FORSCHUNG

Nach Verzögerung: Datum für Paderborner Missbrauchsstudie steht fest

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Sechs Jahre Forschung: Eine Studie untersucht Missbrauch im Erzbistum Paderborn. Erste Ergebnisse haben bereits für Furore gesorgt.

Von KNA

Die mit Spannung erwartete Missbrauchsstudie für das Erzbistum Paderborn wird am 12. März vorgestellt. Das teilten Erzbistum und Universität Paderborn am Freitag mit. Ein erster Zwischenbericht hatte Ende 2021 bereits für Empörung gesorgt. Darin wird den früheren Erzbischöfen Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt gravierendes Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchstätern bescheinigt. Vorwürfe, dass Jaeger und Degenhardt selbst Missbrauch begangen haben sollen, wies das Erzbistum zuletzt zurück.

Im Dezember 2021 hatten die Studienleiterinnen Nicole Priesching und Christine Hartig von der Universität Paderborn einen Zwischenbericht vorgelegt. Ihr Fazit: Jaeger und Degenhardt hätten beschuldigte Geistliche geschützt und ihnen teils schriftlich ihr Mitgefühl bekundet. Betroffenen gegenüber hätten sie keine Fürsorge gezeigt. Missbrauchstäter seien immer wieder versetzt worden. Dadurch habe die Bistumsleitung Wiederholungstaten in Kauf genommen. Auch die Gesellschaft – Gerichte, Eltern, Gemeindemitglieder – hätte weggesehen.

Was Erzbischof Bentz geplant hat

Den Verdacht, dass Jaeger und Degenhardt selbst Täter gewesen sein sollen, wies das Erzbistum im Oktober zurück. Keiner der bisher bekannten Vorwürfe sei plausibel dargelegt, so die Erzdiözese damals. Sie seien teils unvollständig, widersprüchlich oder über Dritte eingebracht. Gutachter hätten sie als unplausibel eingestuft. Die Erzdiözese hatte zuvor von einem dritten Vorwurf gegen Jaeger und Degenhardt erfahren. Daneben gibt es Anschuldigungen zweier bereits bekannter mutmaßlicher Betroffener.

Erzbischof Udo Markus Bentz versicherte, er wolle den nun anstehenden Abschlussbericht der Universität Paderborn würdigen. Am Tag nach der Vorstellung will die Erzdiözese die Ergebnisse auf einer eigenen Pressekonferenz zusammen mit Betroffenenvertretern einordnen. Am selben Tag wird sich Bentz mit Betroffenen auf deren Jahresversammlung austauschen.

Zudem sind drei Veranstaltungen geplant, um mit den Menschen im Erzbistum über die Studie zu sprechen. Daran nehmen Bentz, seine Generalvikare Michael Bredeck und Thomas Dornseifer, der Interventionsbeauftragte Thomas Wendland sowie Mitglieder der Betroffenenvertretung teil. „Die Veröffentlichung der Studie bewegt und verunsichert viele Menschen“, erklärte der Erzbischof. „Wir möchten mit möglichst vielen ins Gespräch kommen über die Ergebnisse.“

Was zur Verzögerung der Missbrauchsstudie führte

An der kirchenhistorischen Untersuchung arbeiteten die Forscherinnen der Universität Paderborn seit sechs Jahren. Sie wird durch das Erzbistum gefördert und beleuchtet die Amtszeiten von Jaeger (1941-1973) und Degenhardt (1974-2002).

Eigentlich hätte der Abschlussbericht bereits vergangenes Jahr vorliegen sollen. Doch wegen der großen Menge an Material und wegen rechtlicher Prüfungen kam es zu Verzögerungen. Laut Erzbistum fällt in den untersuchten Zeitraum ein Großteil der bekannten Missbrauchsfälle.

Wie die Amtszeit von Becker untersucht wird

Ein zweites Forschungsprojekt unter Prieschings Leitung untersucht seit 2023 zudem die Amtszeit von Erzbischof Hans-Josef Becker (2002 bis 2022). Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden laut Erzbistum voraussichtlich 2027 veröffentlicht.

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