Russlandfreundliche Orthodoxe und europäische Bischöfe verurteilen Invasion in Ukraine

Europas Kirchen an Russland: Um Gottes willen, hört jetzt auf!

  • Die russlandfreundliche ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats fordert einen sofortigen Stopp des "Bruderkrieges".
  • Für ein gemeinsames und entschlossenes Handeln spricht sich die Europäische Bischofskonferenz aus.
  • Die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland sehen das "Friedensprojekt Europa" gefährdet.

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Die russlandfreundliche ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats hat von Kreml-Chef Wladimir Putin einen sofortigen Stopp des "Bruderkrieges" gefordert. "Das ukrainische und das russische Volk sind aus dem Taufbecken des Dnjepr hervorgegangen, und der Krieg zwischen diesen Völkern ist eine Wiederholung der Sünde Kains, der seinen eigenen Bruder aus Neid erschlug", erklärte das Kirchenoberhaupt Metropolit Onufri am Donnerstag in Kiew.

Für einen solchen Krieg gebe es keine Entschuldigung, weder vor Gott noch vor den Menschen, fügte er hinzu. In dieser tragischen Zeit wolle er "seine besondere Liebe und Unterstützung für unsere Soldaten" ausdrücken. Diese beschützten die Ukraine und ihr Volk. Gott möge die ukrainischen Soldaten segnen.

Rund 60 Prozent der mehr als 41 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sie gehören allerdings zwei verschiedenen Kirchen an: der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats und der Ende 2018 gegründeten eigenständigen "Orthodoxen Kirche der Ukraine".

Erzbischof von Vilnius mahnt entschlossenes Handeln an

Mit eindringlichen Worten hat der katholische Erzbischof von Vilnius und Vorsitzende des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Erzbischof Gintaras Grusas, auf den russischen Einmarsch und die Kriegshandlungen in der Ukraine reagiert. "Wir müssen gemeinsam und entschlossen handeln, um der russischen Aggression ein sofortiges Ende zu setzen und alles tun, um unschuldige Frauen, Männer und Kinder zu schützen: In Gottes Namen, hört jetzt auf", erklärte Grusas am Donnerstag über die CCEE-Zentrale in Sankt Gallen.

Die Kirchen in Europa verurteilten auf das Schärfste, "was heute Nacht in der Ukraine geschehen ist", so der litauische Erzbischof, der als CCEE-Präsident aktuell an einer Konferenz von Bischöfen und Bürgermeistern aus dem Mittelmeerraum im italienischen Florenz teilnimmt. Die internationale Gemeinschaft und insbesondere die EU dürften nichts unversucht lassen, um den Konflikt zu beenden.

Die Waffen müssten dem Dialog und Verhandlungen weichen. Es gelte, einen Krieg zu beenden, "der unweigerlich von der Ukraine auf die Nachbarstaaten übergreifen und zu einer Bedrohung für ganz Europa werden würde", warnte der Erzbischof. Grusas rief zum Gebet für die Opfer des Konflikts auf.

Kirchen in Deutschland: Gefahr für Friedensprojekt Europa

Die katholische und evangelische Kirche in Deutschland haben ein sofortiges Ende des russischen Angriffs auf die Ukraine gefordert. "Wir sind erschüttert über die aktuelle Entwicklung und rufen die Russische Föderation dazu auf, weitere Aggressionen zu unterlassen", hieß es am Donnerstag in einer gemeinsamen Mitteilung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus. "Der Angriff Russlands auf die Ukraine gefährdet das Friedensprojekt Europa."

Bätzing und Kurschus äußerten sich anlässlich des Antrittsbesuchs der im November 2021 neu gewählten Ratsvorsitzenden bei der Bischofskonferenz in Bonn. Sie begannen ihre erste Begegnung mit einem ökumenischen Friedensgebet. "Wir wissen uns ökumenisch in dieser angespannten politischen Lage besonders miteinander verbunden und sind in Gedanken bei den Menschen in der Ukraine. Die Ukraine mit ihrem reichen Kulturerbe hat ein Recht auf nationale Selbstbestimmung, die in diesen Tagen mit Füßen getreten wird", heißt es weiter. Gemeinsam rufen sie die Christinnen und Christen in Deutschland auf, für die Opfer der Gewalt und mit ihnen zu beten.