Wie verbringen Sie die 40 Tage bis Ostern?

Ein ABC zur Fastenzeit: Von A wie Alkohol bis Z wie Zeit

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„Fasten“ wird definiert als Verzicht auf bestimmte (oder gar sämtliche) Speisen, Getränke und Genussmittel über einen bestimmten Zeitraum. Der Begriff selbst kommt aus dem Althochdeutschen für „festhalten“ im Sinne von „beachten“. Allerdings ist Fasten in vielen Kulturen und Religionen bekannt. Zur vorösterlichen Fastenzeit der Christen von Aschermittwoch, 22. Februar, bis Karsamstag, 8. April, buchstabiert die Katholische Nachrichten-Agentur den Verzicht durch.

A wie Askese: stammt vom griechischen „üben“ ab und meint praktische Selbstschulung zu philosophischen oder religiösen Zwecken. Zentrale Ziele sind Selbstkontrolle und Stärkung des Charakters.

B wie Bier: galt wie Wein in den Klöstern traditionell als erlaubt, vor allem auch wegen der schlechten Wasserqualität im Mittelalter. Verzicht auf Alkohol ist für viele Christen heute ein klassischer Punkt für die Fastenzeit.

C wie Christus: Das christliche Fasten beruht ursprünglich auf jüdischer Tradition (siehe Jom Kippur). Die Fastenzeit dient der Vorbereitung auf Ostern und erinnert an jene 40 Tage, die Christus betend in der Wüste verbrachte. Im heutigen Alltag bedeutet Fasten den Verzicht auf bestimmte Dinge, nicht komplett auf Nahrung.

D wie Diät: die medizinische Variante des Fastens. Hier geht es nicht um bewussten Genussverzicht oder Besinnung, sondern beispielsweise um Gewichtsabnahme und Nichtaufnahme schädlicher Stoffe. Fehlgeleitete Diäten können zu Hunger, Mangelernährung etc. führen.

E wie Eucharistische Nüchternheit oder „eucharistisches Fasten“: bedeutet in der katholischen Kirche Enthaltung von allen Speisen und Getränken (außer Wasser und Medikamenten) für eine gewisse Zeitspanne vor Empfang der Kommunion. Früher waren die Gläubigen verpflichtet, davor ab Mitternacht nüchtern zu bleiben. 1964 wurde dies auf wenigstens eine Stunde verkürzt.

F wie Fleisch und Fisch: Verzicht auf Fleisch ist ein (auch sehr zeitgemäßer) Klassiker des Fastens. Klöster waren sehr findig, die strengen Fastenregeln „freundlich“ auszulegen. So wurden etwa Biber oder Wasservögel als (erlaubter) Fisch deklariert. Auch auf F wie Fernsehen kann man verzichten.

G wie Gandhi, Mohandas Karamchand („Mahatma“, 1869-1948): einer der berühmtesten Asketen der Geschichte. Im Kampf um die Unabhängigkeit Indiens drohte er mehrfach „Fasten bis zum Tod“ durch Hungerstreik an, um politische Ziele, zumeist ein Ende von Gewalt, zu erreichen.

H wie Handy: Auch Abstinenz vom Handy als modernem Suchtmittel kann geboten oder hilfreich sein.

I wie Id al-Fitr: Das Fastenbrechen am Ende des Fastenmonats Ramadan ist eines der wichtigsten Feste im Islam. Es dauert drei Tage und wird aufwendig mit der Familie oder mit Freunden gefeiert.

J wie Jom Kippur: Im Judentum geht die Gesundheit vor! Faste oft, aber höchstens 25 Stunden. Es gibt verschiedene Fastenzeiten; das Esther-Fasten vor Purim, die sieben Tage vor Pessach, das Gedalja-Fasten und – den strengsten Fasttag – den Versöhnungstag Jom Kippur.

K wie Karneval: auch „Fastnacht“, „Fasching“ oder in kölscher Mundart „Fastelovend“ genannt; dient der Vertreibung des Winters, leitet jedoch am Aschermittwoch auch über in die vorösterliche Fastenzeit (siehe auch Quadragese). Im Französischen heißt der letzte Festtag „Mardi Gras“ (Fetter Dienstag). Der strengste Fasttag der Christen: K wie Karfreitag, der Tag des Leidens Jesu.

L wie Leibfeindlichkeit: ein radikales Geschwisterkind von Askese, Fasten und Diät. Hier geht es bewusst um Körperübung, Züchtigung, im Extremfall um Kasteiung.

M wie Martin: Der Heilige des Teilens, im 4. Jahrhundert Bischof von Tours, war ein wahrer Asket. Doch weil sein Gedenktag auf den Zahltag der Pacht und den letzten Tag vor der vorweihnachtlichen Fastenzeit fiel, wurde am Martinstag noch einmal extrem geschlemmt (siehe auch Quadragese). Bauchweh und Kater heißen auf Französisch auch heute noch „Martinsschmerzen“.

N wie Nüchternheit: bedeutet im Kontext des Fastens zweierlei; im medizinischen Sinne „nicht gefrühstückt habend“ (siehe auch eucharistische Nüchternheit), aber auch „nüchtern“ als ernst oder ernsthaft.

O wie Orthodoxie: In den orthodoxen Kirchen gilt das eucharistische Fasten (siehe dort) ab Mitternacht. Zweimal die Woche sind die Gläubigen zum Fasten ermuntert, am Mittwoch und am Freitag. Strenges Fasten ist das vegane; außer Honig dürfen keine tierischen Produkte verzehrt werden, zudem weder Öl noch Alkohol.

P wie Prophetisches (oder ekstatisches) Fasten: Dabei geht es um die Vorbereitung einer Begegnung mit dem Göttlichen oder mit Gott. Fasten dient hier zur visionären Stimulierung.

Q wie Quadragese: lateinisch für „40 Tage“, die Dauer des Fastens zwischen Aschermittwoch und Ostern (siehe Karneval). Heute ist fast vergessen, dass auch die Adventszeit früher zu einer 40-tägigen Buß- und Fastenzeit gehörte („Martinsquadragese“; siehe Martin).

R wie Ramadan: Der islamische Fastenmonat verlangt von gläubigen Muslimen, bei Tag weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Dieses Fastengebot endet erst mit Einbruch der Dunkelheit, wenn man einen weißen nicht mehr von einem schwarzen Faden unterscheiden kann (siehe auch Id-al-Fitr).

S wie Sex: Auch sexuelle Enthaltsamkeit kann ein Buß-, Fasten- oder Reinheitsgebot sein, etwa zur Vorbereitung auf ein religiöses Ritual.

T wie Trauer/Tod: Ritualisiertes Fasten bis zum Tod gibt es im Jainismus und im Hinduismus (siehe Gandhi). Mehrfach berichtet das Alte Testament von Fasten als Zeichen der Trauer – oder um den Ernst eines Gebetes zu betonen. So fastete König David, als einer seiner Söhne todkrank wurde (2 Sam 12,15ff).

U wie Umkehr: Fasten kann auch ein Sündenbekenntnis sein, eine individuelle oder kollektive Umkehr begleiten und so zu einem Bußritus werden.

V wie Verzicht: ist ein modernes Wort geworden. Klimafasten, Flugfasten, Alkoholfasten, Autofasten, Handyfasten – in der Überflussgesellschaft reichen Ludwig Erhards Appelle zum „Maßhalten“ nicht mehr aus.

W wie Wurstessen, Zürcher: ein Exot im Fasten-Alphabet. Es fand 1522 im Haus des Druckers Christoph Froschauer statt und verstieß im Beisein mehrerer Geistlicher demonstrativ gegen das geltende Abstinenzgebot. Auch der Reformator Huldrych Zwingli war anwesend. Das Wurstessen hat für die Reformation in der Schweiz eine ähnliche Rolle wie der Wittenberger Thesenanschlag für Deutschland.

X wie Xanthippe: Die Ehefrau des griechischen Philosophen Sokrates zeichnete sich laut der Überlieferung vor allem durch üble Laune aus. Einmal soll sie bei einem Zornausbruch auf einem Kuchen herumgetrampelt sein. Sokrates reagierte lakonisch mit dem Hinweis, nun habe auch sie keinen Anteil an dem Kuchen mehr.

Y wie Yoga: Die indischstämmige philosophische Lehre empfiehlt geistige und körperliche Übungen – eine ideale Partnerin etwa zu Angeboten für naturnahes Fasten. Ein Slogan von vielen: „Fasten-Urlaub – Detox mit Yoga Escapes!“

Z wie Zeit: „Diät war gestern, jetzt kommt das periodische Fasten.“ Ganz modern: Intervallfasten; 8 Stunden essen, 16 Stunden fasten – aus diätetischen, nicht religiösen Gründen. Die verschiedenen Weltreligionen kennen sehr verschiedene Fastenzeiten.