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Gastkommentar von Joachim Frank zu Weihnachten unter Corona-Bedingungen

Erfahrungen von Ostern nutzen

Seien wir ehrlich: Die Sache ist längst entschieden. Weihnachten fällt aus, schreibt Joachim Frank in seinem Kommentar. Aber vielleicht hat es ja auch sein Gutes, nicht so zu tun, als wäre alles „wie immer“.

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie hat die Bundeskanzlerin diverse Besorgnis-Regis­ter gezogen. Zuletzt zielte Angela Merkel auf das Fest, das den Deutschen lieb und teuer ist: Jetzt, in diesen Oktobertagen, entscheide sich, „wie wir Weihnachten feiern“.

Seien wir ehrlich: Die Sache ist längst entschieden. Weihnachten fällt aus. Natürlich: Das Hochfest der Geburt Jesu Chris­ti bleibt im Kalender stehen, und die Kirche weltweit wird es begehen. Aber es wird 2020 keine Feiertage geben, wie wir das in unseren Familien und Freundeskreisen, in unseren Pfarrgemeinden, aber auch in den Urlaubszentren gewohnt waren. Das spezielle Fluidum von Weihnachten wird sich „unter Corona-Bedingungen“ nicht entfalten können.

Es wurde gestreamt und gebeamt, was das Zeug hielt

Joachim Frank (54) ist Chefkorrespondent der DuMont Mediengruppe und Mitglied der Chefredaktion beim „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er wuchs in Burgsteinfurt auf, studierte katholische Theologie, Philosophie und Kunstgeschichte in Münster, München und Rom. Er pflegt in seiner Arbeit enge Verbindungen zur Universität Münster und seinem Heimatbistum. Seit 2015 ist Joachim Frank Vorsitzender der Gesellschaft katholischer Publizisten und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Aber vielleicht hat es ja auch sein Gutes, nicht so zu tun, als wäre alles „wie immer“ – die Weihnachtsidylle als atmosphärisch-emotionale Falle in vielen Familien, auch schon vor der Pandemie.

An Ostern, unter dem Eindruck des Lockdowns, waren die Kirchen auf ein Stück Revival erpicht: Wir sind noch/wieder da! Ostern findet statt! Und so wurde gestreamt und gebeamt, was das Zeug hielt. Mit allen, auch abgründigen Begleiterscheinungen: Von der „online-Auferstehung der Kirchen im Bild ihres notorischen und nun auch offenkundig absurden Klerikalismus“ schrieb der Frankfurter Theologe Knut Wenzel und klagte über ein „empörendes Zentralversagen“: „Der Papst zur Osternacht allein im Petersdom – braucht es mehr als solch ein niederschmetterndes Bild?“

Es ist noch Zeit, es besser zu machen

Jetzt, acht Wochen vor Weihnachten, ist noch Zeit, es besser zu machen. Sicher stecken in vielen Gemeinden die Seelsorgerinnen und Seelsorger gemeinsam mit den ehrenamtlich Tätigen die Köpfe zusammen und entwickeln Ideen, wie die Feier der Weihnacht gelingen kann, wenn Weihnachten ausfällt.

Wie wäre es mit „Stallwachen“ an der Krippe, wo die Gemeinden Besucherinnen und Besucher willkommen heißen? Oder mit „Xmas-Kits“, einer Zusammenstellung guter Gaben für Menschen, die sich ihr (christlich grundiertes) Weihnachtsfeeling sonst im Krippenspiel oder in der Christmette abholen kamen?

Kreativität ist gefragt

Kreativität ist gefragt – und neues Denken. So wie an Weihnachten vor 2000 Jahren das unerhört Neue in die Welt kam. „Ach, könnte nur dein Herz / zu einer Krippe werden, / Gott würde noch einmal / ein Kind auf dieser Erden.“ Es liegt auch an uns, ob wir im Corona-Jahr 2020 diese von Angelus Silesius verdichtete Krippenerfahrung machen.

Die Positionen der Gastkommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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