Ein paar Regeln mit enormer Wirkung

EPL-Kurse zur Ehevorbereitung senken Scheidungsrate deutlich

Lena hat alles vorbereitet: Kerze, Rotwein, ein festliches Essen. Dafür  hat sie sich extra den Nachmittag freigenommen, es ist schließlich ein besonderer Tag! Genau heute vor drei Jahren hat sie Bernd kennen gelernt. Womit er sie wohl überraschen wird?

Doch dann aus dem Flur seine Stimme. „Du Schatz, ich hab nur ganz kurz Zeit. Der Chef will unbedingt bis morgen die aktuellen Zahlen auf dem Tisch haben.“ Als er den festlich gedeckten Tisch sieht, fragt er: „Hab' ich was verpasst? Ist heute etwa was Besonderes?“

Viele haben nicht gelernt zu streiten

Die geeignete Szene für einen handfesten Streit. Mit Wut, mit Tränen, mit Enttäuschungen. Von „Ja, weißt du denn nicht?“ bis „So unwichtig ist dir also unsere Beziehung!“ So etwas kann eskalieren. Besonders dann, wenn Paare Streiten nie gelernt haben.


Die Kurse verhelfen Paaren zu einem besseren Miteinander. | Foto: www.institutkom.de

Genau da setzen die Kurse an, mit denen die Kirche seit den Achtzigerjahren Paare unterstützt. Deren meist genutzter Name, das Kürzel „EPL“, steht dabei für „Ein Partnerschaftliches Lernprogramm“. Die Grundidee: Die Fähigkeit zu partnerschaftlichem Umgang ist nicht angeboren, aber man kann sie erlernen und trainieren.

Das Programm stammt aus den USA

Der Erfolg von EPL in den USA hat die Deutsche Bischofskonferenz veranlasst, das Angebot von Experten weiterzuentwickeln und in der Ehevorbereitung einsetzen zu lassen. Immer vier Paare und zwei Trainer in sechs Trainingseinheiten, entweder kompakt an einem Tag, über ein Wochenende oder einmal in der Woche – so laufen die Kurse.

Alfons Gierse, einer der ersten EPL-Trainer im Bistum Münster, bevorzugt wöchentliche Treffen, „weil die Paare dann länger damit beschäftigt sind“. Gleich zu Beginn lernen sie, wie schwierig Reden und Zuhören sein können. Bei einer Übung sollen sie dem anderen beschreiben, was sie sehen. Alfons Gierse: „Sie merken schnell: Das ist gar nicht so leicht. Und schon ist man beim Thema Kommunikation.“

Ganz einfache Regeln

Es sind ganz einfache Regeln, die die Paare schon am Anfang erklärt bekommen und in den folgenden Kursstunden immer wieder trainieren sollen. Dem anderen nicht ins Wort zu fallen zum Beispiel. Von sich selbst sprechen, möglichst konkret, und beim Thema bleiben. Der Zuhörer soll zeigen, dass er zuhört.

Zum Beispiel, indem er das Wichtigste zusammenfasst, nach Wünschen und Gefühlen fragt, das Gesprächsverhalten des anderen lobt und erklärt, was dessen Worte bei ihm auslösen. „Gerade dominante Partner erleben, was Zuhören bedeutet“, sagt  Gierse. „Einer, der in der Firma eine große Nummer ist, wird dabei vielleicht erkennen, dass partnerschaftliche Kommunikation etwas anderes ist als betriebliche.“

Manche müssen umdenken

Die Paare sitzen sich gegen­über, der Trainer daneben. „Zunächst sind es unverfängliche Themen, über die sie zehn Minuten lang diskutieren“, erklärt Gierse. „Mein Hobby“, „Was würde ich mit 1000 Euro anfangen?“, so etwas. Die Regeln haben die Paare auf einem Plakat vor Augen, der Trainer souffliert, bestärkt oder korrigiert. In der Gruppe sprechen alle gemeinsam über ihre Erfahrungen mit den Diskussionen.

Ansprechpartner im Bistum Münster
Nordrhein-westfälischer Teil: Eva Polednitschek-Kowallick, Tel. 0251/495468, polednitschek@bistum-muenster.de.
Offizialatsbezirk Oldenburg: Sabine Orth, Tel. 04441/872204, eheundfamilie@bmo-vechta.de.

In der zweiten Runde geht es um unangenehme Gefühle. Zuerst schlüpfen die Partner in vorgegebene Rollen. Erst in der dritten und vierten Stufe geht es ans „Eingemachte“: eigene Konflikte. Zum Beispiel: Wie teilen wir die Hausarbeit auf? Nehmen wir uns eine Putzfrau? Was bedeutet das?

Nicht nur für Ehepaare gedacht

Die Paare sollen lernen, im Gespräch in Schritten eine Lösung zu diskutieren. Also zunächst das Problem beschreiben, mögliche Auswege und ihre Vor- und Nachteile erarbeiten, das Passende auswählen und Schritte zur Umsetzung vereinbaren. Wie in den ersten Diskussionen wieder unterstützt von einem Trainer.

Was wie eine einfache Übung klingt, berge oft genug Ansatzpunkte für grundsätzlichen Streit, so Gierses Erfahrung. Wenn hinter dem einen Problem ein anderes stecke: „Etwa bei der Aufteilung der Hausarbeit. Wenn zum Beispiel eine Frau sich von ihrem Mann nicht genügend wertgeschätzt fühlt.“

Auch die christliche Ehe ist Thema

Auch in den nächsten beiden Einheiten geht es um Inhalte: Die Partner füllen jeder für sich Fragebögen aus. Mit Fragen dazu, was ihnen wichtig ist, auf Feldern wie Sexualität, Zusammenleben, Kinderwunsch, Zukunft. Anschließend folgen  Gespräche, wieder mit Trainer.Eine Wortkarte zeigt an, wer gerade an der Reihe ist. Wenn es zu intim wird, können die Paare eine so genannte Ampelkarte ziehen. Als Zeichen dafür, dass der Trainer nicht dabei sein soll.

In der letzten Einheit folgen klassische Fragen der Vorbereitung auf eine christlichen Ehe. „Der Idealfall ist, dass Paare zum Beispiel den Trau-Ritus durchgehen“, erklärt Gierse. Zum Beispiel das Eheversprechen und den Trau-Segen. „Sie lesen das durch, reden darüber, was sie nicht verstehen, wo sie zusammenzucken, welche Werte sie damit verbinden.“

Geeignet auch für erfahrene Paare


Die EPL-Kurse sind nicht nur für junge Paare gedacht. |  Foto: www.institutkom.de

Etwas, dass gerade erfahrenen Paaren interessante Erfahrungen beschere. Auch sie meldeten sich für EPL-Kurse an, so Gierse. Weil sie sich einen Impuls wünschten, noch besser miteinander umzugehen, sagt der EFL-Trainer. Er sieht hier eine wichtige Chance in dem Seminar: „Wenn Menschen kommen, weil sie sich gegenseitig etwas Gutes tun möchten.“

Schon öfter habe er solche älteren Eheleute erlebt, „die sich den Trau-Ritus nach Jahrzenten Ehe noch einmal vorgenommen und die dann gesagt hätten. „Das war so toll, das noch einmal miteinander zu besprechen. Weil wir das als junges Paar in der Situation gar nicht wahrgenommen haben.“

Mit EPL halten Ehen länger
EPL-Kurse können Paaren nicht nur besseren Umgang und eine angenehmere Ehe bringen – sie wirken auch vorbeugend gegen das Scheitern von Ehen. Das hat zum Beispiel eine begleitende Langzeitstudie gezeigt, die die Zahl der Scheidungen und Trennungen von Teilnehmern mit einer Kontrollgruppe verglichen hat. Drei Jahre nach dem Kurs hatten sich 1,6 Prozent der teilnehmenden Paare scheiden lassen, in der Kontrollgruppe ohne EPL-Kurs waren es 16,7 Prozent. Fünf Jahre nach dem Kurs waren von den EPL-Teilnehmern 3,9 Prozent auseinander, von der Kontrollgruppe 23,8 Prozent.