Porträt-Ausstellung im Museum Religio in Telgte

Ein Soldat erklärt seinen „Weg zum Frieden“

Wie kann er nur? Diese kritische Anfrage an sich kennt Thomas Sohst nur zu gut. Er als ehemaliger Berufssoldat. Als jemand, der sich dem Kriegsdienst verschrieben hat. Der Oberstleutnant a.D., der zuvor 40 Jahre in der Bundeswehr gedient hat. Und er will anderen Menschen etwas über den Frieden erzählen. Wie kann er nur?

Nicht erst seitdem er sich dazu entschieden hat, an der Ausstellung „(M)ein Weg zum Frieden“ im Museum Religio in Telgte teilzunehmen, setzt er sich mit der Antwort auf diese Frage auseinander. Als Protestant, der sich an den vielen Stationen seiner Militär-Laufbahn immer auch in Pfarrgemeinden und christlichen Initiativen engagierte, musste er sich zwangsläufig Gedanken zum Thema „Frieden“ machen. Jetzt aber, wo sein großes Porträt-Foto und seine Vorstellungen zum Thema im Museum hängen, ist diese Auseinandersetzung noch einmal besonders intensiv.

Soldat und Laienprediger

Schon als er als junger Mann mit der Erfahrung von mehr als zehn Jahren Jugendarbeit in der evangelischen Kirche zur Bundeswehr ging, stieß das in seinem Umfeld auf viel Unverständnis. Hier die Botschaft vom Frieden auf Erden, die er von seinen Eltern mitbekam und verinnerlichte. Dort der Auftrag, zur Not auch mit Waffen für Sicherheit und Freiheit zu sorgen. Der Spagat dazwischen zeigte sich an vielen Stationen seiner Militärlaufbahn. Etwa Anfang der 1990er Jahre, als er als Soldat Laienprediger in Telgte wurde.

Informationen im Internet:
www.museum-religio.de

Der Soldat und Prediger – für Sohst ist das ein Spagat, der sich meistern lässt. „Es geht mir auch als Soldat letztlich um den Erhalt des Friedens“, sagt er. „Krieg kommt erst zum Einsatz, wenn die Menschen nicht mehr miteinander reden können, wenn die Lautstärke der Gewalt jede Kommunikation übertönt.“ Wenn das Zusammenleben der Menschen durch keine anderen Mittel mehr gelingen kann, erst dann sieht Sohst den Einsatz von Waffen gerechtfertigt: „Um die Fähigkeit wiederherzustellen, miteinander sprechen zu können.“ Deshalb sei er mit seinem christlichen Friedensverständnis bei der Bundeswehr nicht am falschen Ort.

Krieg als letztes Mittel

Krieg bleibt aber das „letzte Mittel“, wie er es nennt. „Jedoch ein unverzichtbares Mittel.“ Wenn alle anderen Wege gegangen seien, helfe manchmal nichts anderes, als „mit der Faust auf den Tisch zu hauen“. Kein Soldat begebe sich mit Freude in den Einsatz. Wenn es aber sein muss, dann pflichtbewusst. „Natürlich immer mit der Frage, ob es wirklich keine anderen Lösungswege gibt.“

Eine „echte Friedensbewegung“ sieht Sohst in der Bundeswehr nicht. „Damit würde man den Engagierten in den vielen Initiativen für den Frieden nicht gerecht werden.“ Aber sie bleibt für ihn ein unverzichtbarer Faktor für die Sicherung eines friedlichen Miteinanders, das „zu jeder Zeit gefährdet ist und geschützt werden muss“.

Beim Katholikentag dabei

Er wird nicht müde, diese Argumente vorzubringen. Auch nicht, seitdem er vor drei Jahren in Pension ging und mit seiner Frau in der Nähe von Telgte geblieben ist. Im Ehrenamt ist er immer noch in der Interessenvertretung der Soldanten in der Bundeswehr aktiv. „Die Ausstellung passt damit ziemlich genau zu meiner Einstellung.“ Beeindruckt haben ihn aber auch die anderen Ideen, mit denen die Teilnehmer ihren Blick auf den Frieden präsentieren. „Wenn etwa jemand über seinen Einsatz für das Tierwohl seinen Weg beschreibt, ist das für mich eine völlig neue Facette.“

Beim Katholikentag in Münster wird er mit seiner persönliche Facette dabei sein. Auf Einladung von Militärbischof Franz-Josef Overbeck wird er an Veranstaltungen teilnehmen. „Natürlich hat die Bundeswehr ihren Platz auf diesem Treffen“, sagt Sohst. „Wo sich Menschen mit dem Frieden befassen, müssen wir ein Teil davon sein.“

Sonderausstellung „(M)ein Weg zum Frieden“
„(M)ein Weg zum Frieden“ heißt die Sonderausstellung, die das Museum Religio in Telgte anlässlich des Katholikentags organisiert hat. Zu sehen sind 40 großformatige Porträts des Fotografen Alexander Basta von Menschen aus dem Münsterland. Die Schwarz-Weiß-Bilder und die begleitenden Texte zeigen unterschiedliche Wege, persönlichen Frieden zu finden oder sich für Frieden zu engagieren. Die Hintergründe, aus denen die Porträtierten kommen, haben ein breites Spektrum. Der Einsatzleiter bei der Feuerwehr ist ebenso dabei wie die jugendliche Streitschlichterin an der Schule oder der ehrenamtlich Aktive bei der Friedensbewegung Pax Christi. Der innere Frieden spielt dabei ebenso eine Rolle wie der Frieden im Kleinen oder der Weltfrieden. Die Ausstellung ist bis zum 2. September dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.