POLITIK

Welskop-Deffaa: Caritas ist „längst zum Lieblingsfeind der AfD geworden“

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Seit Jahren diskreditiert die rechtsradikale Partei die Arbeit des Deutschen Caritasverbandes. Seine Präsidentin sieht schwierigen Zeiten entgegen.

Von KNA

Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, Eva Maria Welskop-Deffaa, sieht große Herausforderungen beim eigenen Umgang mit demokratieabgewandten Menschen, insbesondere in Ostdeutschland. Der Dialog sei für die Caritas nicht immer leicht, sagte Welskop-Deffaa gegenüber katholisch.de. „Wir sind längst zum Lieblingsfeind der AfD geworden.“ Die eigene Migrationsarbeit werde etwa seit Jahren von Rechtspopulisten als „Asylindustrie“ diskreditiert.

„Insofern sind wir für viele nicht die, denen man zuallererst zutraut, Brücken zu bauen“, sagte die Caritas-Chefin weiter. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass Menschen, mit denen wir sprechen, uns persönlich angreifen.“ Auf diese schwierige Situation müsse man die eigenen Mitarbeiter vorbereiten. „Gleichzeitig wollen wir mit unserer Arbeit weiter Zeugnis geben: dafür, dass alle mehr haben, wenn jeder teilt, und dass es uns gemeinsam besser geht, wenn wir positiv auf den Nächsten zugehen.“

„Bedrückt uns als Caritas sehr“

Sie sei erschüttert, dass ein so großer Anteil der Bevölkerung mit den Vorstellungen der AfD übereinstimme, sagte Welskop-Deffaa mit Blick auf die jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die Wahlanalysen zeigten, dass sich in der Wahl der AfD nicht mehr nur Protest ausdrücke, sondern immer mehr Menschen die Partei gerade wegen ihres Programms wählten. „Das bedrückt uns als Caritas natürlich sehr.“

Bei der AfD finde man vieles, was offen menschenverachtend daherkomme und dazu angetan sei, die Lebensperspektiven etwa von Menschen mit Behinderung oder Geflüchteten deutlich zu verschlechtern, erklärte die Caritas-Chefin. Gerade wenn es um menschenfeindliche Positionen gehe, dürfe die Kirche nicht schweigen. „Im Gegenteil: Wir müssen besonders klar sein und kompromisslos für Menschenwürde und Nächstenliebe die Stimme erheben – ohne dabei jedoch andere Menschen niederzuschreien oder abzuwerten.“

Große Sorgen wegen Sachsen-Anhalt

Wegen der Lage in Sachsen-Anhalt mache sich die Caritas große Sorgen, „nicht zuletzt, weil die AfD in Sachsen-Anhalt besonders kirchen- und wohlfahrtsfeindlich ist“, sagte Welskop-Deffaa. Sollte die Partei in dem Bundesland tatsächlich eine Regierung bilden können, könnte sich das schnell in der Arbeit des katholischen Wohlfahrtsverbands niederschlagen.

In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sehe sie dagegen vorläufig keine substanziellen Veränderungen. Je nachdem, wie die Regierungsbildung in beiden Ländern ausgehe, könnten die Erwartungen der Wohlfahrtsverbände in einigen Bereichen sogar leichter durchzusetzen sein als bisher, so die Caritas-Chefin.

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