Video: Befreiungstheologe aus Nicaragua zu Gast im Franz-Hitze-Haus

Ernesto Cardenal begeistert Zuhörer in Münster

Ernesto Cardenal nahm die Zuhörer mit auf eine lyrische Reise durch sein Leben.Video: Michael Bönte

Er ist immer noch ein Star der Befreiungstheologie. Auch wenn sich der alte Mann aus Nicaragua seit vielen Jahren vornehmlich auf seine Leidenschaft für die Lyrik konzentriert. Der 92-jährige Ernesto Cardenal füllt weiter die Säle in Deutschland. So auch in der katholischen Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster, wo seine Lesung schon eine Woche zuvor ausgebucht war.

Cardenals Lebensweg ist facettenreich. Er ist sozialistischer Politiker, war Widerstandskämpfer in Nicaragua, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Lateinamerikas, ist Ordensbruder, katholischer Priester und in seinem hohen Alter vor allem noch eins: Lyriker. Dass er mit seinen Worten immer noch die Menschen zu begeistern weiß, zeigte seine Lesung in Münster. Begleitet wurden seine Vorträge wie schon seit vielen Jahren von lateinamerikanischen Klängen der Grupo Sal.

Ehrendoktorwürde

Die Lese-Reise Cardenals findet im Rahmen der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Wuppertal statt. Gewürdigt werden soll damit sein Beitrag zur Weltliteratur und sein Engagement für den kulturellen Austausch zwischen Nicaragua und Deutschland.

Lebenslauf von Ernesto Cardenal
Ernesto Cardenal Martínez ist katholischer Priester, sozialistischer Politiker und Dichter. Er ist einer der bekanntesten Vertreter der Befreiungstheologie.

Geboren wurde Cardenal 1925 in Granada (Nicaragua), wo er als Schüler das Jesuitenkolleg besuchte. Von 1942 bis 1949 studierte er Philosophie und Literaturwissenschaft in Mexiko und New York. Ende der 1950er Jahre schloss er ein Theologie-Studium in Mexiko und Kolumbien an. 1954 beteiligte er sich an der April-Revolution gegen den Diktator Anastasio Somoza García, weshalb er 1956 das Land verlassen musste.

Es folgten Jahre in einem Trapistenkloster in den USA und einer Benediktinerabtei in Mexiko. Zeitgleich nahm er das Studium der Katholischen Theologie wieder auf. In den folgenden Jahren im Exil publizierte Cardenal eine Vielzahl an Schriften, die heute noch als Grundlage der Befreiungstheologie gelten.

1965 wurde Ernesto Cardenal in Managua zum Priester geweiht. Aber schon 1985 verbot ihm Papst Johannes Paul II. wegen seiner politischen Tätigkeit in der sozialistischen Freiheitsbewegung die Ausübung seines Priesterdienstes. Zwischen 1979 und 1987 war Cardenal Kulturminister von Nicaragua. Aus der sandinistischen Partei in Nicaragua trat er 1994 aus.