Gottesdienst zum Abschluss der Wallfahrtssaison

Erzbischof Koch in Telgte: Wir müssen zu unserem Glauben stehen

Mit einem feierlichen Gottesdienst hat der Berliner Erzbischof Heiner Koch am Sonntag die Wallfahrtssaison unter dem Leitwort „Suche Frieden“ in der St.-Clemens-Kirche in Telgte (Kreis Warendorf) beendet. „Wir dürfen dankbar auf ein außergewöhnliches Wallfahrtsjahr zurückschauen“, richtete Propst Michael Langenfeld zu Beginn des Gottesdienstes den Blick zurück auf die vergangenen Monate.

„Ein Höhepunkt war sicherlich die Wallfahrt während des Katholikentags im Mai“, sagte Langenfeld. Gleichzeitig freute sich der Propst darüber, dass in diesem Jahr ungewöhnlich viele Pilger den Weg zum Gnadenbild der „Schmerzhaften Gottesmutter“ gefunden hätten.

Frage nach der Taufe: Was haben wir falsch gemacht?

„Es ist nicht normal, Christ zu sein“, sagte Erzbischof Koch in seiner Predigt. In Berlin gebe es nur noch zehn Prozent Katholiken, über 70 Prozent der Menschen würden an nichts mehr glauben. „Und trotzdem wächst das Bistum Berlin“, betonte Koch. Die Entscheidung, Christ zu werden, sei ein Schwimmen gegen den Strom. Dazu brauche es Stärke und Selbstbewusstsein.

Die Familien könnten es oft nicht fassen, wenn ihr Kind plötzlich Christ werden wolle. „Was haben wir falsch gemacht?“, habe ihn nach der Taufe eine Mutter weinend beim Kaffee gefragt, berichtete der Berliner Erzbischof – und fügte an: „Wir müssen lernen, zu unserem Glauben zu stehen.“

 „Wir als Kirche müssen lernen – sonst können wir den Laden dichtmachen“

Jesus habe zu seinen Jüngern gesagt: Lernt von mir, lernt! „Wie die Jünger sind auch wir Lehrlinge, Suchende, Fragende im Glauben. Der Weg zu Gott ist ein Lernweg“, erklärte Koch. Es könne anstrengend und mühsam sein, lernend auf dem Weg zu bleiben. „Aber es ist wichtig“, betonte der Erzbischof. „Auch wir als Kirche müssen lernen. Sonst können wir den Laden dichtmachen.“

„Auch Maria ist eine Lernende, Fragende und bleibt es - bis unter dem Kreuz. Lernen wir, von Maria zu lernen. Folgen wir ihrem Beispiel“, rief Koch den Menschen in der vollbesetzten Clemenskirche zu.

Feierliche Lichtprozession zum letzten Mal in diesem Jahr

Im Anschluss an die Messe wurde die Telgter Gottesmutter auf den Schultern der Männer der Bäcker-, Metzger- und Brauergilde in einer feierlichen Lichterprozession ein letztes Mal für dieses Jahr durch die Straßen getragen, bevor sie auf ihren Platz in der Gnadenkapelle zurückkehrte. Damit endete die Wallfahrtssaison 2018.