MEDIEN

Journalistenverband kritisiert Erzbistum Köln für Angriffe auf Berichte

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Der Offene Brief des Kölner Amtsleiters sorgt auch in der Medienbranche für Aufregung. Was DJV-Landesvorsitzende Andrea Hansen dazu sagt.

Von epd

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) Nordrhein-Westfalen hat sich in die öffentlich geführte Auseinandersetzung zwischen dem Erzbistum Köln und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (KStA) eingeschaltet. DJV-Landesvorsitzende Andrea Hansen appelliert an das Erzbistum, „zu einem professionellen Umgang mit öffentlicher Kritik zurückzukehren“. Kritische Berichterstattung auf die Weise zu diskreditieren, wie es das Erzbistum getan habe, sei „ein Angriff auf demokratische Grundwerte und die Pressefreiheit“.

Anlass ist ein auf der Internetseite des Erzbistums veröffentlichter offener Brief des Amtsleiters im Generalvikariat, Frank Hüppelshäuser. Darin hatte er dem KStA-Chefkorrespondenten Joachim Frank vorgeworfen, das Erzbistum und Kardinal Rainer Maria Woelki zu „verunglimpfen“ und Mitarbeiter des Erzbistums „öffentlich an den Pranger“ zu stellen; seine Berichterstattung sei „menschenverachtend“. Vorausgegangen war unter anderem ein kritischer Artikel der Zeitung über den Umgang mit Regenbogen-Symbolen bei der Eröffnung des Erzbischöflichen Bildungscampus Köln-Kalk.

Hansen: Erzbistum kann presserechtlich gegen Texte vorgehen

Medienkritik sei zulässig und wichtig, betont DJV-Landesvorsitzende Hansen. „Aber man kann nicht einen Journalisten bezichtigen, dass er angeblich Menschen namentlich an den medialen Pranger stelle, um genau das dann mit ihm zu tun. Das geht gar nicht.“

Wenn das Erzbistum der Meinung sei, dass Texte angreifbar seien, könne es den Presserat anrufen oder juristisch dagegen vorgehen. Hansen verweist darauf, dass Frank zu den renommiertesten Berichterstattern im Kontext der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im Erzbistum Köln gehöre, für die er unter anderem 2023 den Wächterpreis der deutschen Tagespresse erhalten habe.

Am Donnerstag hatte sich bereits KStA-Chefredakteur Gerald Selch in einem Offenen Brief geäußert. Er schreibt, mit Hüppelshäusers Stellungnahme habe das Erzbistum den „akzeptablen Diskursraum“ verlassen. „Dies ist eine Grenzüberschreitung der Institution katholische Kirche gegenüber der freien Presse.“ Die Vorwürfe, die KStA-Berichterstattung ziele darauf, das Erzbistum oder den Erzbischof zu diskreditieren oder zu verunglimpfen, wies Selch als „absurd“ zurück.

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