BIBEL AM SONNTAG (19. SONNTAG/C)

Barbara Kockmann: Was hält, wenn der Boden wankt?

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Wenn uns der Alltag mal wieder fordert, drängt sich die Frage auf: Worauf kommt es an? Der Glaube kann dann wesentlich sein, sagt Barbara Kockmann.

Auf mein Konto bei der Bank geht jeden Monat zuverlässig Geld von meinem Arbeitgeber ein. Meistens läuft es gut, ich gebe weniger aus, als ich einnehme. Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass dort ein kleines Polster wächst, gerade jetzt, wo vieles teurer wird und die Zeiten unsicher sind. Ähnlich geht es mir mit meinen Versicherungen, Kranken-, Unfall-, Hausrat- oder Arbeitslosenversicherung. Sollte wirklich etwas passieren, habe ich das Gefühl: Ich bin abgesichert. All das sind sinnvolle, notwendige Vorsorgemaßnahmen, besonders, wenn man Verantwortung für andere, wie die eigenen Kinder, trägt. Außerdem mag ich dieses Gefühl von Sicherheit.

Die Sonntagstexte fordern mich daher heraus. Sie sprechen vom Vertrauen, das trägt, auch wenn man den Weg noch nicht kennt. Vom Hoffen, obwohl gerade nichts einfach ist. Und vom Dranbleiben, obwohl man am liebsten alles kurz auf Pause drücken würde. Die Worte Jesu im Evangelium werfen einen ehrlichen Blick auf unsere Sicherheiten: „Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“ Wenn ich mich zu sehr auf meine selbstgeschaffenen Sicherheiten verlasse, dann fixiert sich mein Herz genau darauf. Dann verliere ich leicht den Blick für die Schätze, die darüber hinausgehen, für das, was wirklich zählt und bleibt.

Was sie trägt

Die Lesungen vom 19. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.

Im Hebräerbrief wird Glaube als „Grundlage dessen, was man erhofft“ beschrieben, also nicht bloß ein inneres Gefühl, sondern etwas, das Halt gibt. Abraham und Sara werden als Beispiel genannt: Sie brechen auf, obwohl sie nicht wissen, wohin die Reise geht. Sie leben in Zelten, obwohl ihnen ein ganzes Land verheißen ist. Sie glauben an Gottes Versprechen, obwohl alles dagegen spricht. Was sie trägt? Nicht Besitz, nicht Sicherheit, sondern Vertrauen. Bemerkenswert.

Ich erlebe als Schulseelsorgerin, dass viele junge Menschen sich fragen: Was gibt meinem Leben Sinn und Richtung? Was hält mich, wenn ich den Boden unter den Füßen verliere, in einer Welt, in der scheinbar nichts mehr sicher ist? Der Glaube kann hier eine neue Sicht schenken, ja sogar ein Gegenmodell zur Leistungsgesellschaft sein: Ich muss nicht alles kontrollieren. Es braucht nicht immer hundertprozentige Sicherheit. Es genügt, Gott zuzutrauen, dass er es gut mit mir meint – auch wenn ich den Weg noch nicht sehe.

Was Christen heute herausfordert

Das Evangelium bei Lukas knüpft hier an, allerdings mit einem anderen Ton: Jesus ruft zur Wachsamkeit. „Haltet euch bereit!“ Der Menschensohn wird kommen, wenn wir es nicht erwarten. Das klingt zunächst wie eine Mahnung. Doch davor steht ein Trostwort: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde!“ Gott will euch das Reich geben.

Gerade heute wird es immer mehr zu einer Herausforderung, als gläubige und praktizierende Christin in unserer Gesellschaft zu leben: Die „Herde“ wird immer kleiner. Die Kirche ist mit vielen Vorurteilen behaftet, oft zurecht. Die Werte der Botschaft Jesu scheinen nicht mehr gefragt zu sein. Zusätzlich verheddert sich die Kirche oft in ihren eigenen Strukturen und hausgemachten Problemen.

Was Gott uns zutraut

Doch Jesu Worte sind keine Drohbotschaft, sondern eine Einladung zum Leben in Bereitschaft. Nicht im Sinn von „immer funktionieren“, sondern: Bleib innerlich bereit. Halte deine Lampe brennend. Für mich heißt das: Ich verliere nicht das Wesentliche aus dem Blick, auch wenn der Alltag tobt. Ich nehme mir Zeit für einen Moment mit meinem Kind, obwohl eigentlich noch Wäsche wartet. Ich halte inne beim Spazierengehen, atme tief durch, genieße die Natur, obwohl die To-do-Liste noch lang ist.

Denn genau hier zeigt sich, wo mein Schatz ist und wo mein Herz. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich mich über erledigte Aufgaben oder äußeren Erfolg definiere. Doch der Glaube lädt ein, tiefer zu schauen: Was bleibt? Was hat wirklich Gewicht in meinem Leben? Jesu Gleichnisse machen Mut: Gott kommt nicht als Kontrolleur, sondern schaut, ob mein Herz bei der Sache ist. Auch wenn ich nicht alles schaffe. Auch wenn ich Fehler mache. Entscheidend ist: dass ich offen bleibe, wach und bereit. Nicht perfekt, aber echt.

Am Schluss sagt Jesus: „Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel verlangt.“ Das klingt zunächst streng, aber für mich steckt vor allem Anerkennung darin. Gott traut mir viel zu. Er sieht, was ich trage. Er sieht meine Verantwortung, meine Liebe, meine Kraft. Und er weiß auch: Ich muss das nicht allein schaffen. Ich darf vertrauen, dass er mit mir geht, Schritt für Schritt.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 19. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C finden Sie hier.

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