Berufe in der Kirche – Teil 10: Der Verwaltungsreferent

Er macht die Verwaltung – der Pfarrer hat Zeit für Seelsorge

Wer zu Roland Wansing möchte, muss an Lotta vorbei. Die zwei Jahre alte Dame, eine Mischung aus Appenzeller und Jagdhund, liegt gewöhnlich auf einer Decke in der hinteren Ecke des Büros. Aber natürlich tapst sie jedem unbekannten Besucher des Verwaltungsreferenten der Pfarrei St. Mauritz Münster entgegen und beschnüffelt Hosenbeine.

Seit einem Dreivierteljahr ist Lotta Roland Wansings Bürogenossin. „Ich war sehr froh, dass die Kollegen im Pfarrhaus nichts dagegen hatten“, sagt der 54-Jährige. „Sonst wäre das mit der Betreuung ziemlich kompliziert geworden.“

Er selbst arbeitet inzwischen seit vier Jahren für die 22.000 Katholiken zählende Pfarrei östlich der Innenstadt von Münster. Der Leitende Pfarrer Hans-Rudolf Gehrmann fing beinahe zeitgleich in St. Mauritz an: „Das war ein spannender Start. Wir kamen beide mit dem Blick von außen.“

Früher 60.000 Kilometer im Jahr unterwegs

Während der Pfarrer „nur“ die Pfarrei wechselte, beackert Wansing seither ein ganz neues Berufsfeld. Volkswirtschaftslehre hat er in Münster studiert, geheiratet. „Meine Frau gab es nur mit Pferd und Hund.“ Ein Grund dafür, dass die Eheleute – Eltern zweier Söhne von 21 und 17 Jahren – in Rosendahl-Darfeld bei Coesfeld leben.

Vor seinem Wechsel in die Pfarrei hatte Wansing unter anderem Handwerker bei der Existenzgründung beraten, später war er Unternehmensberater in der Schuh-Branche. „Ich war 60.000 Kilometer im Jahr unterwegs, Flüge nicht mitgerechnet“, erzählt er.

„Rechte Hand des Pfarrers“

Das sollte nicht so bleiben, fand nicht nur Wansings Frau. Ein Bekannter half ihm beim Job-Wechsel: „Ich sitze seit 20 Jahren im Aufsichtsrat des Stadthotels Münster.“ Das Haus zählt zum Verbund der Kolping-Hotels. „Ein Kollege aus dem Aufsichtsrat hat mich auf die Stelle als Verwaltungsreferent aufmerksam gemacht.“

Seit vier Jahren arbeitet Wansing nun nahe der Mauritzkirche – als „rechte Hand von Pfarrer Gehrmann“, wie der Verwaltungsreferent selbst beschreibt. Je länger er über seinen Vergleich nachdenkt, desto passender findet er ihn: „Wenn man die Sitzungen mitrechnet, auch zum Beispiel im Kirchenvorstand, dann verbringe ich an manchen Werktagen mehr Zeit mit meinem Pfarrer als mit meiner Frau.“

Als er das gesagt hat, furcht Wansing die Stirn und wirkt, als wäre es ihm anders herum schon irgendwie lieber. Zweifel, dass er den Job mag, kommen dennoch nicht auf.

Was macht ein Verwaltungsreferent?

Was genau er als Verwaltungsreferent macht, kann der 54-Jährige gar nicht in Kürze und in allen Details aufzählen. „Ich nehme dem Leitenden Pfarrer Dinge ab, die ihn davon abhalten sich zum Beispiel auf seelsorgliche Aufgaben zu konzentrieren.“

Geht es etwa ums Geld, kommt niemand am Verwaltungsreferenten vorbei. Finanz-Anträge für den Kirchenvorstand gehen über seinen Tisch, der Haushalt der Pfarrei setzt dabei Leitplanken.

Nah am Pfarrer

„Natürlich möchte Pfarrer Gehrmann über die Finanzen Bescheid wissen. Er hat das Feld aber in meine Hände gelegt“, sagt Wansing. Von einem „großen Vertrauen“ erzählt er zufrieden: „Das ist das Erfolgsgeheimnis.“

Kurze Wege tun ein Übriges: Das Pfarrbüro und Wansings Büro liegen im Erdgeschoss des Pfarrhauses, dessen ersten Stock der Pfarrer bewohnt.

Und wenn es mal jemand mit „Vitamin B“ versucht, den Pfarrer überzeugt und dann zu Wasing kommt? „Würde nicht passieren. Der Pfarrer bezieht mich immer ein, wo nötig.“

Beratung und Protokolle

Eine weitere Aufgabe des Verwaltungsreferenten sei es, „kompetent Auskunft zu geben“. Zum Beispiel, wenn es um die Beschäftigungsverträge der Teilzeit-Organisten oder des Jugendlichen im Freiwilligen Sozialen Jahr geht. „Da müsste sich der Pfarrer immer erst einlesen. Das mache ich.“

Sitzungen des Kirchenvorstands bereitet Wansing vor, führt Protokoll. Auch bei den pfarreieigenen Wohnungen behält er den Überblick, weiß, wo Instandsetzungen nötig sind.

Großprojekt Pfarrheim

Angestellt ist Wansing übrigens nicht bei „seiner“ Pfarrei, sondern bei der Zentralrendantur des Stadtdekanats Münster. 32 Wochenstunden werden zur Hälfte aus Mitteln von Bistum und Pfarrei bezahlt. Inzwischen hat die Pfarrei Wansings Stelle auf eigene Kosten um sieben Stunden aufgestockt. „Wir haben hier einige größere Projekte vor der Brust, da erschien das sinnvoll.“ Eins dieser Großprojekte ist das Pfarrheim an der Herz-Jesu-Kirche, bei dem Abbruch und Neubau anstehen.

Mit der Verwaltung der Kindertagesstätten hat Wansing – im Unterschied zu anderen Kollegen – nichts zu tun. Dafür gibt es in St. Mauritz eine Kita-Verbundleiterin.

„Kein Umsatzdruck“

Wie unterscheidet sich die jetzige Tätigkeit des 54-Jährigen von den Jobs in der Wirtschaft? „Es gibt keinen Umsatzdruck“, vergleicht er. „Ich muss niemandem etwas verkaufen, was er nicht haben möchte.“

Wansing sagt, es sei ihm ein wenig schwer gefallen, sich an Abläufe zwischen der Pfarrei, der Zentralrendantur und dem Generalvikariat zu gewöhnen: „Der Verwaltungsaufwand ist manchmal schon hoch. Aber ich kann das verstehen. Schließlich arbeiten wir mit fremdem Geld.“

„Gelassenheit und Geduld trainiert“

Ab und zu, gesteht er, wünscht er sich etwas kürzere Entscheidungswege. Zum Beispiel, wenn es vor Investitionen den Weg über die Bistums-Ebene braucht. „Ich habe Gelassenheit und Geduld trainiert.“ Wansing lächelt.

Dann freut er sich wieder, dem Pfarrer helfen zu können: „Denken Sie nur an Themen wie den Datenschutz, die Umsatzsteuerreform und die Umsetzung von Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt. Überall dort ist der Pfarrer verantwortlich. Das ist oft wie bei einem Geschäftsführer in der Wirtschaft.“ Auch solche Führungskräfte kommen selten ohne Referenten wie Roland Wansing aus.