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Kreuzbund Land Oldenburg legt Buch mit Bekenntnissen von Kranken vor

Ein Priester trinkt, schafft den Ausstieg und hilft selbst Suchtkranken

  • Der Kreuzbund Landesverband Oldenburg hat ein Buch mit Erfahrungsberichten vorgelegt.
  • Zehn Frauen und Männer aus der Region schildern dort ihre Biografie als alkoholkranker Mann oder Frau.
  • Pfarrer Thorsten Weßling schildert seinen Weg als Priester und seinen Neuanfang als Seelsorger für Suchtkranke.
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„Ich habe das natürlich nie wahrhaben wollen“, sagt Thorsten Weßling. „Verleugnen und lügen sind ein wesentliches Symptom bei dieser Krankheit.“ Gemeint ist: Sucht, Abhängigkeit vom Alkohol.

Thorsten Weßling ist Priester, war lange in Gemeinden tätig und arbeitet heute als Seelsorger in den katholischen Suchtkliniken Hörstel und Neuenkirchen (Oldb.). Folge eines langen Weges vom Süchtigen zum trockenen Alkoholiker.

 

Erlebnisse von Suchtkranken und Angehörigen

 

Das Buch: „Wachgerüttelt und trockengelegt. Gemeinsam sind wir stark. Erlebnisberichte der Kreuzbund-Selbsthilfegruppen im Landesverband Oldenburg.“ Das Buch ist für fünf Euro erhältlich bei Karin Evers, Tel. 04447/8247, E-Mail karin.evers(at)evers-schalung.de.

Den beschreibt er in dem Buch „Wachgerüttelt und trockengelegt“, das der Kreuzbund Landesverband Oldenburg jetzt herausgebracht hat. Dort sind zehn Erlebnisberichte von Suchtkranken und Angehörigen zusammengefasst. Der Kreuzbund arbeitet als katholische Selbsthilfegemeinschaft für Suchtkranke.

Thorsten Weßling, geboren in Wilhelmshaven, hat schon früh getrunken. „Mit siebzehn oder achtzehn Jahren war ich durchaus schon abhängig“, berichtet er. Weil körperliche Probleme ausblieben, blieb sein weiteres Leben als Theologiestudent und junger Priester weiter von Sucht geprägt.

 

Selten Probleme in der Gemeinde

 

Ohne große Probleme in der Gemeinde, wie Weßling betont. „Ein Zeichen, wie lange jemand auch trotz Abhängigkeit funktionieren kann.“

Probleme habe er selten gehabt. „Ich habe symptomatisch von der Kirche wenig Druck erlebt“, schreibt er. Die Kirche helfe Suchtkranken, betont Weßling. „Das hat eine lange Tradition.“ So sei die erste deutsche Suchtklinik eine katholische Einrichtung gewesen, zudem gebe es ein dichtes Netz kirchlicher Beratungsstellen. „Aber die Kirche hat lange gebraucht, um einzusehen: Wir haben auch welche in den eigenen Reihen.“ Menschen wie ihn nämlich.

 

Weßling muss sich „outen“

 

Pfarrer Thorsten Weßling
Pfarrer Thorsten Weßling aus Hörstel ist trockener Alkoholiker – sein Bekenntnis und neun andere finden sich in einem neuen Buch des Kreuzbund-Landesverbandes Oldenburg. | Foto: Dietmar Kattinger (Caritas)

Schließlich seien aus der Gemeinde aber immer mehr Rückmeldungen gekommen. Typisch für Suchtkranke sei jedoch, die eigene Sucht nicht wahrhaben zu wollen, da beginne „eine endlose Verleugnungs- und Lügengeschichte“.

Aber Weßling kam schließlich an den Punkt, an dem er sich „outen“ musste, eine Therapie begann und ab dem er abstinent lebte.

 

Offen über eigene Sucht sprechen

 

Offen über die eigene Sucht zu sprechen, das sei wichtiges Merkmal bei der Arbeit im Kreuzbund, berichtet Weßling ergänzend im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“. Deshalb sei dieses neue Buch des Verbandes mit seinen zehn Erfahrungsberichten auch bewusst breit und ausführlich angelegt. Es solle Betroffene anregen, über ihre Lage nachzudenken und Kontakt zum Verband und seinen Gruppen zu suchen.

Weßling betreut deshalb solche Menschen nicht nur als Seelsorger in Suchtkliniken, sondern arbeitet zugleich auch als geistlicher Beirat für den Kreuzbund im Oldenburger Land, im Bistum Münster und bundesweit.

Der Kreuzbund
Der Kreuzbund, katholische Selbsthilfegemeinschaft für Suchtkranke, hat seinen Ursprung in der Mäßigkeits- und Abstinenzbewegung. 1896 wurde er gegründet. Die Menschen dort lebten bewusst abstinent, um ein Zeichen zu setzen gegen den sogenannten Elends-Alkoholismus. Der hatte sich im 19. Jahrhundert mit der zunehmenden Industrialisierung stark entwickelt. Über Jahrzehnte behielt der Kreuzbund diese Prägung. Ende der 1960er Jahre erkannten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundessozialgericht Alkoholismus als Krankheit an. So entwickelte sich der Kreuzbund zum Selbsthilfeverband, Suchtkranke übernahmen führende Ämter. Nach Verbandsangaben unterhält der Kreuzbund im Landesverband Oldenburg 21 Selbsthilfegruppen mit mindestens 300 Mitgliedern, davon eine Gruppe für Angehörige. Im NRW-Teil des Bistums sind es 180 Gruppen, bundesweit 1.300. (fjs)

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