Moritz Bucher leitet die „Fazenda da Esperanca“ in Xanten-Mörmter

Er besiegte die eigene Sucht – jetzt hilft er Süchtigen

Idyllisch liegt das Kloster Mörmter in der nieder­rheinischen Landschaft. In dem Gebäude, wo acht Jahrzehnte Franziskaner lebten, ist seit zehn Jahren die „Fazenda da Esperanca“ untergebracht, der „Hof der Hoffnung“. 150 drogensüchtige Männer haben seit 2009 von der Esperanca aus einen Weg der Hoffnung eingeschlagen.

Am 15. August 2009 hatte Bischof Felix Genn den Hof eröffnet. „Kirche ist Fazenda“, hatte der Bischof damals gesagt und den Startschuss für das Projekt gegeben, das mit viel Glaubensfreude und Aufbruchsstimmung verbunden war.

Neuer Hofleiter

Seit Januar 2017 ist Moritz Bucher Leiter des Hofes in Mörm­ter. Wie kein zweiter verkörpert er den Weg, den die sogenannten Rekuperanten gehen, wenn sie im Hof mit der Gemeinschaft leben wollen. Freimütig erzählt Bucher von seiner Drogenkarriere. Der gebürtige Mannheimer hatte 2011 während einer Entgiftungskur den Hinweis bekommen, sich die Fazenda in Bayern anzuschauen. „Das wäre was für dich“, hatte ein Bekannter ihm erklärt. Bucher ergriff diese Chance, von den Drogen loszukommen. Damit begann rückblickend der Weg aus der Abhängigkeit.

Auf der Fazenda in Bayern fasste er Fuß. „Der andere Geist, der dort herrschte, hat mich berührt. Dort wurde nicht nur die medizinische Seite des Körpers behandelt. Hier stand die Nächstenliebe im Vordergrund“, sagt Bucher  Von der Arbeitsweise der Einrichtung überzeugt, absolvierte er weitere Stationen in der Schweiz, in Berlin und in Brasilien, wo er seine Frau kennen lernte.

Arbeit mit dem Evangelium

„Ich habe gespürt, dass ich mich verändert habe. Ich wurde ruhiger und konnte mich langsam anderen Menschen wieder öffnen“, beschreibt er die Veränderung. Er nahm wieder Kontakt zu seiner Familie auf.

Was die Arbeit auf der Fazenda prägt, ist die Arbeit mit dem Evangelium. „Wir haben jeden Tag ein Wort aus der Bibel herausgesucht, das wir leben wollten, und das sich um Liebe und Vergebung drehte. Ich habe gespürt, dass mich diese Botschaft aus dem Leben herausholt, das ich 18 Jahre geführt habe.“ Bis dahin hatte Bucher nicht viel mit Glaube und Kirche am Hut. „Jetzt ist der Glaube in meinem Leben sehr präsent“, sagt er.

Arbeit und anderer Lebensstil

Von seinem neuen Leben möchte Bucher auch die sieben Männer überzeugen, die zurzeit auf dem Hof leben und in der Regel für ein Jahr bleiben. Sie erwartet dort eine grundlegende Änderung des Lebensstils. Bis heute prägen die Gemeinschaft, die Arbeit und die Spiritualität das Leben. „Keiner kann sich aus seinen Verhältnissen allein befreien“, sagt Bucher. Deshalb leben die Männer gemeinsam auf dem Hof; sie essen gemeinsam und teilen das Zimmer mit einem anderen „Rekuperanten“.

Die Arbeit ist wichtig. Denn man wolle das Leben so gut wie möglich selbst finanzieren, sagt Bucher. Das Hofcafé ist für die Gemeinschaft eine wichtige Einnahmequelle. „Und drittens: wir sind katholisch“, sagt Bucher. Aber: Jeder ist willkommen, unabhängig von einer religiösen Zugehörigkeit.“ Regelmäßige Bibellesungen und Gebets- und Messzeiten gehören zum Alltag in der Woche.

Anlaufpunkt auch für die Niederrheiner

In den letzten zehn Jahren ist die Fazenda da Esperanca ein spiritueller Anlaufpunkt für viele Niederrheiner geworden. „Wir leben hier in einer Luxussituation, weil wir viele Freunde und Förderer haben, die unsere Arbeit unterstützen.“ Gefragt, was er sich für seinen Hof zum Geburtstag wünscht, sagt er spontan: eine Espressomaschine.