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Kontroverse Themen im ökumenischen Dialog benennen, das geht, sagt Journalist Ulrich Windolph. Er selbst erlebte eine wohltuende Premiere.
Es war eine Premiere. Noch nie hatten sich Adelheid Ruck-Schröder und Udo Markus Bentz zum Doppelinterview getroffen. Das Format hatte es zwar schon öfter gegeben, aber diese Präses der Landeskirche von Westfalen und dieser Erzbischof des Erzbistums Paderborn hatten zusammen noch kein Zwiegespräch mit Journalisten geführt.
Entsprechend vorsichtig tasteten sich beide Kirchenleute in der ungewohnten Situation voran. Vom „Westfalen-Blatt“ „verordnete“ Ökumene an einem schnöden Dezember-Freitag sozusagen. Erst recht, da ein besonders kritisches, ja kontroverses Thema großen Raum in diesem Weihnachtsinterview einnehmen sollte – der Konflikt über Schwangerschaftsabbrüche am christlichen Klinikum Lippstadt, das in evangelischer und katholischer Trägerschaft liegt.
Uneinig, aber zugewandt und wertschätzend
Der Autor:
Geboren in Duderstadt im Eichsfeld, arbeitet Ulrich Windolph seit 1996 beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Als Chefredakteur ist der 56-Jährige heute auch mitverantwortlich für die „Westfälischen Nachrichten“ in Münster.
Präses Adelheid Ruck-Schröder betonte: „Wir sollten nicht nur über den kleinsten gemeinsamen Nenner sprechen, sondern auch mal im positiven Sinn fragen: Was sind die Unterschiede? Lasst uns das ruhig aussprechen und sichtbar machen.“ Und Erzbischof Udo Markus Bentz ergänzte: „Ökumenische Trägerschaft ist kein beliebiger Einheitsbrei. Vielleicht wird gerade dadurch deutlich, was das Profil der evangelischen Kirche ist und was unser Profil als katholische Kirche ist.“
Genau das taten die Präses und der Erzbischof dann auch. Uneinig in der Sache, doch zugewandt, respektvoll und wertschätzend im Ton: Wer den beiden verantwortlichen und verantwortungsbewussten Kirchenmenschen in diesen gut eineinhalb Stunden zuhörte, konnte spüren, dass das geht. Und so einen bemerkenswerten Kontrast zu den zu oft aufgeregten und aufgeheizten, ja unversöhnlichen und destruktiven Debatten unserer Zeit erleben. Diese gibt es ja nicht nur in der Weltpolitik, sondern auch in Familien und im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft und in Vereinen.
„Der Glaube macht die Ökumene“, sagte Präses Ruck-Schröder irgendwann. Der Glaube macht die Offenheit für den Nächsten, mochte man als journalistischer Beobachter dieser Begegnung hinzufügen, in der zwei Menschen zu einem aufrichtigen Dialog gefunden hatten. Wohltuend war das und ganz wunderbar zu sehen. Doch damit nicht genug, denn das daraus resultierende gute Gefühl lässt sich hier teilen und weitergeben. Vielleicht kann es uns allen in schwierigen Zeiten ein Hoffnungsschimmer für das noch junge Jahr 2026 sein – und besser noch ein Kompass.
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.