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„Der Glaube hat Adolf Kolping und mich stärker zuein­ander geführt“

Eine Muslima bei Kolping: Staatssekretärin Serap Güler

Serap Güler ist türkischer Herkunft. Dazu steht die für Migration zuständige Staatssekretärin im Landes-Familienministerium mit Stolz. Für sie ist das auch kein Hindernis, sich beim katholischen Kolping-Verband zu engagieren.

Eine bekannte Politikerin wird im Kevelaerer Konzert- und Bühnenhaus erwartet: Serap Güler, Staatssekretärin in der NRW-Regierung von Armin Laschet (CDU). Im Familienministerium kümmert sie sich um Fragen der Integration. In Kevelaer steht das Thema Migration im Vordergrund. Ein Thema, das ihr auf den Leib geschneidert ist und zu dem sie viel zu sagen hat. Denn über Migration zu sprechen, heißt, Einblick in ihr bisheriges Leben zu geben. Was sie tut: engagiert, couragiert und auch mit Humor.

Doch es gab nicht nur Zeiten, in denen sie viel zu lachen hatte. Zum Beispiel das Jahr 1993. Das Erlebnis war für sie eine prägende Zäsur. Damals brannten Asylbewerberunterkünfte in Rostock, Hünxe und Hoyerswerda. Auch in Solingen, rund 80 Kilometer von Marl entfernt. Dort lebte sie als Kind türkischstämmiger Einwanderer. Ihr Vater war Bergmann, die Mutter Hausfrau. „Plötzlich war der Terror so nah“, erinnert sie sich. Der Solinger Anschlag hat lange ihr und das Leben vieler Türken bestimmt. Unmittelbar danach hat sie sich aus Angst vor den Nazis kaum aus dem Haus getraut.

Einschneidendes Erlebnis

„Bei vielen türkischstämmigen Einwohnern hatte sich das Gefühl verfestigt, in Deutschland nicht gewollt zu sein“, beschreibt sie die Gefühle ihrer Landsleute. „Man will uns nicht. Und ich könnte die nächste sein.“ Das waren Gedanken, die der damals 13-Jährigen durch den Kopf gingen. „Dieses Ereignis hat sich tief ins Gedächtnis der türkischen Community eingegraben“, erinnert sie sich.

Sich von diesem Ereignis zu lösen, war ein langer Prozess, der auch über ihr zukünftiges Leben entschied. „Ich lasse nicht zu, dass andere bestimmen, ob ich dazu gehöre oder nicht. Das mache ich selbst“, sagt sie heute, 26 Jahre nach dem furchtbaren Brand in Solingen.

Güler musste sich für CDU-Mitgliedschaft rechtfertigen

Serap Güler versteckt sich schon lange nicht mehr. Sie ist in den öffentlichen Medien ebenso sehr präsent wie in den parteipolitischen Gremien. Seit zehn Jahren ist sie CDU-Mitglied. Damals musste sie sich noch in der türkischen Gemeinschaft dafür rechtfertigen. Doch sie hatte einen prominenten Türöffner. Bülent Arslan hatte bereits 1997 das Deutsch-Türkische-Forum in der CDU ins Leben gerufen. Ein großes Vorbild für sie ist bis heute Cem Özdemir, der „grüne Vorreiter“.

Heute sitzt sie als Muslima im CDU-Bundesvorstand und tritt dort beherzt für ihre Positionen ein. Sie wurde Fraktionssprecherin für den Arbeitskreis Migration und damit so etwas wie das migrationspolitische Gewissen der CDU. „Als Volkspartei müssen wir ein Angebot für Migranten machen. Gerade die Quote junger Migranten, die in den großen Städten leben, wird größer“, sagt sie. Für diesen Dienst will sie sich gern zur Verfügung stellen.

Armin Laschet hat sie mit Kolping vertraut gemacht

Sie will konstruktiv am Thema arbeiten, den Erwerb von deutscher Sprache und Bildung fördern, die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern oder auch über ein gemeinsames Wertefundament sprechen. Viele Menschen leben schon lange im so genannten Duldungsstatus in Deutschland. Ihnen eine faire Chance zu geben, damit sie mit einem richtigen Aufenthaltsstatus auch ihren Lebensunterhalt verdienen dürfen, ist für sie eine Frage der Menschenwürde.

Güler war bei Kolping mehrere Jahre in Köln-Mülheim im Vorstand. Armin Laschet hat sie mit dem Kölner Seligen vertraut gemacht. Für sie als Muslima kein Problem. Sie beschreibt sich als gläubig, aber nicht praktizierend. Sie unterstützt Kolping – wenn auch nicht mehr als Vorstandsmitglied – weil „sie gute, offene Angebote machen“, sagt sie. Angebote, von denen auch junge Türken profitieren. Die Rolle der Religion ist für sie entscheidend, um gesellschaftliche Prozesse anzutreiben. „Der Glaube hat Adolf Kolping und mich stärker zuein­ander geführt.“

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