THEOLOGIE

Philippa Rath zum Dreikönigsfest: Auf der Suche nach Ihm

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Das Hochfest der Erscheinung des Herrn weist nicht nur auf die Menschwerdung Gottes hin. Was es für uns bedeutet, erläutert Philippa Rath OSB.

Am 6. Januar feiern wir noch einmal Weihnachten. Jenes Weihnachtsfest, das im vierten Jahrhundert aus dem Osten der Kirche ins Abendland wanderte und das wir Epiphanie, Erscheinung des Herrn, nennen, bekannter wohl unter dem Namen Dreikönigsfest. Was ist das Neue an diesem zweiten Weihnachtsfest?

Die Sternsinger, die die Türschwellen mit den Buchstaben C+M+B und der jeweiligen Jahreszahl beschriften – wobei C+M+B sowohl für die Namen Caspar, Melchior und Balthasar steht als auch für „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“)? Das alles sicher auch.

Entscheidender ist für mich aber die Erfahrung: Gott ist nicht nur Mensch geworden und zu uns in die Welt gekommen, sondern die Menschen selbst haben sich daraufhin in Bewegung gesetzt, um ihm zu begegnen: aus Nah und Fern, aus allen Kulturen und aus allen Teilen der Welt. So ist dieser Tag, wie Karl Rahner es einmal formuliert hat, „das Fest der seligen Reise des gottsuchenden Menschen auf der Pilgerschaft seines Lebens geworden“.

Pilger im Heiligen Jahr

Die Autorin:
Philippa Rath OSB, Benediktinerin der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen, ist Mitglied im ZdK und wirkte  im Synodalen Weg sowie im Synodalen Ausschuss mit. Bekannt ist sie durch ihren Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. 2020 erhielt sie dafür das Bundesverdienstkreuz, 2023 den Edith-Stein-Preis.

Es ist sicher kein Zufall, dass am 6. Januar auch das Heilige Jahr der Hoffnung zu Ende geht und die heiligen Pforten in Rom und überall auf der Welt geschlossen werden. Über 35 Millionen Pilger werden sich dann auf Pilgerfahrt begeben haben.

Was hat sie angetrieben, sich auf den Weg zu machen? Was oder besser wen haben sie gesucht? Und haben sie gefunden, was sie gesucht haben? Für die meisten war laut Umfragen tatsächlich die Suche nach Gott und nach Sinn das eigentliche Ziel ihrer Pilgerschaft. Auch wenn Papst Leo sicher viele angespornt und nach Rom gezogen hat.

Auf der Suche nach Gott

Gottsuche, Gottesbegegnung und Gotteserfahrung sind also auch heute keine Fremdwörter, sondern Ausdruck der innersten Sehnsucht vieler Menschen – gläubiger und nichtgläubiger, kirchennaher und kirchenferner. Sie alle folgen ihrem ganz persönlichen Stern. Auf der Suche nach Ihm, der ihren Hunger und Durst nach Frieden und Gerechtigkeit, nach Freiheit und Verbundenheit zu stillen vermag. Nicht wenige wurden dabei auch selbst zum Stern, zum Wegweiser und Hoffnungsträger für andere.

Wie sagte doch Karl Rahner: „Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst du nicht mitnehmen auf dem Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren. Lass es fahren. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen. Und wir werden finden.“ So möge es sein…

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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