Heftige Kritik an Seelsorgeteam - und Kritik an den Kritikern

Emotionale Debatte über Zukunft der Christus-König-Kirche in Kleve

In einer emotional aufgeladenen Atmosphäre haben 140 Frauen und Männer aus Kleve in einer Pfarrversammlung über die Profanierung der Christus-König-Kirche diskutiert. Die Versammlung, zu der die Leitung des Pfarreiteams eingeladen hatte, stand unter dem Motto „Die Zukunft der Christus-König-Kirche – Abwarten oder gestalten“.

Schon zur Begrüßung hatte Pastoralreferent Michael Beermann erkennen lassen, dass die Umnutzung der Kirche ein emotionales Thema sei. Deshalb sei es wichtig, „möglichst alle gut zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen“.  Man wolle während der Veranstaltung Ideen und Meinungen zur Zukunft der Christus-König-Kirche hören, aber keine Entscheidungen treffen. „Es gibt heute keine Abstimmung, es ist ein offener Prozess“, sagte Beermann.

Persönliche Angriffe

Die Christus-König-Kirche in KleveIm Mittelpunkt der Diskussion: die Christus-König-Kirche in Kleve. Foto: Jürgen Kappel.

Dass dieser Hinweis von Beermann bei einer kleinen Teilnehmergruppe nicht auf Gegenliebe stieß, zeigte sich schnell. In mehreren Beiträgen wurden immer wieder frühere, zum Teil lange Jahre zurückliegende Entscheidungen und Entwicklungen vorgetragen, um so Argumente gegen die Pläne des Pfarreiteams vorzubringen. Argumente, die zum Teil in persönliche Angriffe gegen Propst Johannes Mecking, leitender Pfarrer von St. Mariä-Himmelfahrt in Kleve, und das Seelsorgeteam  ausarteten.

Nach der Begrüßung informierte Propst Mecking die Versammlung über die Entwicklung. Er sei seit 2012 leitender Pfarrer, sagte er. Es habe bereits 2015 einen Beschluss des Kirchenvorstandes gegeben, die Christus-König-Kirche  zu profanieren. Diesen Beschluss habe man nicht umgesetzt, weil man keine leerstehende Kirche wollte. 2017 habe der Kirchenvorstand die Profanierung der Kirche bis Ende 2019 beschlossen. Im November 2017 sei die Pfarre über die Pläne informiert worden. Bei Bischof Genn sei die Profanierung beantragt worden, doch er habe noch keine Entscheidung getroffen.

Kompetenzcentrum als Alternative

Mecking erläuterte, dass er in der Christus-König-Kirche als Idee ein so genanntes Kompetenzzentrum entwickelt habe, um der Familienbildungsstätte, der Ehe-, Familien- und Lebensberatung sowie dem Kreisdekanatsbüro an attraktiver Stelle eine gemeinsame Wirkungsstätte zu ermöglichen. Mecking erläuterte, dass der Beratungsbedarf gerade auch in der Stadt Kleve deutlich zugenommen habe.

Besonders in der ehemaligen Christus-König-Gemeinde sei in den vergangenen Jahren stark investiert worden, sagte Mecking. Er nannte beispielhaft den Neubau eines fünf-gruppigen  Familienzentrums, Konzentration der Jugendarbeit im Kinder- und Jugendzentrum „Kalle“ im Pfarrheim Ons-Lind. „Die Bücherei in der Christus-König-Gemeinde wurde in Kooperation mit der Stadt an der Grundschule ‚An den Linden‘ angesiedelt, da in den vergangenen Jahren laut Statistik die stärkste Nutzung dieser Bücherei durch die Schüler dieser Schule stattfand“, erläuterte der Propst. Die Pfarrei stelle auch heute noch den Etat zur Anschaffung neuer Bücher. Insgesamt habe man 2,3 Millionen Euro für die ehemalige Gemeinde in pastorale Gebäude investiert. „Christus-König ist uns wert und teuer“, fasste Mecking zusammen.

Politik der Machteraltung

Thomas Delbeck sprach nicht für die Mehrheit, aber für eine lautstarke Minderheit, als er die Darstellung von Propst Mecking zur Umnutzung der Kirche in Zweifel zog. Er beschuldigte den Pfarrer und das Seelsorgeteam, die Informationspolitik „aus einer Machthaltung“ zu betreiben. Die Entscheidungen seien aus heiterem Himmel gefallen und nicht vorbereitet worden. Er warf der Pfarreileitung vor, Gegner zu „demontieren“ und zu „diffamieren“. Er forderte überschaubare Einheiten für pastorale Betätigungen. Der Möglichkeit, sich als lebendige Gemeinde zu etablieren, habe man die räumlichen Voraussetzungen entzogen. Delbeck forderte einen demokratischen, pastoralen Ansatz.

Doch diese Argumente lösten auch Gegenreaktionen aus den Reihen der Versammlung aus. Ein Vertreter rief, dass in der ganzen Niederung bei Kleve Kirchen nicht mehr genutzt würden, weil die Gläubigen und Seelsorger fehlten. „Es reicht“, rief er der Gruppe der Gegner entgegen. Das „Gemecker und Gemoppere“ sei grauenhaft, rief eine Frau. Sie wohne seit 14 Jahren in Kleve und sei ganz erstaunt, was es alles für Aktivitäten geben soll. Sie forderte, stärker die Jugend in die Überlegungen einzubeziehen. Ein dritter Zuhörer forderte die Diskutierenden auf, die Vergangenheit ruhen zu lassen und stattdessen konstruktiv darüber nachzudenken, was denn wirklich mit der Kirche geschehen soll: Profanierung oder weitere Nutzung als Kirche.

Gräben zuschütten

Der frühere Lehrer Walter van Briel zog ein Fazit, das sicher vielen aus dem Herzen sprach: In der Diskussion sei viel gesprochen worden, aber es gebe keine Einigkeit. Vielmehr habe sich gezeigt, dass die Animositäten zwischen der ehemaligen Christus-König-Pfarre und der Stiftspfarre deutlich zutage getreten seien. Es sei ein weiter Weg, die Gräben zuzuschütten. Van Briel forderte weitere sachliche Gespräche, um die Zukunft der Christus-König-Kirche zu sichern.