Hamburger Erzbischof Heße sieht zu große Lücken im Konzept

Erzbistum bricht Verhandlungen mit „Schulgenossenschaft“ ab

Die Verhandlungen des Erzbistums Hamburg mit der Initiative „Hamburger Schulgenossenschaft“ sind gescheitert. Erzbischof Stefan Heße teilte seine Entscheidung den Initiatoren Christian Bernzen und Nikolas Hill am Donnerstag in einem persönlichen Gespräch mit, wie das Erzbistum bekanntgab.

Das am 24. Juni vorgelegte Konzept der Initiative verdeutliche „weder die in Aussicht gestellte operative Tragfähigkeit einzelner Pilotschulen, noch zeigt es konkret auf, wie die dringend notwendigen Investitionen in Millionenhöhe an den betroffenen Standorten wirklich geschultert werden können“, begründete Heße seine Entscheidung in einem Brief an die Eltern und Mitarbeiter der katholischen Schulen.

Initiative reagiert enttäuscht

Die Schulgenossenschaft reagierte enttäuscht. Die Entscheidung sei ein „Schlag ins Gesicht“ für alle aktiven Katholiken, die sich auch an anderen Stellen im Erzbistum einbrächten, sagte Nikolas Hill der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das Konzept seiner Initiative sei „wirtschaftlich und solide“ gewesen. Details hätten geklärt werden können, wenn die Bereitschaft für weitere Gespräche da gewesen wäre.

Die Katholische Elternschaft Deutschlands (KED) forderte die Beteiligten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. KED-Vorsitzende Marie-Theres Kastner aus Münster sagte, im bisherigen Prozess sei zu wenig deutlich geworden, dass Schulen mehr seien als sich selbst tragende Wirtschaftsunternehmen.

„Ich muss das ganze Erzbistum im Blick behalten“

Erzbischof Heße betonte, er verstehe den Frust und die Resignation, die die Schulschließungspläne hervorriefen. Als Erzbischof müsse er jedoch die Einheit des gesamten Erzbistums im Blick behalten.

Er wolle ein „nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Schulsystem“ in Hamburg erhalten, das aber „auf einer soliden finanziellen Grundlage“ stehen müsse. „Ich werde es als verantwortlicher Erzbischof nicht zulassen, dass wir uns mit einem ,weiter so‘ vor der jetzt notwendigen Entscheidung drücken und dadurch Stück für Stück zukünftige Handlungsspielräume verlieren.“

Verhandlungen mit anderen Partnern weiter möglich

Heße sagte zu, sich weiter für den Erhalt von drei der acht von der Schließung bedrohten Schulen einzusetzen: „Das Ende der Verhandlungen mit der Initiative Hamburger Schulgenossenschaft bedeutet nicht das Ende unserer Anstrengungen, mit externen Partnern hier zu einer zukunftsfähigen Lösung zu kommen.“

Er würdigte das „außerordentliche Engagement Hamburger Katholikinnen und Katholiken in der Initiative Hamburger Schulgenossenschaft“, das zum Einstieg in die intensiven Verhandlungen geführt habe. „Ich persönlich habe in diese Gespräche sehr große Hoffnungen gesetzt“, schrieb Heße.

Auch Bistums- und Schulgremien für Abbruch der Gespräche

Das Erzbistum hatte Ende Januar angekündigt, wegen seiner prekären Wirtschaftslage bis zu acht seiner 21 katholischen Schulen in Hamburg zu schließen. Drei der Schulen könnten gerettet werden, wenn die Diözese finanzielle Hilfe von außen bekäme.

Die Initiative „Hamburger Schulgenossenschaft“ wollte eine Genossenschaft zum Erhalt der Schulen gründen und hat seit Februar Gespräche mit dem Erzbistum geführt. Nachdem die Initiative ein Konzept für die Zusammenarbeit vorgelegt hatte, stimmten Ende Juni sechs wichtige Bistumsgremien, darunter der Kirchensteuerrat und der Diözesanvermögensverwaltungsrat, gegen eine Kooperation.

Auch zwei von vier schulischen Gremien, die Schulleiterkonferenz und die Mitarbeitervertretung, votierten dagegen. Lediglich Eltern- und Schülervertretung plädierten für eine Fortsetzung der Gespräche.