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Erzbistum Köln wehrt sich gegen Woelki-Kritik - und greift Journalisten an

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Ein „Offener Brief“ des Amtsleiters richtet sich gegen Chefreporter Joachim Frank persönlich. Derweil verliert Woelki in der Stadt massiv an Ansehen.

Es ist ein bislang einmaliger Vorgang: Der Kölner Amtsleiter Frank Hüppelshäuser hat die Berichterstattung des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (KStA), namentlich von DuMont-Chefkorrespondent Joachim Frank, zur Eröffnung des Erzbischöflichen Bildungscampus Köln-Kalk scharf angegriffen. „Ihre Berichterstattung ist menschenverachtend!“ heißt es in einem Offenen Brief an das Mitglied der Chefredaktion der Tageszeitung, der am 11. Juli auf der Internetseite des Erzbistums Köln veröffentlicht wurde.

Frank habe es darauf abgesehen, das Erzbistum Köln und Kardinal Rainer Maria Woelki „zu diskreditieren, zu verunglimpfen und sein Bild in der Öffentlichkeit zu verzerren“, so Hüppelshäuser. Was die KStA-Berichterstattung genau verfälsche, geht aus dem Offenen Brief nicht hervor. Des Weiteren deutet der Amtsleiter an, dass Frank für seine als „Feldzug“ bezeichnete Berichterstattung sowohl „mehr oder weniger persönliche Gründe“ als auch „rein ökonomische Beweggründe“ habe.

Umfangreiche Recherchen über Erzbistum und Kardinal

Nicht zuletzt stelle es einen „bisherigen Tiefpunkt“ dar, dass der Journalist „unter dem Vorwand, der Hüter der Toleranz zu sein“, über einzelne Mitarbeiter des Erzbistums Köln namentlich berichte. Hüppelshäuser habe nach „mehr als 20 Jahren“ sein KStA-Abonnement gekündigt, weil er für diesen Journalismus kein Geld mehr zahlen wolle.

Frank berichtet seit vielen Jahren kritisch über Kardinal Woelki, das Erzbistum Köln und besonders den dortigen Umgang mit sexualisierter Gewalt. Der Journalist, zugleich Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten, wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wächterpreis der deutschen Tagespresse. Hüppelshäuser übernahm 2023 die neu geschaffene Stelle des Amtsleiters im Erzbischöflichen Generalvikariat des Erzbistums Köln. Er verantwortet dort den Bereich Verwaltung und berichtet direkt an den Erzbischof. Zuvor war der Volkswirt in leitenden Positionen bei großen Finanzunternehmen tätig.

Mehrere Vorfälle mit Regenbogensymbolen

Kardinal Woelki hatte Anfang der vergangenen Woche den neuen Erzbischöflichen Bildungscampus Köln-Kalk eingeweiht. Dabei handelt es sich um ein integratives Schulprojekt, in das die Erzdiözese 80 Millionen Euro investierte. Dieses stehe „Kindern aller sozialen und religiösen Hintergründe“, hieß es in einer Pressemitteilung. Dennoch soll das Erzbistum Köln laut eines KStA-Berichts Mitarbeiter dazu aufgefordert haben, im Eröffnungsgottesdienst und beim Festakt keine Regenbogensymbole zu tragen. Man habe bei diesem Anlass „gesellschaftliche Kontroversen“ außen vor lassen wollen, zitieren die Verfasser Joachim Frank und Uli Kreikebaum den Pressesprecher des Erzbistums Köln, Wolfram Eberhardt. Deshalb kam es zu Protesten seitens der Eltern.

Darüber hinaus berichtete Frank über den Fall eines Lehrers des Kardinal-Frings-Gymnasiums in Bonn-Beuel. Dieser solle demnach beim Festakt zum 60. Jahrestag der Grundsteinlegung der Schule im vergangenen Dezember in Anwesenheit von Kardinal Woelki einen Pullover in Regenbogenfarben getragen haben. Darauf sei, so Frank, der Lehrer von Thomas Kamphausen, dem zuständigen Leiter des Fachbereichs Katholische Schulen in Freier Trägerschaft, zum Gespräch gebeten worden. Der Lehrer habe der Schule „erheblichen Schaden“ zugefügt und deren „Ansehen herabgesetzt“, zitiert der Artikel den Fachbereichsleiter.

Proteste gegen die Bistumsleitung

Am vergangenen Samstagvormittag nahmen unter anderem die Kirchenreforminitiative „Maria 2.0“ und Vertreter von „Out in Church“ die Ereignisse bei der Eröffnung des Bildungscampus zum Anlass, um vor dem Südportal des Kölner Doms gegen die Bistumsleitung zu demonstrieren. Die Toleranz des Kardinals ende dort, „wo queere Menschen, wo die sexuelle Selbstbestimmung der Menschen ins Spiel kommt“, so die Theologin und „Maria 2.0“-Vertreterin Maria Mesrian.

Umfragen belegen fehlendes Vertrauen

Unterdessen ist das Vertrauen der Kölner Stadtbevölkerung in ihren Oberhirten offenbar auf einem Tiefstand. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des KStA und der „Kölnischen Rundschau“, deren Ergebnisse am Montag veröffentlicht wurden: Nur drei Prozent der Kölner sind demnach mit der Amtsführung des Kardinals zufrieden. 83 Prozent der Befragten gaben an, „weniger oder gar nicht zufrieden“ zu sein. Lediglich 14 Prozent hielten sich mit einem Urteil zurück. 

Man habe ein solches Ergebnis für eine Spitzenpersönlichkeit bisher nur einmal gemessen, nämlich 2022 bei Kardinal Woelki selbst, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. Bei den 16- bis 29-Jährigen fällt das Vertrauen besonders gering aus: Null Prozent votierten in dieser Altersgruppe mit „zufrieden“.

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