Was den Kardinal mit dem Bistum Münster verbindet

Ein gefragter Ratgeber – Kardinal Walter Kasper wird 85

Die aktiven Dienstjahre des langjährigen vatikanischen Ökumene-Ministers Walter Kasper gingen bereits unter Benedikt XVI. (2005-2013) zu Ende. Aber auch nach seiner Pensionierung gehört der deutsche Kardinal zu den einflussreichen und gefragten Persönlichkeiten an der Spitze der Kirche. Mit Papst Franziskus verbindet ihn eine besondere theologische wie menschliche Nähe; das Kirchenoberhaupt aus Argentinien hat dem Theologen aus dem Allgäu wiederholt öffentlich seine besondere Wertschätzung bekundet. Am Montag beendet Kasper rüstig und agil sein 85. Lebensjahr.

Elf Jahre lang hat der frühere deutsche Theologieprofessor und Bischof von Rottenburg-Stuttgart im Vatikan die Belange der Ökumene koordiniert und gefördert. Unter Johannes Paul II. und dann unter Benedikt XVI. war er zunächst Sekretär und von 2001 bis 2010 dann Präsident des Päpstlichen Einheitsrates. Im Auftrag der beiden Päpste führte er Dialoge mit fast allen christlichen Kirchen, förderte er die bilateralen Kontakte und erarbeitete eine Fülle von Konsens-Dokumenten mit weitreichenden theologischen Gemeinsamkeiten.

Highlights und Rückschläge

Eine besondere Verbindung ins Bistum Münster hat Walter Kasper durch seine Mitwirkung bei der Gründung des „Freckenhorster Kreises“. Die Reformbewegung aus Priestern des Bistums Münster gründete sich am 16. April 1969. Wie auf der Homepage des „Freckenhorster Kreises“ zu lesen ist, wurde Walter Kasper, zu der Zeit Professor für Dogmatik in Münster, bei der Gründung zu einem Sprecher der Gruppe gewählt und formulierte das Programm der neuen Vereinigung mit. | ms

In Kaspers Ära gab es Highlights wie die epochale Erklärung mit den Lutheranern zur Rechtfertigungslehre, aber auch Rückschläge. Nach der Errichtung katholischer Diözesen 2002 in Russland etwa brach zwischen Rom und dem Moskauer Patriarchat eine lange Eiszeit aus, die auch weitere Ostkirchen erfasste. Und als die Anglikaner in England Frauen zur Bischofsweihe zulassen wollten, warnte Kasper in einer Brandrede 2008 vor der Lambeth-Konferenz in London, damit verließen sie das gemeinsame kirchliche Fundament.

Aber durch viele Besuche und Gespräche konnte Kasper viele Verstimmungen ausräumen und beschädigtes Vertrauen zurückgewinnen. Das galt auch in den Beziehungen zum Judentum, für die der Ökumene-Chef in Personalunion zuständig ist. Trotz zeitweiliger Rückschläge wurde das christlich-jüdische Verhältnis zu einer Erfolgsgeschichte im kirchlichen Erneuerungskurs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965).

Eigenständiger Denker in der Kurie

Am 5. März 1933 im schwäbischen Heidenheim geboren und in Wangen/Allgäu als Lehrersohn aufgewachsen, erlebte Kasper im Krieg die Zerstörung seines Dorfes. Schon mit 31 Jahren war er Dogmatikprofessor in Münster; später wechselte er nach Tübingen. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. 1989 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Bischof von Rottenburg-Stuttgart; zehn Jahre später berief er ihn nach Rom.

Hier fasste der renommierte Theologe rasch Fuß, ohne sich zu sehr in das Kuriengeflecht verstricken zu lassen. Er profilierte sich als eigenständiger Denker, auch als er vorsichtige Kritik etwa an der Lehrerklärung „Dominus Iesus“ vom August 2000 über das Kirchenverständnis äußerte. Manches hätte man verständnisvoller formulieren können, meinte er.

Kasper-Buch ist Leitwort von Franziskus

Auch als Pensionär ist Kasper heute aktiv und öffentlich präsent. Er veröffentlicht Bücher, hält Vorträge, leitet Einkehrtage. 2013 zog Kasper als ältester Kardinal ins Konklave ein – die Sedisvakanz begann fünf Tage vor seinem 80. Geburtstag, mit dem er die Altersgrenze überschritten hätte. Mit Papst Franziskus, den er bereits bei Besuchen in Buenos Aires kennen- und schätzen gelernt hatte, verband ihn von Anfang an eine besondere spirituelle Nähe.

Bei seinem ersten Sonntagsgebet auf dem Petersplatz lobte der neue Papst den deutschen Kardinal und sein Buch über „Barmherzigkeit“ – das ein Leitwort seines Pontifikats werden sollte. Und als er ein Jahr später mit den zum Konsistorium versammelten Kardinälen das künftige Synodenthema „Familienpastoral“ erörterte, beauftragte er Kasper mit dem programmatischen Einführungsreferat. Seither ist die mögliche Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten eine der meistdiskutierten Fragen im kirchlichen Disput.

So feiert ein Kardinal Geburtstag

Gerade im Reformationsjubiläum 2017 war Kasper wieder ein vielgefragter Redner. Er trat bei der Luther-Ausstellung in Wittenberg und beim interreligiösen Weltfriedenstreffen in Münster auf. Die Kirchen seien sich in den vergangenen Jahren bedeutend näher gekommen, lautete sein Resümee. Leider würden die verschiedenen Dialog-Dokumente in den Kirchen und an der Basis noch nicht ausreichend rezipiert. Seinen 85. Geburtstag begeht Kasper mit einem Gottesdienst und einem akademischem Festakt in Rom.