick auf Kritik des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer Versäumnisse ein. Voderholzer, selbst Mitglied der Arbeitsgruppe, hatte in einem Offenen Brief beklagt, dass Textbestandteile publiziert worden seien, über die das Forum noch nicht beraten habe.

Außerdem, so Voderholzer weiter, lasse der Text „jedes theologische Niveau vermissen“. Darin heißt es unter anderem, Jesus habe Jüngerinnen und Jünger gehabt und niemanden geweiht. Daraus waren in dem Text Forderungen für mehr Mitwirkung von Frauen in der Kirche abgeleitet worden. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, nannte die Kritik berechtigt und betonte, dass eine theologisch „saubere“ Arbeit nötig sei.

Bätzing: Entspannend, nicht entscheiden zu müssen

Vor den Konferenzorten machten unterdessen Frauen mit Mahnwachen und Plakaten auf ihre Anliegen aufmerksam. „Schweigen war gestern, Schwestern“ oder „Wenn ich groß bin, werde ich Päpstin“, war darauf zu lesen.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg würdigte in Dortmund die Gesprächsatmosphäre. Zugleich sei der Wunsch nach Veränderungen spürbar gewesen, sagte er der KNA. „Ich hatte den Eindruck, es gab sehr viel Ermutigung, eher forsch heranzugehen als zu vorsichtig.“

Bischof Bätzing beendete das Treffen in Frankfurt mit einem Augenzwinkern: „Es war entspannend, heute nicht entscheiden zu müssen.“ Die Beratungen werden im Februar 2021 auf der nächsten Synodalversammlung fortgesetzt. Dann stehen nicht nur die Papiere zu Frauen und Sexualmoral zur Diskussion, sondern vielleicht auch die zu priesterlichen Lebensformen und Macht.

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