Elke Cherdron und Peter Risler pilgern auf vier Rädern

Elfte Reisemobilwallfahrt in Goch: Sie sind von Anfang an dabei

150 Reisemobil-Besatzungen sind seit Donnerstag bei der elften Reisemobilwallfahrt in Goch. Bis Sonntag erwartet sie dort ein Programm aus zahlreichen touristischen und spirituellen Angeboten.

„Es war ein schöner Eröffnungsgottesdienst. Einfach ergreifend“, sagt Elke Cherdron. „Die vielen Kerzen, der Chor und der Moment, in dem der Pilgerstab wieder der Gemeinschaft der Pilger zurückgegeben wurde.“ Noch am nächsten Morgen sind sie und ihr Lebensgefährte Peter Risler völlig beeindruckt von der Liturgie.

Reisemobilpilger seit dem ersten Tag

Beide sind der Wallfahrt der Reisemobilisten eng verbunden. Sie sind schon einen Tag vorher aus dem 350 Kilometer entfernten Lohnsfeld nahe Kaiserslautern an den Niederrhein gefahren, um auch dieses Jahr wieder dabei zu sein. Die 74-Jährigen haben noch keine Wallfahrt versäumt.

Risler erinnert sich noch genau, wie er 2008 in einer Zeitschrift für Reisemobile eine Ankündigung zur ersten Wallfahrt gelesen hatte. Als er während eines Krankenhausaufenthalts in der „Stadt Gottes“, der Zeitschrift des Steyler Ordens, wiederholt von dem neuen Angebot in Goch erfuhr, stand sein Entschluss fest. Mit seiner evangelischen Freundin hat der katholische Risler sich auf den Weg gemacht.  „Eine interkonfessionelle Wallfahrt“, schmunzeln beide.

Warum ein Katholik und eine Protestantin zusammen pilgern

Die Wallfahrt war für Risler das richtige Angebot. „Ich bin katholisch erzogen worden“, meint er. Als Junge war er Messdiener. Und auch später, während seiner 33-jährigen Zeit als Berufssoldat, hat er den Kontakt zur Kirche nicht verloren. „Ich war bei den Fallschirmjägern“ meint er stolz. „Auch wenn ich nicht jeden Sonntag zur Kirche gehe, bin ich doch ein guter Katholik.“

Auch seine Lebensgefährtin hat eine lebendige Beziehung zur Kirche. In ihren Tagebüchern schreibt sie zum Beispiel über die Besuche der zahlreichen Kirchen während der Pilgerreisen. Und sie nehmen ja nicht nur an der Wallfahrt der Reisemobilisten teil. Auch an zahlreichen anderen Pilgerreisen, wie beide lebhaft bestätigen. Das sei an dem Pilgerstab abzulesen, den er 2010 bekommen habe, sagt Risler.

Was es mit dem Pilgerstab auf sich hat

Er geht in sein Reisemobil und kommt mit einem Stab wieder heraus. „Wir waren die Zweiten, die den Stab 2010 bekommen haben“ erinnert er sich. Seit der ersten Wallfahrt gibt es diesen Pilgerstab, der nach jeder Wallfahrt an eine Person oder Gruppe verliehen wird. Und diese geben ihn dann beim nächsten Eröffnungsgottesdienst wieder zurück.

Peter Risler hat den Stab in dem Jahr, als er ihn hatte, zu zahlreichen Pilgerfahrten mitgenommen. So war er 2011 damit im Eichsfeld, als Papst Benedikt dort zu Besuch war. Anschließend pilgerte er mit dem Stab zur Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier und nach Waldüren zur Heilig-Blut-Wallfahrt. Zur Erinnerung an die verschiedenen Orte hat er kleine, bunte Plaketten an den Stab geheftet. „Jetzt kann man sehen, wo der Stab schon überall gewesen ist“, sagt Risler. „Jeder, der den Pilgerstab erhalten hat, bekommt zur Erinnerung eine Doublette“, erzählt er. „Und alle Stabträger ziehen beim Abschlussgottesdienst gemeinsam ins Festzelt ein.“ Das ist für Risler ein durchaus berührender Augenblick.

Peter Risler stiftete ein Kreuz für die Reisemobilwallfahrt

Pater Hans Peters SVD begrüßt die beiden herzlich. Der Steyler Pater ist für die seelsorgliche Betreuung der Wallfahrt in Goch zuständig. Er kennt das Paar von Anfang an und besucht sie, um zu hören, ob auch alles in Ordnung ist. Peters und die beiden Wallfahrer tauschen ihre Erlebnisse während des letzten Treffens aus. „Die Wallfahrt hat uns eng verbunden“, sagt Risler. Als Dank hat er für die Wallfahrt ein Kreuz gestiftet, das jeden Morgen zur Andacht aufgestellt wird.

2008 fand die erste Wallfahrt für Reisemobilisten statt. Seitdem kommt alle zwei Jahre am Christophorus-Wochenende eine internationale Gemeinschaft von mehr als 150 Reisemobil-Crews zur Arnold-Janssen-Reisemobilwallfahrt nach Goch. Neben Pilgern vom Niederrhein sind auch Menschen aus ganz Deutschland und auch Holland und Belgien in der Niersstadt. Hier wurde Arnold Janssen (1837-1909) geboren, der Ordensgründer der Steyler Missionare.

Programm: „Touristische Gocher Arnold Janssen Sommermischung“

Während die Stadt Goch mit der Logistik betraut ist, kümmert sich Pater Peters um die spirituellen Aspekte. Wie bei jeder Wallfahrt soll auch in diesem Jahr wieder der Ordensgründer im Mittelpunkt stehen. „Er ist das Markenzeichen. Wir wollen Arnold Janssen als den Heiligen Europas feiern“, sagt Peters.

„Der Ordensgründer war um Gottes willen in ganz Europa unterwegs“, sagt er und fährt fort: „Die Menschen suchen geistliche Impulse in ihrem ganz persönlichen Alltag. So ist es nicht verwunderlich, wenn leidenschaftliche Camper mit ihrem Ferienmobil den Spuren des Religiösen nachgehen. Aus welchen Gründen auch immer, mit welchen Anliegen auch immer.“ Sie seien nach Goch gekommen, in diese Sommerfrische, um zu beten, zu feiern und gesegnet wieder nach Hause zu fahren. „Touristische Gocher Arnold Janssen Sommermischung“, nennt Peters die Zusammensetzung des Programms.

Beichte im VW-Bus auf dem Campingplatz

Die spirituellen Angebote der Wallfahrt sind breit gefächert. Neben den morgendlichen Andachten, den Eucharistiefeiern, einer Lichterprozession und dem Besuch in Steyl gibt es auch das Angebot zu beichten. Mitten auf dem Platz steht Pater Hermann-Josef Hubka. Der 61-jährige Augustiner-Chorherr ist Wallfahrtsleiter in Waghäusel bei Heidelberg. Dort hat er die Erfahrung gemacht, dass die Menschen beichten möchten.

Mit einem Beichtmobil, einem ausgebauten VW-Bus, hat er von Anfang an auch an der Reisemobilwallfahrt in Goch teilgenommen. Ein Engagement, das von dem Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt wird. Hubka möchte mit dem Beichtmobil die Beichte aus der Kirchennische herausholen. Seiner Erfahrung nach kommen in Goch nicht viele Pilger. „Meistens schauen nur Einzelne vorbei und nutzen das Gesprächsangebot. Eine Erfahrung, die der Wallfahrtsseelsorger Peters bestätigt. „Es ist nicht so fromm wie in Kevelaer. Die Pilger beten auch nicht so intensiv den Rosenkranz. Die Teilnehmer der Gocher Wallfahrt sind sehr unterschiedlich“, meint Peters. „In der Regel sind es ältere Menschen. Es kommen durchaus Personen, die eine tiefe Marienverehrung pflegen, aber auch Personen, die weniger oft zur Kirche gehen.“

Was die Pilger bei der Reisemobilwallfahrt erwartet

Um allen gerecht zu werden, wechseln sich touristische Höhepunkte und spirituelle Impulse miteinander einander ab. Schon der erste Tag wird Arnold Janssen gewidmet. Höhepunkt ist der Besuch am Grab des Heiligen. Aber auch das Missionshaus, das Missionsmuseum, die Gärten der Steyler, das Heilig-Geist-Kloster der Steyler Anbetungsschwestern und das Herz-Jesu-Kloster der Steyler Missionsschwestern sind weitere Attraktionen.

Freitagnachmittag berichtet ein Steyler Missionar über seine Arbeit, Pater Peters lädt zum Bibelgespräch ein und abends erklingt Countrymusik. Am Samstagabend treffen sich die Frauen und Männer zu einem Ausflug nach Xanten und alternativ zu einer Fahrradtour rund um Goch. Abends wird ein „Vater Unser-Weg“ als Lichterprozession gestaltet. Auch Liebhaber klassischer Klaviermusik kommen während der Tage in Goch auf ihre Kosten. Am Sonntag gibt es dann die große Prozession der Reisemobile durch Goch mit Segnung der Reisemobilisten.