BIBEL AM SONNTAG (18. Sonntag/C)

Stefanie Uphues: Vom Besitz besessen

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Worauf kommt es im Leben an? Diese Frage wird immer wieder in der Bibel aufgegriffen. Reichtum an sich kann es nicht sein, sagt Stefanie Uphues.

Unsere Gesellschaft steht unter einem enormen Leistungsdruck. Viele Menschen schuften täglich bis zur Erschöpfung. Sie stemmen mehrere Jobs, investieren Zeit und Kraft in den beruflichen Aufstieg, wollen ein sicheres Zuhause für ihre Familie schaffen, Rücklagen bilden, Eigentum erwerben. Oft geschieht das aus Verantwortung und aus Fürsorge.

Doch nicht selten auch aus Angst vor dem sozialen Abstieg oder der Sorge, im System nicht zu genügen. Und dann – durch Krankheit, Kündigung, einen Unfall oder eine Krise – kann alles ins Wanken geraten. Der Besitz, der mit Mühe aufgebaut wurde, ist bedroht oder wird sinnlos. Soziale Sicherheit entpuppt sich mitunter als Illusion. In dieser Erfahrung der Ohnmacht schwingt dieselbe Klage mit, die wir im Buch Kohelet hören: „Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch“ (Koh 1,2).

Grundlegende Ungerechtigkeit

Die Lesungen vom 18. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.

Kohelet ist ein weiser, aber ernüchterter Beobachter des Lebens. Seine Worte rütteln auf. Er benennt eine grundlegende Ungerechtigkeit: Der Mensch müht sich ab, verausgabt sich im Leben – und hat am Ende keine Kontrolle darüber, was mit dem Erarbeiteten geschieht. Besitz wird weitervererbt, vielleicht sogar an jemanden, der ihn nicht zu schätzen weiß. Der Tod nivelliert dann alles. Diese Weisheit hat nichts Zynisches, sondern zeigt eine spirituelle Klugheit. Sie lädt ein, zu hinterfragen: Was trägt im Leben wirklich? Worauf richte ich mein Dasein aus?

Das Evangelium nach Lukas greift genau das Thema pointiert auf: Ein Mann hortet seinen Besitz, baut größere Scheunen, um sich ein bequemes Leben zu sichern. Doch Gott spricht: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern“ (Lk 12,20). Es ist eine ernste Mahnung. Der Tod relativiert alle Sicherheiten. Besitz kann den Menschen nicht retten. Vielmehr besteht die Gefahr, dass er den Blick verengt – auf sich selbst, auf das, was „mein“ ist, auf das, was „ich“ noch brauche. Jesus warnt nicht vor Reichtum an sich, sondern vor dem Leben, das vom Besitz besessen ist. Es droht, den Menschen zu entfremden: vom Nächsten, von sich selbst, von Gott.

Klare Sprache

Die biblischen Texte sprechen es klar aus: Wer sein Lebensziel im Haben sucht, verpasst das Eigentliche – das Leben selbst. Denn das Leben ist Geschenk, kein Besitz. Es ist Beziehung, kein Eigentum. Es findet seine Tiefe nicht in dem, was ich ansammle, sondern in dem, was ich teile. Wer alles für sich behält, stirbt einsam – innerlich schon zu Lebzeiten.

Die Lesung aus dem Kolosserbrief wiederum eröffnet in dieser Situation eine Perspektive der Hoffnung: Sie spricht von einem neuen Leben, das in der Taufe grundgelegt ist. In Christus ist der Mensch nicht auf sich selbst zurückgeworfen.

Er ist nicht gefangen in der Logik des Vergleichens, Leistens, Absicherns. Vielmehr ist er ein „neuer Mensch“, der in der Gemeinschaft mit Christus lebt – und dadurch auch neu mit den Menschen lebt.

Die alten Ordnungen – „Grieche und Jude, Sklave und Freier“ (Kol 3,11) – verlieren ihre Trennkraft. Das Evangelium bricht die Logik des Eigennutzes auf. Es ruft zu einer neuen Lebensweise, die sich an Gottes Maß orientiert: Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Gerechtigkeit.

Dieser Blick verändert

Der Schreiber des Kolosserbriefes erinnert daran: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische, nicht auf das Irdische“ (Kol 3,2). Das bedeutet nicht Weltflucht. Es heißt: Lebt mit dem Blick auf das, was bleibt. Auf das, was Bestand hat, über den Tod hinaus.

Dieser Blick verändert. Er heilt die Angst, etwas zu verpassen. Er befreit von dem Druck, sich durch Besitz definieren zu müssen. Er öffnet für das Vertrauen, dass das wahre Leben nicht im Haben, sondern im Sein vor Gott liegt.

In der Taufe ist dieses neue Leben bereits gegenwärtig. Wir sind hineingenommen in die Gemeinschaft mit Christus, die auch der Tod nicht zerstören kann. Daraus wächst der Auftrag, die Welt mit anderen Augen zu sehen: nicht als Ort des egoistischen Überlebens, sondern als Raum gelebter Solidarität.

Das Leben als Gabe

Das ist der Ruf, den Gott an uns richtet: „So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber nicht reich ist vor Gott“ (Lk 12,21). Reich vor Gott ist, wer teilt. Wer liebt. Wer loslassen kann. Wer das Leben als Gabe erkennt – und es dankbar, offen und solidarisch lebt.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 18. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C finden Sie hier.

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