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Der künftige münstersche Bischof Heiner Wilmer hat sich mit der Jüdin Etty Hillesum befasst. Nun gibt es eine TV-Serie über sie. Eine Rezension.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und künftige Bischof von Münster, Heiner Wilmer, würdigt die neue Arte-TV-Serie „Etty“ als besonders sehenswert. 2024 hatte er das Buch „Herzschlag. Etty Hillesum – Eine Begegnung“ geschrieben und angeregt, deren Tagebücher zur Pflichtlektüre an Schulen zu machen. Nach Ausstrahlung der ersten drei Serien-Folgen hat Wilmer für die Katholische Nachrichtenagentur diese Rezension verfasst:
„Es gibt Filme, die man anschaut – und es gibt Filme, die einen anschauen. ‚Etty‘ gehört zur zweiten Kategorie. Ich empfinde den Film als bedrückend, erschütternd, körperlich. Er geht unter die Haut, weil er nicht auf Distanz bleibt. Er zwingt den Zuschauer hinein in die innere Not eines jungen Menschen, hinein in Angst, Sehnsucht, Begehren, Einsamkeit und die dunklen Schächte der Geschichte.
Mediathek
In der Arte-Mediathek sind bereits alle sechs Folgen von „Etty“ zu sehen.
Der Film über Etty Hillesum, basierend auf ihren Tagebüchern, erzählt nicht einfach vom Holocaust. Er erzählt vom Menschen. Von der Fragilität des Menschen. Von seiner Würde. Von seiner Zerrissenheit. Und von der fast unfassbaren Fähigkeit, selbst im Angesicht der Vernichtung innerlich wach zu bleiben.
Dieser Film ist ganz Körper. Verletzlich, sinnlich, existenziell. Gewalt und Zärtlichkeit liegen unmittelbar nebeneinander. Hilflosigkeit und Chuzpe stoßen frontal aufeinander. Traumwelt und Wirklichkeit reiben sich aneinander wie offene Wunden. Nichts ist sauber getrennt. Gerade darin liegt die Wahrheit dieses Films.
Im Zentrum des Films steht eine radikale Menschlichkeit. Etty Hillesum schaut in den Hass - und verliert nicht ihre Fähigkeit zur Liebe. Das ist keine Naivität. Das ist geistige Kühnheit.
Mich erschüttert der Film, weil er still genug ist, um die inneren Geräusche eines Menschen hörbar zu machen. ‚Etty‘ führt uns in jene Räume unserer Seele, von denen wir nicht einmal erahnen, dass es sie gibt.
Darum sollte man diesen Film anschauen. Nicht trotz seiner Schwere, sondern wegen ihr. ‚Etty‘ richtet sich an Menschen, die sich trauen, den schweren Dingen des Lebens ins Gesicht zu sehen. An Menschen, die nicht vor sich selbst weglaufen. An Menschen, die den Weg nach innen wagen, ohne sich von der Welt abzuwenden.
Etty Hillesum zeigt: Menschlichkeit beginnt dort, wo der Mensch nicht mehr flieht. Vielleicht liegt genau darin die verstörende Schönheit dieses Films.“
Das Buch
Heiner Wilmer: „Herzschlag. Etty Hillesum – Eine Begegnung“, Herder, Freiburg 2024, 160 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-451-03492-3. Das Buch können Sie hier bequem bei unserem Partner Dialogversand bestellen.