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Häufig ist von einer Krise des Engagements die Rede, nicht nur in der Kirche. Thorsten Hendricks ruft dazu auf, den eigenen Blick zu weiten.
Innerhalb einer Woche habe ich an zwei offenen Abenden von Feuerwehren teilgenommen. Der eine Abend mit ausgestellten Fahrzeugen, Grillwürstchen Getränken und Kinderprogramm in meinem Urlaub auf Juist. Und als ich aus den Ferien zurückkehrte, beim Brunnenfest der Feuerwehr in Kleve-Materborn. Auch dort gab es organisierte Begegnung bei Getränken und einem Imbiss unter dem Fallschirm. Viele der Feuerwehrleute und ihre Familienangehörigen waren im Einsatz zum Wohle der Gäste. Doppeltes ehrenamtliches Engagement neben der Einsatz-Bereitschaft im Notfall 24/7, also täglich rund um die Uhr!
Gerade die Trockenheit des Sommers führt uns doch vor Augen, wie sehr wir den Einsatz von freiwillig Engagierten im Notfall benötigen. In einer Gesellschaft, in der vermeintlich jeder sich selbst der Nächste ist, sind solche freiwillig Engagierte in den Hilfs- und Rettungsdiensten Gold wert. Gut, dass es in den Jugendfeuerwehren – auch das im Ehrenamt – viele tatkräftig Unterstützende in der Ausbildung und Begleitung gibt. Feuerwehr hat Zukunft! Wir erleben aber auch, dass Hilfs- und Rettungskräfte im Einsatz teilweise behindert oder angegriffen werden. Wer die Menschenwürde als höchstes Gut anerkennt, kann solche Hindernisse im Einsatz nicht dulden!
Ferienfreizeiten als Beispiel
Der Autor
Thorsten Hendricks ist Pfarrer in der Pfarrei Heilige Familie in Kleve-Materborn.
In den Sommerferien, die in NRW in diesen Tagen zu Ende gegangen sind, engagieren sich viele junge Erwachsene in den kirchlichen und verbandlichen Ferienfreizeiten auf Ameland, im Sauerland, Schwarzwald oder anderswo. Sie bereiten sich durch Schulungen, Leitungstreffen und Präventionskurse auf das Lager vor und stellen ihre eigene Freizeit zur Verfügung, um Kindern und Jugendlichen unbeschwerte und sozialkompetente Ferien zu ermöglichen. Fast rund um die Uhr betreuen und begleiten sie junge Menschen im Lager und bekommen zum Teil nur wenige Tage unbezahlten Sonderurlaub von ihrem Arbeitgeber für dieses freiwillige Engagement. Wer diesen besonderen Einsatz als Arbeitgeber unterstützen und honorieren will, sollte Quantität und Qualität für Berufstätige im Ehrenamt fördern!
Viele fragen sich, wo es noch „Ehrenamtliche“ in den Kirchengemeinden gibt. Der Fokus ist schnell auf die gottesdienstliche Ebene, die alternden Chöre oder das aussterbende Verbandswesen gerichtet. „Kirche“ ist aber mehr als das: Kirche ist Ferienlager und freiwilliges Engagement für die Gesellschaft. Und Kirche ist mittendrin in der Gesellschaft. Gerade die vielen, zum Teil jungen Engagierten in Hilfsdiensten, Ferienlagern, Messdienerfreizeiten oder Jugendcamps, ob mit oder ohne kirchlichen Hintergrund, sind das Salz in der Suppe der Gesamtgesellschaft, fördern Sozialkompetenz und ein gutes Miteinander.
Dabei wirken sie oft im Verborgenen, auf Zeit oder projekthaft. Aber das ist doch ganz egal! Hauptsache, es gibt sie und wir wertschätzen die Arbeit der vielen freiwillig Engagierten. Ich möchte dazu ermutigen, mal den Blick zu weiten: nicht auf das „weniger werden“ zu schauen, sondern auf das „mehr“; wertschätzend zu achten, das es rund um uns herum so vielfältig und bunt gibt. Danke fürs freiwillige Engagement!
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.