BIBEL AM SONNTAG (16. Sonntag/C)

Monika Wellermann: Was ist wirklich das Wichtigste?

Anzeige

Manchmal vergessen wir wie die biblische Marta im Alltag das Wesentliche. Was für uns Priorität haben sollte, legt Monika Wellermann dar.

Sowohl in der ersten Lesung als auch im Evangelium dieses Sonntags geht es um die Gastfreundschaft: Abraham, der nichts ahnend in der Mittagshitze döst, bekommt unerwartet Besuch. Er hat niemand Geringeren als Gott selbst zu Gast. Dieser kommt zu ihm in Gestalt dreier Männer, denen Abraham die Ehre erweist und die er selbst bedient.

Der alttestamentliche Text verdeutlicht, welch hohen Stellenwert die Gastfreundschaft in der Gesellschaft der damaligen Zeit einnimmt. Gastfreundschaft ist ein hohes Gut, niemand kann sich da ausnehmen. Für den Gast kann sie überlebenswichtig sein.

In einer nomadischen Gesellschaft braucht der Reisende den Schutz des fremden Zeltes über dem Kopf, er braucht Wasser und Nahrung. Abraham ist sich dessen bewusst und erfüllt seine Gastgeberpflichten vorbildlich. Das Beste, was er hat, wird für die Gäste herbeigeholt. Wenn doch jeder Gast wie ein König empfangen wird, wie viel mehr erfordert es dann, Gott als Gast aufzunehmen?

Zwei unterschiedliche Frauen

Die Lesungen vom 16. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.

Die Tradition der Gastfreundschaft spielt auch im Evangelium eine wichtige Rolle: Die Schwestern Marta und Maria haben Jesus in ihr Haus aufgenommen. Natürlich ist auch den beiden Frauen bewusst, was die Gastfreundschaft von ihnen fordert. Der Gast – Jesus – ist auch nicht irgendein Gast. Er ist der höchste Gast, den sie sich vorstellen können. Darüber sind sich die Schwestern sicher einig, allein ihr Umgang mit der Situation ist völlig unterschiedlich: Während Maria Jesus zu Füßen sitzt und aufmerksam seinen Worten lauscht, arbeitet Marta emsig daran, Jesus zu bedienen. In der Tradition der Gesellschaft, in der sie lebt, sieht sie dies als ihre vornehmliche Aufgabe an.

Offenbar ist sie damit aber unzufrieden, denn sie beschwert sich bei Jesus über Maria. Diese geschwisterliche Petzerei lässt Marta oftmals unsympathisch erscheinen. Doch eigentlich kann man es ihr kaum verdenken. Die Empörung über die Ungerechtigkeit, wenn alle Verantwortung nur auf den eigenen Schultern lastet, während sich andere unbeschwert einen „lauen Lenz“ machen, kennen sicher die meisten. Da liegt es nahe, dass Marta ihrem Unmut Luft macht. Jesus aber reagiert nicht so, wie Marta es sich erhofft hat. Er befiehlt Maria nicht, ihren Teil beizutragen und Marta zu helfen, sondern bestärkt sie sogar. Maria hat, meint Jesus, indem sie ihm zuhört, eine gute Entscheidung getroffen.

Eine gute Entscheidung

Wie ist das zu verstehen? Sicher weiß doch auch Jesus, wie ernst die Gastfreundschaft zu nehmen ist und dass Marta ihre Rolle als Gastgeberin zu erfüllen hat. Dass er dem Essen und Trinken nicht abgeneigt ist, kann an vielen Stellen der Bibel nachgelesen werden. Sie sorgt sich um sein leibliches Wohl. Ist es da nicht richtiggehend verletzend, dass er Martas Mühe nicht wertschätzt und die offensichtliche Ungerechtigkeit der Aufgabenverteilung ahndet?

Entscheidend ist hier die Art, in der Jesus mit Marta spricht. Seine Worte: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen“, machen sehr wohl deutlich, dass er sie in ihrem Bestreben, eine gute Gastgeberin zu sein, wahrnimmt. Dennoch muss er sie korrigieren. Denn manchmal gibt es eben Wichtigeres im Leben als die Dinge, die vordergründig gerade dringlich sind. Anstatt den Besuch mit Aufräumen, Kochen und Putzen zu verbringen und den Gast bei aller Geschäftigkeit sich selbst zu überlassen, kann es viel wichtiger sein, sich ihm wirklich zuzuwenden und ihm zuzuhören.

Zeit für Gott

Gott als Gast – das erfordert, ihn mit dem Herzen zu empfangen, ihm die absolute Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken. Maria hat das erkannt. Sie nutzt die Zeit mit Jesus, weil sie nichts von dem verpassen will, was er ihr zu sagen hat. Sie weiß, dass dieser Augenblick ihr Leben bereichern und verändern kann. Da kann sie sogar auf die Konventionen pfeifen.

Marta und Maria – in den Seelen der meisten Menschen wohnen wahrscheinlich beide. Im Alltag, so scheint es mir, nimmt Marta manchmal Überhand: Es ist doch noch so viel zu erledigen! Dabei besteht die Gefahr, das Wichtigste zu vergessen: dem Freund zuzuhören, seine Kinder zu loben oder den Regenbogen anzuschauen. Oder auch zu beten und sonntags den Gottesdienst zu besuchen.

Um Gott zu spüren, muss ich ihm Zeit schenken. Da hilft es, immer wieder auf das eigene Herz zu hören. Mein Herz sagt mir nämlich, was gerade am wichtigsten ist.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 16. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C finden Sie hier.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.