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Die Debatte um die Erbschaftssteuer spaltet das Land. Journalist Klaus Gaßner wirbt für pragmatische Lösungen.
Wie viel einfacher wäre es, man könnte Anstand und Respekt, Rechtschaffenheit und Eifer vererben. Zuverlässig gelingt dies leider nicht, so ganz im Gegensatz zu den Milliardensummen, die geschickte Menschen durch Einsatz ihrer Talente zu erwirtschaften verstehen – und damit ist ein Teil des Problems der Erbschaftssteuer umrissen. Sie setzt da an, wo verdientes Geld zu geschenktem Geld wird.
Der Vorstoß der SPD, Erbschaften künftig auf eine ganz andere Weise zu besteuern, hat in diesen Tagen das Thema mal wieder groß gemacht. Noch größer wird es, wenn demnächst auch das höchste deutsche Gericht, das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, in dieser Sache entscheiden wird.
Sensible Debatten ums Erben
Der Autor
Klaus Gaßner ist Chefredakteur des Konradsblatts, der Wochenzeitung des Erzbistums Freiburg.
Nicht wenige Menschen sind von Debatten ums Erben tief betroffen und reagieren sensibel, schließlich geht es um das tief sitzende Unbehagen, bereits versteuertes, oft unter Mühen erworbenes oder redlich erspartes Vermögen an „den Staat“ zu verlieren. Vermögen, das ein sorgloses Altern sichert, im Idealfall aber auch den Kindern noch ein Stück des Fleißes der Vorgeneration bescheren sollte. Hinzukommt, dass Firmen in ihrer Existenz bedroht sind, wenn der Staat im Erbfall die Hand offen ausstreckt.
Die andere Seite: Es sind Billionen, die derzeit auf den Bankkonten liegen, in Häusern oder immensen Besitzständen angelegt sind. Sie warten darauf, an eine Generation weitergegeben zu werden – die nichts zu dem mächtigen Reichtum beigetragen hat. Erbe zementiert Ungleichheit. Wer Glück hat mit seinen Ahnen, der hat ungeheure Startvorteile, er kann aus seinen Talenten mehr machen. Wer weniger Glück hat, muss schauen, dass er mit ihnen über die Runden kommt.
Die Aufgabe des Staates
Doch was ist die Aufgabe des Staates? Er ist schon an Kleinerem gescheitert als dem Versuch, Gleichheit ins Land zu bringen. Daher sollte er das Regulativ erst gar nicht überstrapazieren und an einfache, transparente Lösungen denken. Klar ist aber auch: Dass Riesenvermögen ihre Besitzer wechseln, kann der Allgemeinheit nicht gleichgültig sein.
Die Politik muss sich allerdings daran messen lassen, dass sie die Erbschaftssteuer-Milliarden besser investiert, als es die Neu-Reichen tun würden. In Bildung etwa. Denn zwar können Anstand, Respekt, Rechtschaffenheit und Eifer nicht zuverlässig vererbt werden – aber in den Bildungskanon gehören sie heute mehr denn je.
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.