Themenwoche „Menschen, die uns Hoffnung schenken“ (3) - aus Beckum

Ein eingespieltes Team - so hilft die Beckumer Tafel Bedürftigen

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Die Mehrheit der ehrenamtlich engagierten Damen bei der Beckumer Tafel ist älter als 80 Jahre. Dennoch ist auf die Gruppe Verlass, weiß Brigitte Prinz, die den Laden zusammenhält.

Es ist ein grauer und nieseliger Montag zu Beginn der ersten Woche im Advent. Zeit der Ankunft. Schon lange bevor sich die Tür zur Tafel um 14 Uhr öffnet, harren Bedürftige auf dem Weg vor der Ausgabestelle an der Clemens-August-Straße 15a aus. Sie wollen die ersten sein, die ihre mit Lebensmittel gut gefüllten Körbe in Empfang nehmen. Für das ehrenamtliche Team um Brigitte Prinz spielt es jedoch keine Rolle, wer zuerst kommt, und wer zuletzt. Es werden alle gleich behandelt.

Brigitte Prinz ist wie jeden Montag die Erste. Und das nun schon seit den Anfängen im Jahr 2013. Solange existiert die Nebenstelle der Tafel Ennigerloh in Beckum. Angeregt wurde die Einrichtung der Ausgabestelle durch die Evangelische Kirchengemeinde Beckum. Die katholische St. Stephanus-Gemeinde hat sich dem Vorhaben gleich angeschlossen und die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.

Viele sind über 80 Jahre alt

In unserer Themenwoche „Menschen, die uns Hoffnung schenken“ stellen wir Leute vor, die durch ihr Handeln Vorbild für andere sein können. Dabei geht es um freiwillig Engagierte, Hauptamtliche oder Menschen, die sich immer wieder aufrichten. In Folge 3 stellen wir das ehrenamtliche Team der Tafel in Beckum vor.

Ein eingespieltes Helferteam mit 25 Personen, in der Hauptsache Frauen, aufgeteilt in vier Gruppen wechselt sich montags bei der Ausgabe der Lebensmittel ab. Diese werden in der Zentrale in Ennigerloh vorsortiert und dann in Lastwagen und Kühlfahrzeugen nach Beckum transportiert. In einem Gemeinschaftsraum ist der runde Tisch bereits mit Kaffeetassen gedeckt, als die Helferinnen nach und nach eintrudeln.

Denn bevor es an die Arbeit geht, stärken sich die Frauen, die sage und schreibe schon fast alle die 80 Jahre überschritten haben und auch von der ersten Stunde an mit von der Partie sind. Eine Helferin, Erika Vogel, hat bereits die 90 überschritten, sie hilft regelmäßig bei der Sortierung der Lebensmittel in Ennigerloh und einmal monatlich auch in der Ausgabestelle in Beckum mit.

Brigitte Prinz hält Laden zusammen

Die gute und bescheidene Seele des Ganzen, die den Laden zusammenhält, ist Brigitte Prinz mit ihren fast 79 Jahren. Sie möchte sich auf keinen Fall in den Vordergrund stellen. Ihr Engagement kommt nicht von ungefähr. Die aus Hamm-Heessen gebürtige gelernte Kaufmännisch-Praktische Arzthelferin leitete bis zu ihrer Heirat 1966 die EKG-Abteilung im Ahlener St.-Franziskus-Hospital.

Nach ihrer Eheschließung zog sie nach Beckum und war vom ersten Tag an in der Liebfrauen-Gemeinde aktiv. Dank 50 Jahren Caritas-Arbeit und 24 Jahre Mitgliedschaft im Kirchenvorstand verfügt Brigitte Prinz über ein gutes Netzwerk in Beckum, das ihr bei der Suche nach Mitstreitern geholfen hat. Man(n) und Frau kennt und schätzt sich.

Familien mit Kindern haben Vorrang

36 Berechtigte werden derzeit mit Lebensmitteln von der Tafel versorgt. Inzwischen gibt es eine lange Warteliste. Nach vorheriger Prüfung erhalten die Bedürftigen einen Berechtigungsschein. Alle haben einen eigenen Korb, der von den Helfern vor dem Beginn der Ausgabe befüllt wird. Dazu können sich die Notleidenden weitere Lebensmittel aussuchen: vom Blumenkohl bis zum Brötchen. Inzwischen gehören auch ukrainische Flüchtlinge zu den Kunden der Tafel. „Vorrang haben Familien mit Kindern“, betont Brigitte Prinz. Bei der Übersetzung helfen zwei Dolmetscherinnen: Lydia Reiberger und Sina Krüger. Beide stammen aus Kasachstan und sprechen Russisch.

„Wir verstehen uns gut untereinander, es macht uns Spaß, auch wenn es manchmal stressig zugeht“, berichtet Elisabeth Illigens (80).  Den Zusammenhalt beschreiben auch die anderen Mitstreiterinnen als gut. „Wenn einer ausfällt, springt ein anderer sofort ein“, sagt Resi Agnesens (85). Probleme habe es noch nie gegeben. Besonders gefreut hat sich die „Tafelrunde“ als ein Beckumer Unternehmer ihnen ein Frühstück als Dankeschön für das Engagement ausgegeben hat. Eine solche Geste der öffentlichen Anerkennung habe Seltenheitswert.

Nachwuchs fehlt allerdings

Sorgen machen sich die Frauen über den fehlenden Nachwuchs. „Es müssten auch mal Jüngere nachrücken“, sagt Elisabeth Illigens. „Wenn Du aufhörst, hören 20 andere auch auf“, diesen Satz hat Brigitte Prinz schon des Öfteren zu hören bekommen. „Ich mache es gerne und solange weiter wie es mir gut geht“, erklärt die 79-Jährige nicht ohne einen kleinen Hintergedanken, wie sie augenzwinkernd verrät: Sie möchte nämlich einen Fensterplatz, wenn sie da oben beim lieben Gott ankommt. Natürlich zusammen mit ihrer „Tafelrunde“.

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